Genscher war Kämpfer für ein freies und friedliches Europa

Bremen trauert um Hans-Dietrich Genscher

Hans-Dietrich Genscher hat sich um die Wiedervereinigung verdient gemacht. Nach dem Fall der Mauer sorgte er im Rahmen des „2+4-Prozesses“ mit dafür, dass die deutsche Wiedervereinigung in einem geeinten Europa möglich wurde.

Der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Bremens Bürgermeister Dr. Carsten Sieling spricht seinen tiefen Respekt für die politische Lebensleistung von Hans-Dietrich Genscher aus: „Mit ihm ist ein bedeutender Politiker von uns gegangen, der sich in einmaliger Art und Weise für eine Entspannung des Ost-West-Konflikts und für die deutsche Wiedervereinigung eingesetzt hat.

Er war ein Kämpfer für ein gleichberechtigtes Europa, basierend auf Freiheit, Solidarität und Toleranz. Hans-Dietrich Genscher wird national wie international eine große Lücke hinterlassen, er hat Weltgeschichte geschrieben.“ Genscher war von 1974 bis 1992 18 Jahre lang deutscher Außenminister. Von 1952 bis 1956 lebte er in Bremen und arbeitete dort als Rechtsanwalt – er blieb seiner Kanzlei stets eng verbunden. Über seine enge Beziehung zur Freien Hansestadt Bremen sagte er einmal: „Die Stadt hat mich angesprochen. Sie ist ein Ort, der mich geprägt hat, an dem ich viel empfangen habe. Das werde ich nicht vergessen.“

Die besondere Verbindung zu Bremen

Was brachte Hans-Dietrich Genscher nach Bremen? Nachdem er seine juristische Staatsprüfung 1949 erfolgreich bestanden hatte, arbeitete Genscher zunächst als Referendar für den Oberlandesgerichtsbezirk Halle. 1952 verließ er die DDR mit dem Flugzeug über West-Berlin nach Bremen, um hier seine Karriere als Referendar fortzusetzen. Wie er selbst in einem Radio Bremen-Interview berichtete, hatte er sich 1952 zunächst bei allen westdeutschen Bundesländern schriftlich erkundigt, ob er seinen Referendardienst dort fortsetzen könne. Alle mit Ausnahme von Bremen antworteten mit Ja. Da er neugierig war, warum gerade Bremen mit Nein geantwortet hatte, fand er heraus, dass Bremen jungen Referendaren den höchsten Unterhaltszuschuss von brutto 200 DM zahlte.

„Daraufhin bat ich nach Bremen ausgeflogen zu werden. Ich dachte irgendwie muss das zu meistern sein. Das war natürlich schon ein Sprung ohne Netz.“ Trotz der anfänglichen Skepsis des Leiters der Justizbehörde wurde Hans-Dietrich Genscher letztlich doch als Referendar in Bremen aufgenommen und blieb nach der bestandenen Prüfung des zweiten juristischen Staatsexamens im Jahre 1956 als Rechtsanwalt in Bremen tätig. Zusammen mit seiner Mutter, die nachgereist war, wohnte er mitten im Steintorviertel im Ostertorsteinweg 90. In Bremen trat Genscher den Jungdemokraten bei und entdeckte auf einem Konzert von Ella Fitzgerald und Louis Armstrong seine Liebe zur Jazzmusik. Senatspressestelle | Peter Lohmann, Mitteilungen des Landes Bremen

Hans-Dietrich Genscher: Ein großer Europäer und wahrhaft Liberaler

Zum Tod von Hans-Dietrich Genscher erklären Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzende: Wir trauern um Hans-Dietrich Genscher, einen großartigen Menschen und herausragenden Politiker. Er prägte wie kaum ein anderer viele Jahre lang das Gesicht Deutschlands im Ausland. Er hat maßgeblich zur europäischen Einigung beigetragen und die Entspannungspolitik vorangetrieben.

Schon vor dem Fall des Eisernen Vorhangs unterstützte Hans-Dietrich Genscher umsichtig die Reformprozesse in Osteuropa. Unvergessen bleibt sein Auftritt in der Prager Botschaft, als er den dorthin Geflüchteten das Ergebnis seiner Verhandlungen mitteilen konnte. Sein durch den Jubel unvollendeter Satz, der die ermöglichte Ausreise verkündete, ging in die Geschichte ein.

Hans-Dietrich Genscher hat sich um die Wiedervereinigung verdient gemacht. Nach dem Fall der Mauer sorgte er im Rahmen des „2+4-Prozesses“ mit dafür, dass die deutsche Wiedervereinigung in einem geeinten Europa möglich wurde.

Hans-Dietrich Genscher war jedoch nicht nur Außenpolitiker, er war auch jahrelang Vorsitzender der FDP. Als Grüne haben wir mit ihm als Teil der Regierung Kohl/Genscher gestritten und debattiert. Seine Außenpolitik war dafür nur höchst selten der Anlass. Seine Lebensleistung verdient unseren Respekt. Mit ihm verliert Deutschland einen großen Europäer und wahrhaft Liberalen. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie. Bündnis 90/Die Grünen

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