Arbeitslose Flüchtlinge: Sind Merkels Wundermenschen überqualifiziert?

SPD appelliert an Konzerne: Mehr Stellen für Flüchtlinge schaffen

Die Hoffnung der Wirtschaft, Heerscharen hochqualifizierter Facharbeiter stünden nun dem deutschen Arbeitsmarkt zur Verfügung, erwies sich als Illusion. Dennoch kommt mit den Flüchtlingen ein enormes Potenzial ins Land. Statt über fehlende Qualifikation zu klagen, sollten Unternehmer also lieber mehr Ausbildungsplätze schaffen. Und der Staat sollte die Zahl der Sprach- und Integrationskurse erhöhen. All das wird natürlich Geld kosten. Aber es wäre gut investiert. Rhein-Neckar-Zeitung

Arbeitslose Flüchtlinge: Sind Merkels Wundermenschen überqualifiziert?

Ist das deutsche Beschäftigungswunder die längste Zeit ein Wunder gewesen? Wer die aktuelle Arbeitslosenprognose der Bundesregierung nur oberflächlich zur Kenntnis nimmt, der könnte die Frage mit Ja beantworten. Doch Panikmache ist unangebracht. Wenn allein im vergangenen Jahr mehr als eine Millionen Flüchtlinge nach Deutschland kamen, dann kann das nicht spurlos am Arbeitsmarkt vorübergehen. Steigen vor diesem Hintergrund die Arbeitslosenzahlen, dann heißt das auch, dass immer mehr Neuankömmlinge ihr Asylverfahren durchlaufen haben und nun den Arbeitsmarkt erreichen. Erst dann werden sie nämlich von der Bundesarbeitsagentur erfasst.

Arbeitslose Flüchtlinge

Und erst dann kann endlich auch die Integration ins Erwerbsleben starten. Insofern hat die Regierungsprognose sogar etwas Positives. Bereits 2015 wurde bekannt, dass die Arbeitsagenturen das Ausmaß der Arbeitslosigkeit von Flüchtlingen ab Mitte 2016 gesondert erfassen würden. Dies sorgte damals für böses Blut. Kritiker fürchteten, die Regierung könnte so das Problem klein rechnen. Seit Juni lässt sich die Entwicklung schwarz auf weiß nachlesen. Aktuell sind 5,3 Prozent der Arbeitslosen Flüchtlinge. Dieser Anteil wird zwangsläufig erst einmal weiter zunehmen. Wann sich der Trend stoppen oder gar umkehren lässt, hängt von vielen Faktoren ab. Zuallererst natürlich von der Integrationswilligkeit der Flüchtlinge selbst. Von ihrer Bereitschaft, sich auf die deutsche Gesellschaft einzulassen. Doch das kann keine Einbahnstraße sein. Die Sprachförderung bleibt das A und O. Zugleich müssen genügend staatliche Integrationskurse zur Verfügung stehen. Genauso wie Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, denn das Qualifikationsniveau der allermeisten Neuankömmlinge ist gering. Auch deshalb sollten Arbeitsvermittler schon während der Asylverfahren noch stärker aktiv werden, um die berufliche Eignung Betroffener frühzeitig festzustellen.

Notwendig ist auch eine Anerkennung von Berufsabschlüssen, die nicht unbedingt immer den hohen deutschen Standards entsprechen. Zweifellos sind hier auch die Unternehmen in der Pflicht. Dabei ist es kein Nachteil, dass viele von ihnen dringend Personal suchen und sich deshalb selbst ins Zeug legen (müssen), um Eignungsdefizite potenzieller Bewerber abzubauen. Für Flüchtlinge dürften sich so ebenfalls bessere Beschäftigungschancen auftun als noch in Zeiten, da die Arbeitslosigkeit in Deutschland von einem traurigen Rekord zum nächsten eilte. Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen grundlegend geändert: Bis 2020 erwartet die Bundesregierung einen Anstieg der Beschäftigtenzahl um eine Million auf gut 44 Millionen. Ebenfalls nachzulesen in ihrer aktuellen Prognose. Damit wäre das Wunder also noch lange nicht vorbei. Westfalen-Blatt

Oppermann: Worten müssen auch Taten folgen

Die SPD im Bundestag appelliert an die großen Konzerne in Deutschland, mehr Lehrstellen und Jobs für Flüchtlinge bereit zu stellen. Fraktionschef Thomas Oppermann sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Ich erwarte, dass die Vorstände der DAX-Konzerne beim geplanten Treffen mit der Bundeskanzlerin konkrete Zusagen machen.“ Oppermann betonte: „Viele Chefs der großen Unternehmen haben vor einem Jahr die Ankunft der Flüchtlinge als eine Chance für unsere Gesellschaft begrüßt. Ich erwarte jetzt, dass diesen Worten auch Taten folgen.“ Die Dax-Konzerne sollten sich dabei die Handwerksbetriebe und die mittelständische Wirtschaft zum Vorbild nehmen, „die sich in besonderer Weise anstrengen“. Bislang bieten viele große Arbeitgeber kaum Jobs für Flüchtlinge. Die 30 größten Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) hatten nach einer im Juli veröffentlichten Umfrage der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ nur 54 Flüchtlinge eingestellt. Mitte September soll es nach Medienberichten ein Treffen zwischen Kanzlerin Angela Merkel und den Vorstandschefs der wichtigsten deutschen Konzerne geben. Neue Osnabrücker Zeitung

DIHK-Chef Schweitzer sieht keine Defizite bei Engagement der Wirtschaft für Flüchtlinge – Lage am Ausbildungsmarkt „dramatisch“

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, hat Vorwürfe zurückgewiesen, wonach sich die Wirtschaft nicht genügend für die Flüchtlingsintegration engagieren würde.

„Die Integration von Flüchtlingen ist ein langer Weg. Darüber muss sich auch die Politik im Klaren sein“, sagte Schweitzer der „Saarbrücker Zeitung“ (Mittwoch-Ausgabe). Von dem Tag, an dem ein Flüchtling deutschen Boden betrete, bis zu dem Punkt, wo er in der Lage sei, eine Ausbildung oder Einstiegsqualifizierung anzufangen, vergingen durchschnittlich zwei Jahre, erläuterte der Verbandschef. Kernproblem seien die fehlenden Sprachkenntnisse, und deren Erwerb brauche Zeit. „Deshalb gehen auch Vorwürfe ins Leere, die den Betrieben hier zu wenig Engagement unterstellen“, sagte Schweitzer.

Entsprechende Äußerungen gab es zuletzt von CDU-Vize Julia Klöckner.

Zugleich beklagte Schweitzer die aus wirtschaftlicher Sicht angespannte Lage am Ausbildungsmarkt. „Im letzten Monat waren bei den Unternehmen noch 170.000 Ausbildungsplätze nicht besetzt. Und das bei gleichzeitig nur noch 150.000 Bewerbern“, rechnete er vor. „In fast jedem dritten Ausbildungsbetrieb bleiben mittlerweile Lehrstellen unbesetzt. Rund 14.000 haben überhaupt keine Bewerber mehr“ Das sei schon „dramatisch“, sagte Schweitzer. Zu den Ursachen zählte er neben sinkenden Schülerzahlen einen starken Anstieg der Zahl der jährlichen Studienanfänger.

„Wir haben zu wenig Berufsorientierung an den Gymnasien“, so Schweitzer. Hier setze man auf die Allianz für Aus- und Weiterbildung von Bund, Ländern, Wirtschaft und Gewerkschaften. „Durch diese Initiative sollen Jugendliche erkennen, dass eine berufliche Ausbildung für sie individuell der bessere Weg sein kann als ein Studium“, sagte der DIHK-Chef. Saarbrücker Zeitung

Ihre Meinung ist wichtig!

Persönliche Angaben freiwillig! Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.