Deutsche Umwelthilfe fordert fünfstellige Strafgebühr bei SUV-Zulassungen

Autobauer in der Zwickmühle

Die PS-Branche will lieber in die Zukunft als in alte Motoren investieren. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat vor der Eröffnung der Automesse IAA eine Strafgebühr auf die Zulassung von Diesel-SUV gefordert. Auto-Empfehlung mit realistischen Verbrauchsdaten: Benzin-Hybride und Erdgasfahrzeuge sind eine gute Wahl, Elektroautos werden besser.

Deutsche Umwelthilfe fordert fünfstellige Strafgebühr bei SUV-Zulassungen

„In Skandinavien wird mitunter ein hoher Betrag fällig, wenn man einen durstigen Diesel-SUV zulassen will“, sagte DUH-Chef Jürgen Resch der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Andersherum gebe es staatliche Prämien für denjenigen, der ein E-Auto zulässt. Das solle es auch in Deutschland geben, sagte Resch. Um die Automobilindustrie zu emissionsarmen und spritsparenden Fahrzeugen zu bewegen, fordert er einen Stopp für die Begünstigung von Diesel-Kraftstoff und ein solches Bonus-Malus-System bei der Kfz-Steuer. Resch übte zudem Kritik an den deutschen Autoherstellern bei der Fortentwicklung von Diesel-Motoren. „Nach meinem Sachstand gibt es noch keine Typzulassung eines Diesel-Pkw nach der aktuellen Abgasnorm Euro 6d“, so Resch. Die diesjährige IAA drohe zu einer „Provinzveranstaltung“ zu verkommen. Elf Hersteller, so viele wie noch nie, hätten abgesagt, wichtige E-Fahrzeuge etwa von Nissan oder Tesla würden fehlen. „Was in diesem Jahr dominiert, sind die Dinosaurier des Autozeitalters: immer größere, schwerere Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, darunter viele Diesel“, sagte der DUH-Chef. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird die 67. IAA am Donnerstag eröffnen. Rheinische Post

Autobauer in der Zwickmühle IAA

Die Internationale Automobil-Ausstellung in Frankfurt ist alle zwei Jahre ein Heimspiel für die deutschen Marken. Dort glänzen die neuesten Modelle in den Messehallen, protzen die Autobauer damit, im Wettlauf um die Technik der Zukunft ganz an der Spitze zu liegen. Doch in diesem Jahr drücken die Dieselkrise, der Abgasskandal und Kartellvorwürfe auf die Stimmung. Den Managern werden schmutzige Machenschaften vorgeworfen. Eine Vorzeigebranche steht am Pranger. Die Bundeskanzlerin zeigt sich empört und spricht offen von Betrug. Und selbst Matthias Wissmann, der normalerweise stets sehr vorsichtig formulierende Präsident des Branchenverbands VDA, appelliert an die Automanager: Sie müssten sich kritischen Fragen offener stellen und mehr Selbstreflexion üben. Die Manager zeigen sich zwar reumütig, doch immer noch scheinen sie den Schutz von Umwelt und Gesundheit eher als lästigen Kostenfaktor zu betrachten. Wieder einmal sieht es so aus, als ob sie sich nur bewegen, wenn die Politik massiv Druck macht. Der Unmut zu größeren Anstrengungen erinnert an die frühere Verzögerungstaktik wie beim Rußpartikelfilter oder bei der Einführung des Katalysators. Stuttgarter Zeitung

Autokauf im Abgasskandal: VCD Auto-Umweltliste 2017/2018 veröffentlicht – Mit diesen Pkw umweltverträglich in die Zukunft fahren

Auto-Empfehlung mit realistischen Verbrauchsdaten: Benzin-Hybride und Erdgasfahrzeuge sind eine gute Wahl, Elektroautos werden besser. Diesel und Benzin-Direkteinspritzer sind nicht zu empfehlen. Autohersteller müssen aus Dieselgate lernen, Fahrzeuge auch auf der Straße Grenzwerte einhalten.

Wer sich ein sparsames Auto kaufen und damit auch in den nächsten Jahren sicher in die Innenstädte fahren will, sollte nach Benzin-Hybrid- und Erdgasfahrzeugen sowie kleinen, effizienten Benzinern Ausschau halten. Von Dieselfahrzeugen sowie Benzinern mit Direkteinspritzung ohne Partikelfilter rät der ökologische Verkehrsclub VCD in seiner VCD Auto-Umweltliste 2017/2018 dringend ab. Die heute in Berlin veröffentlichte Liste enthält 34 Pkw, davon sechs Benzin-Elektro-Hybride, fünf Erdgas-Pkw, 13 Benziner und zehn Elektroautos. Alle vom VCD vorgestellten Autos verbrauchen nicht nur im Labor, sondern auch auf der Straße vergleichsweise wenig Kraftstoff und Energie. Und sie werden auch in einigen Jahren in jeder Umweltzone fahren dürfen. Diesel-Pkw tauchen in der Liste nicht auf. Da nach wie vor nur sehr wenige Daten zum Schadstoffausstoß und Spritverbrauch von Pkw auf der Straße verfügbar sind, verzichtete der VCD auf ein umfassendes Auto-Ranking. Stattdessen präsentierte er eine Positiv-Liste von Fahrzeugen, zu denen verlässliche und aus Umweltsicht vertretbare Emissions- und Verbrauchswerte vorliegen.

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD: „Die Entscheidung, in Zeiten des Abgasskandals ein Auto zu kaufen, sollte wohl überlegt sein. Wer seinen Euro-4-Diesel jetzt für einen Euro-6-Diesel verschrottet, kann mit dem Neuwagen vielleicht schon bald nicht mehr in die Umweltzone fahren. Es ist ein Skandal, dass heute immer noch Euro-6-Diesel zugelassen werden, die den gesetzlichen Stickoxid-Grenzwert bei Straßenmessungen um das Mehrfache überschreiten. Wir empfehlen dringend, nur ein umwelttechnisch einwandfreies Auto zu kaufen. Die gute Nachricht ist: Mit den Pkw, die wir für die Auto-Umweltliste ausgewählt haben, sind Verbraucher auf der sicheren Seite.“

Zu den empfehlenswerten Autos zählt der VCD Benzin-Hybride wie den Toyota Prius Hybrid. Dieser ist inzwischen in der vierten Generation unterwegs und bewährt sich in vielen Städten als sparsames und zuverlässiges Taxi. Auch Erdgasmodelle wie der VW eco up! sind zu empfehlen. Eine gute Wahl sind zudem effiziente Benziner ohne Direkteinspritzung wie der Citroen C1 VTi 68 Stop&Start. Elektroautos wie der BMW i3 sind besonders für Fahrzeugflotten und Pendler geeignet. Die vier genannten Fahrzeuge stehen stellvertretend für die vom VCD empfohlenen Antriebe.

Dieselfahrzeuge kann der VCD nicht empfehlen, da kaum ein Autohersteller belegen konnte, dass die Stickoxid-Grenzwerte seiner Pkw auch auf der Straße eingehalten werden. Die einzige Ausnahme, der Mercedes E 220d, wurde nicht in die VCD Auto-Umweltliste aufgenommen, da er zu viel Sprit verbraucht und vor Fahrverboten nicht völlig sicher ist. Solange es keine blaue Plakette gibt, können alle Diesel von Fahrverboten betroffen sein. Auch direkteinspritzende Benziner sind nicht in der Liste enthalten, da sie noch keinen Partikelfilter haben und deshalb eine hohe Zahl ultrafeiner und besonders gesundheitsschädlicher Partikel ausstoßen.

Gerd Lottsiepen: „Die Autoindustrie weiß, wie schädlich die Partikel aus direkteinspritzenden Benzinern sind, und sie weiß, dass Partikelfilter wirksam und kostengünstig sind. Doch sie spielt auf Zeit. Ab September 2018 gilt für neuzugelassene Benziner ein neuer Grenzwert für Partikel. Aus diesem Grund müssen innerhalb des nächsten Jahres fast alle neuen direkteinspritzenden Benziner mit einem Filter ausgerüstet werden. Wenn die Hersteller jetzt noch filterlose Autos verkaufen, hintergehen sie wieder einmal ihre Kunden und vergiften bewusst die Menschen mit Schadstoffen.“

Wasilis von Rauch, Bundesvorsitzender des VCD, erinnerte daran, dass der Diesel und andere Verbrennungsmotoren in der Klimakrise nicht zukunftsfähig sind: „Die Autoindustrie ist mitverantwortlich dafür, dass die CO2-Emissionen aus dem Verkehr in Deutschland seit Jahren ansteigen statt zu sinken. Die Dieselaffäre muss ein Weckruf für die Politik sein, endlich die überfällige Verkehrswende einzuleiten. Wir brauchen insgesamt weniger Autos auf unseren Straßen, mehr E-Mobilität und schärfere CO2-Grenzwerte. Das trägt zu mehr Lebensqualität, zum Gesundheits- und Klimaschutz bei.“

Der VCD hatte für die diesjährige Auto-Umweltliste bei den Herstellern Angaben zu realistischen Verbräuchen und Emissionen ihrer Pkw abgefragt. Die Autokonzerne sollten neben den offiziellen Angaben, die aus einem Labortest im Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) stammen, auch Daten aus Straßenmessungen liefern – insbesondere aus RDE-Messungen (Real Driving Emissions). Die Hersteller müssen seit April 2016 neue Modelle auch Straßentests unterziehen. Dennoch gaben viele Autokonzerne an, die Daten aus den realistischen Messungen nicht liefern zu können. Um für die in der VCD Auto-Umweltliste 2017 /2018 empfohlenen Fahrzeuge realistische Angaben machen zu können, griffen die VCD-Autoexperten zusätzlich auf unabhängige Quellen wie das Online-Tool spritmonitor.de oder das Emissions-Kontroll-Institut zurück. Alle Fahrzeuge in der Liste stoßen auf der Straße nicht mehr als 150 g CO2/km aus.

Michael Müller-Görnert, VCD-Verkehrsexperte: „Auch im Jahr zwei des Abgasskandals nehmen die Autokonzerne ihre angekündigte Transparenzoffensive nicht ernst. Sie mauern, wenn es darum geht, die Daten aus Straßenmessungen herauszugeben. Sie werden auf der IAA in Frankfurt fast nur Fahrzeuge vorstellen, die nach den alten, laschen Regeln zugelassen wurden und im nächsten Jahr als neu verkauft werden. Für uns heißt das: Die Autohersteller verkennen die Zeichen der Zeit und verspielen weiter das Vertrauen der Verbraucher.“ Verkehrsclub Deutschland e.V.

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