Air Berlin: Mitarbeiter brauchen Klarheit

Andere Arbeitgeber haben großes Interesse an Air-Berlin-Mitarbeitern

Große Arbeitgeber aus Berlin werben aktiv um Mitarbeiter der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin. Am Dienstag möchten sie sich in der Firmenzentrale südlich des Flughafens Tegel den Angestellten im Rahmen einer „Job-Messe“ präsentieren. Wie der Berliner „Tagesspiegel“ berichtet, geht das aus einer internen Rundmail von Personalchefin Martina Niemann an die Belegschaft hervor.

Air Berlin: Mitarbeiter brauchen Klarheit

Die zuletzt so unrühmliche Firmengeschichte des einstigen Senkrechtstarters der Luftfahrtbranche steuert auf ihr letztes Kapitel zu: Air Berlin wird zerschlagen, die besten Stücke werden verkauft, Mitarbeitern wird gekündigt.

Wer zu Beginn des Insolvenzverfahrens noch glaubte, das Ende der Fluggesellschaft könnte ohne größere Entlassungen über die Bühne gehen, das Personal wechsle mit dem Verkauf schon irgendwie zum neuen Eigentümer, wird in den nächsten Tagen eines Schlimmeren belehrt: Viele Air Berliner werden sich einen neuen Arbeitsplatz suchen müssen.

Natürlich ist die Nachfrage nach Piloten groß, vor allem die nun kräftig wachsende Lufthansa-Tochter Eurowings braucht frisches Personal und ist bei Air Berlin ja auch schon fündig geworden. Aber es erwischt wie fast immer die Kleineren im Betrieb, das Bodenpersonal, womöglich auch Techniker. Air Berlin muss den Betroffenen nun schnellstens Klarheit über ihr Schicksal verschaffen. Das ist wenig genug, aber das Mindeste, das ihnen zusteht. Frank Preuß – Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Lieber eine saubere Pleite von Air Berlin

Beschäftigte und Passagiere von Air Berlin müssen viel ertragen: Die einen bangen um ihre Jobs. Die anderen leiden unter Verspätungen, Ausfällen, Chaos. Zugleich pokern die Bieter mit allen Tricks. Hans Rudolf Wöhrl bietet 500 Millionen Euro, hat aber nur 50 Millionen. Utz Claassen fiel bisher mehr mit Krach als mit Erfolgen auf. Die Lufthansa lässt sich schamlos von der Bundesregierung unterstützen. Dumm nur, dass das Kartellrecht hart ist. Daher will die Lufthansa nun nicht mehr für die Langstrecke bieten, wichtiger ist ihr ohnehin die Kurzstrecke. Zum Poker passt, dass die Gläubiger tagten, aber nicht entschieden. Man will die Wahl nicht durch Jobabbau-Zahlen stören. Das Gezerre hätte man sich erspart, wenn die Regierung Air Berlin im August in die Insolvenz hätte gehen lassen statt per Staatskredit aufzufangen. (Zumal sie Handwerker auch nicht vor der Pleite bewahrt.) Dann wären die Flugrechte an den nationalen Slot-Koordinator gegangen, der sie breit verteilt hätte. Die Urlauber hätte man schon nach Hause bekommen. Beschäftigte würden sich bereits um neue Jobs kümmern. Erneut zeigt sich, was man seit LTU und Holzmann weiß: Staatshilfe rettet keine kranken Unternehmen, sondern verlängert nur das Leiden.

Mehr als 100.000 Air-Berlin-Langstrecken-Tickets verfallen

Mehr als 100.000 Kunden, die bei Air Berlin Tickets zu Langstrecken-Zielen wie Havanna, Miami oder New York gekauft haben, werden dafür wohl nur eine geringe oder gar keine Erstattung bekommen. Dies berichtet die in Düsseldorf erscheinende „Rheinische Post“ unter Berufung auf Unternehmenskreise. Betroffen sind alle Kunden, die ein Langstrecken-Ticket vor dem 15. August gekauft haben, dem Tag, an dem Air Berlin Insolvenz angemeldet hat. Tickets, die bis dahin gekauft wurden, landen bei einer Stornierung des Fluges in der Insolvenzmasse. Experten rechnen damit, dass diese Kunden maximal zehn Prozent des Preises zurückerhalten. Tickets, die nach dem 15. August gekauft wurden, werden dagegen erstattet. Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, erklärt dazu: „Es ist erschreckend, wenn so viele Menschen mit teuer bezahlten Langstreckentickets Opfer der Insolvenz von Air Berlin wurden. Dies zeigt, dass die Airlines unbedingt ebenso eine Insolvenzversicherung abschließen müssen, wie es Reiseveranstalter bereits für Pauschalreisen tun müssen.“

Air-Berlin-Kredit bringt der Kreditanstalt für Wiederaufbau hohen Gewinn

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) lässt sich ihren Überbrückungskredit in Höhe von 150 Millionen Euro an Air Berlin mit elf Prozent im Jahr verzinsen. Das berichtet die in Düsseldorf erscheinende „Rheinische Post“ (Montagausgabe) unter Berufung auf informierte Quellen. Zusätzlich muss die insolvente Fluggesellschaft eine Million Euro an Bearbeitungsgebühr an die staatliche Bank zahlen. Wenn der vom Bund abgesicherte Kredit mit den Zahlungen von Lufthansa, Easyjet und möglichen weiteren Käufern von Firmenteilen zurückgezahlt wird, hat die KfW einen Gewinn in Höhe von mehreren Millionen Euro gemacht, abhängig von der Laufzeit der zu verschiedenen Terminen ausgezahlten Kredittranchen. Rheinische Post

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