Dagobert Deutschland: Hoher Handelsbilanzüberschuss und der Kritik daran

Zu stark für andere

Donald Trump will mehr Chevrolets in Düsseldorf und weniger BMWs in New York sehen. Und überlegt deshalb eine Importsteuer. Als ob die deutschen Exporterfolge staatlich gelenkt wären. Das ist eine völlig abwegige Analyse des deutschen Handelsbilanzüberschusses. Die Amis müssen halt bessere Autos bauen, wenn sie in Europa Erfolg haben wollen, ganz einfach.

Dagobert Deutschland: Hoher Handelsbilanzüberschuss und der Kritik daran

Die EU-Kommission liegt mit ihren aktuellen Empfehlungen wie zuvor schon der Internationale Währungsfonds viel näher an der Wahrheit. Das Problem ist aus der Sicht dieser beiden Institutionen nicht, dass die Deutschen so viel exportieren. Gute Qualität kann man nicht verbieten. Das Problem ist, dass sie die Erlöse nicht ausgeben. Sie sitzen auf ihrem Geld wie Onkel Dagobert. Sie paaren Fleiß und Können mit Sparsamkeit und niedrigen Löhnen. Der deutsche Staat hält sein Geld zusammen, schwarze Null fast überall. Die Sozialkassen haben sogar Überschüsse. Die relative Staatsverschuldung sinkt rapide.

Der Rückstau bei den Bildungsausgaben, in der Verkehrsinfrastruktur, bei der digitalen Versorgung und beim Personal ist dafür enorm. Die Privathaushalte sparen ebenfalls wie verrückt, trotz geringer Zinserträge. Und die Unternehmen investieren ihre satten Gewinne nur sehr zurückhaltend. Spare beizeiten, dann hast du in der Not, das ist finanzielle deutsche Leitkultur. Vielleicht stammt sie noch aus der Nachkriegszeit. Volkswirtschaftlich bedeutet das bei einer so starken Exportnation jedoch, dass die anderen Nationen regelrecht ausgesaugt werden, mit jedem Produkt Made in Germany mehr, das sie erwerben. Deutschland will das nicht ändern, logisch. Aber alle, wirklich alle anderen, sprechen das an, immer lauter. Und damit ist es auch ein deutsches Problem. Die Vorschläge von IWF und EU-Kommission fallen mitten in den Wahlkampf.

Berlin soll Steuern senken, vor allem bei den kleinen und mittleren Einkommen, weil diese Menschen das Geld sofort in den Konsum stecken. Aber auch für Unternehmen soll die Belastung geringer werden, auf dass die Investitionslaune wieder steige. Der Staat soll mehr Geld ausgeben für die Infrastruktur. Die Löhne sollen kräftig steigen, vielleicht sogar der Mindestlohn. Das Rentenniveau soll höher werden. Alles, damit das Land mehr ausgibt – und damit auch mehr importiert. Es sind Vorschläge von konservativen Institutionen, aber viele von ihnen sind wie gemalt für den Wahlkampf der politischen Linken, von Schulz bis Wagenknecht. Und trotzdem werden die Deutschen zögern, ihnen zu folgen. Geld ausgeben ist einfach nicht ihr Naturell. Nicht von ungefähr haben die Worte Schulden und schuldig bei uns den gleichen Wortstamm. Übrigens: Nur in der deutschen Sprache. Lausitzer Rundschau

Die deutschen Konjunkturdaten sind in jeder Hinsicht erstaunlich – sie fallen nicht nur stärker aus als erwartet, sondern brechen einen Rekord nach dem anderen. An der Fortsetzung des immer breiter und stärker ausfallenden Aufschwungs mag keiner zweifeln, zeigt doch die Ifo-Konjunkturuhr im Mai so weit wie noch nie in den Boom-Bereich.

Doch wann ist ein Boom wirklich ein Boom? Ist die uneingeschränkte Freude über die wirtschaftliche Entwicklung gerechtfertigt? Sollte das Auseinanderlaufen der Stimmungsindikatoren und der harten Daten nicht allmählich bedenklich stimmen – zumindest ein klein wenig? Zumal man nicht vergessen darf, dass zwar die Binnenkonjunktur rund läuft, der Aufschwung in seiner Gesamtheit aber auch aus externen Faktoren gespeist wird. Am offensichtlichsten sind da neben dem immer noch vergleichsweise niedrigen Euro-Kurs, der die Exporte nach oben treibt, die lockere Geldpolitik der EZB, deren Geldfluten allmählich in der Realwirtschaft anzukommen scheinen.

Der Blick auf die Unternehmensinvestitionen zeigt, dass diese allmählich anspringen, doch ist der Beitrag der Ausrüstungsinvestitionen noch weit entfernt vom früheren Normalwert. Dabei sind Kredite bereits seit langem rekordverdächtig günstig, und die Banken reichen wieder mehr Darlehen aus. Nur von der Bauwirtschaft kommt ein starker Impuls – aber das sollte unter diesen Umständen eher nachdenklich stimmen.

Irritierend ist auch, dass sich die Unternehmen mit Investitionen zurückhalten, zugleich aber in Umfragen von einer schon fast überschäumenden Stimmung in den Chefetagen berichtet wird. Trauen sie dem Frieden nicht? Sind sie skeptischer, als sie es den Prognostikern mitteilen? Beim Blick auf die Details wird die Lage etwas klarer: Die Lagekomponente des Ifo-Barometers liegt zwar auf ihrem Allzeithoch, die Erwartungskomponente allerdings hinkt hinterher. Auch die Unternehmen sind also nicht mit sich im Reinen. Grund dafür sind die politischen Unsicherheiten. Nach der Wahl von Emmanuel Macron zum Präsidenten Frankreichs sind sie zwar abgeebbt, aber nicht aus der Welt. Neben den Brexit-Folgen gibt es noch US-Präsident Donald Trump, der einen großen Risikofaktor für die deutsche Exportwirtschaft darstellt, zumal mit China ein weiterer Handelspartner schwächelt.

Auch wenn das alles nicht für einen Boom spricht, um das Wirtschaftswachstum muss einem nicht bange sein, auch wenn es nicht so stark ist wie beim letzten Ifo-Rekordhoch. Gefühlt brummt die Wirtschaft – und darauf kommt es ja auch an. Alexandra Baude – Börsen-Zeitung

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