Der Brexit kennt keine Gewinner – Gefahr für deutsche Arbeitsplätze

Laut Deloitte-Studie ist für 62 Prozent der deutschen Unternehmen die Arbeitnehmerfreizügigkeit elementar

Nach dem Brexit-Ergebnis stellen sich zentrale Fragen: Welche Konsequenzen hat das Ergebnis aus wirtschaftlicher und rechtlicher Sicht? Welche Rolle spielen Medien und Öffentlichkeitsarbeit, und wie wird die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik aussehen? Mittelstandspräsident Mario Ohoven warnt vor den Folgen des Brexit: Zwar schade er den Briten am meisten selbst, aber auch die deutsche Wirtschaft werde darunter leiden.

Der Brexit kennt keine Gewinner – Gefahr für deutsche Arbeitsplätze

Wie die aktuelle Human-Capital-Trend-Studie von Deloitte zeigt, bewerten fast zwei Drittel der deutschen Firmen die Arbeitnehmerfreizügigkeit als maßgeblich. Somit gehört aus ihrer Sicht die freie Wahl des Arbeits- und Wohnortes innerhalb der EU zu den grundlegenden Elementen wirtschaftlichen Erfolgs. Der Brexit bedeutet hier eine Gefahr: Deutsche Firmen verdienen fast jeden zehnten Euro auf der Insel und DAX-Firmen beschäftigen immerhin 200.000 Arbeitnehmer in England.* Die konkreten Auswirkungen des Brexit kann die Hälfte der HR-Abteilungen noch nicht absehen. Aber auch die Folgen der Digitalisierung stehen auf der Agenda. Dazu gehören der gezielte Aufbau einer flexiblen und dynamischen Organisation, eine neue Führungskultur sowie lebenslange Lern- und Karrierekonzepte, die nicht mehr unbedingt linear verlaufen. Auch der sogenannte digitale Arbeitsplatz spielt eine wichtige Rolle. Jedoch fehlen vielerorts noch die Daten in erforderlicher Menge und Qualität, um diesen Ansprüchen wirklich gerecht werden zu können. Dabei sind solche Maßnahmen gefragt, da die durchschnittliche Verweildauer in einem Unternehmen nur noch bei 4,5 Jahren liegt.

„Der Brexit ist auch für HR-Abteilungen Anlass für Spekulationen, vieles muss erst die weitere Entwicklung zeigen. Sicher ist aber, dass mögliche Rückschritte in der Arbeitnehmerfreizügigkeit die Arbeit deutscher Unternehmen beeinflussen – einige sollten sich bereits jetzt auf die neue rechtliche Situation vorbereiten, z.B. bei Arbeitnehmerentsendungen“, erklärt Dr. Udo Bohdal-Spiegelhoff, Partner und Leiter Human Capital Advisory bei Deloitte.

Kaum Vorbereitungen auf Auswirkungen des Brexit

62 Prozent der Firmen in Deutschland schätzen die Arbeitnehmerfreizügigkeit als wichtig bis sehr wichtig ein. Da diese durch den Brexit stark eingeschränkt zu werden droht, müssen Unternehmen reagieren. Bislang hat jedoch nur eine von zehn Firmen bereits Maßnahmen geplant. 38 Prozent der Befragten können allerdings auch noch nicht abschätzen, was konkret auf sie zukommt. Lediglich 3 Prozent können sich positive Konsequenzen vorstellen, ein knappes Viertel sieht keine Folgen für das eigene Unternehmen. Wird die Freizügigkeit tatsächlich massiv eingeschränkt, sehen Unternehmen zwei Möglichkeiten: entweder ihre Mitarbeiter in Großbritannien zu rekrutieren oder Niederlassungen zu schließen.

HR im Wandel

Der Brexit hat unmittelbare Auswirkungen auf die Arbeit von HR-Abteilungen – aber auch andere Megatrends verlangen eine längerfristige Vorbereitung und Anpassung. Hierzu gehören vor allem eine völlig neue Organisationsformen, andere Leadership-Modelle und nicht zuletzt auch vom Gewohnten abweichende Berufs- und Karriereentwicklungen. Für 90 Prozent der Befragten ist die veränderte Organisation für ein zukunftsfähiges Unternehmen wichtig. Agilität und Anpassungsfähigkeit gewinnen in der HR-Abteilung an Bedeutung. Hierarchische Strukturen werden stärker zugunsten eigenverantwortlicher Teams abgebaut und neue Führungsmodelle sind gefragt. Zurzeit halten sich aber gerade einmal 14 Prozent der Unternehmen für fähig, diesen Ansprüchen ansatzweise zu genügen.

Durchschnittliche Verweildauer im Unternehmen sinkt

Die Wünsche der Arbeitnehmer sind für HR-Abteilungen wichtig, wenn sie diese an sich binden und dem aktuellen Trend entgegenwirken wollen: Weltweit bleiben Mitarbeiter durchschnittlich nur noch 4,5 Jahre bei einem Arbeitgeber. Die Mehrheit der Deutschen (54%) geht sogar davon aus, dass sich diese Verweildauer noch verkürzt. Deshalb sind Unternehmen gefordert, möglichst flexible Karrieremodelle anzubieten. Derzeit sehen sich zwei Drittel der Befragten aber noch unzureichend auf das Thema vorbereitet.

„Digitale Führung“ im Teammodus

Das Thema Führung findet sich ganz oben auf der Prioritätenliste von HR-Abteilungen. Eine zeitgemäße „digitale Führung“ betrifft weniger Einzelpersonen als vielmehr die gemeinschaftliche Teamleistung. Der interdisziplinäre Ansatz wird dabei von einer Risikotoleranz sowie einer kontinuierlichen Lern- und Optimierungskultur ergänzt. Hier sind über zwei Drittel der Unternehmen gegenwärtig noch nicht gut aufgestellt. Ähnlich ist das Bild bei der Datenlage, die für eine erfolgreiche digitale Transformation notwendig ist. Bislang hat die Hälfte der Studienteilnehmer kaum Lösungen gefunden, Echtzeit-Leistungsinformationen in Gestalt von Analysen, Reports oder Dashboards zur Verfügung zu stellen.

„Gerade in Zeiten der voranschreitenden Digitalisierung ist lebenslanges Lernen relevanter denn je. Einmal erworbenes Wissen reicht heute für maximal fünf Jahre, bevor es erweitert und ergänzt werden muss. Das gilt für bestehende Mitarbeiter und für die Talentgewinnung. Deshalb sollten Unternehmen entsprechende Angebote entwickeln, die zum wichtigen Wettbewerbsfaktor werden können“, resümiert Bohdal-Spiegelhoff. Isabel Milojevic – Deloitte Touche Tohmatsu Limited („DTTL“)

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