Deutschen Bahn könnte unter Streikfolgen dauerhaft leiden

Reputation des Verkehrsträgers Schiene leidet massiv

Bestandskunden der Deutschen Bahn, die ihre Waren nicht fristgemäß zustellen könnten, sehen sich mit den Regressforderungen ihrer Vertragspartner konfrontiert.

Deutschen Bahn könnte unter Streikfolgen dauerhaft leiden

„Mit dem auf sieben Tage angelegten Bahnstreik stößt die Lokführergewerkschaft GDL in eine neue Dimension vor.“ Das betonte Dr. Christoph Feldmann, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) am Mittwoch in Frankfurt. Leere Materiallager, unterbrochene Wertschöpfungsketten und Produktionshindernisse in zahlreichen Industriebranchen lassen, wie bereits von mehreren Forschungsinstituten berechnet, im Streikzeitraum volkswirtschaftliche Schäden im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich befürchten.

Bahnstreik ist eine Katastrophe für die deutsche Wirtschaft

Nicht zu unterschätzen seien auch die zusätzlichen Betriebskosten, die bei den Industrieunternehmen als Folge des Bahnstreiks anfallen. Schließlich müssten sowohl Global Player als auch KMU Notfallpläne erstellen, diese auf die sich ständig ändernde Streiksituation anpassen und die Vertragspartner über Lieferverzögerungen informieren.

Es sei zu hoffen, dass es der Bahn gelinge, mit einem Krisenteam die Streik-Auswirkungen auf den Güterverkehr gering zu halten. Feldmann: „Bisher signalisieren uns unsere Mitgliedsfirmen, dass sie bis zu drei Streiktage verkraften können. Große Sorge bereitet dem BME, dass generell das Image des Transportträgers Schiene durch die „erneute Zuspitzung im Tarifstreit bei der Deutschen Bahn dauerhaft leidet.

Das in den vergangenen Jahren wieder mühsam aufgebaute Renommee als zuverlässiges Verkehrsmittel für Gütertransporte erhält nach Feldmanns Einschätzung „durch die völlig überzogenen Streikaktionen der GDL einen enormen Rückschlag“. Der Ruf der Bahn als zuverlässiges Transportmittel befinde sich spätestens dann in akuter Gefahr, wenn er nicht sogar irreparabel beschädigt werde. Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. www.bme.de

Es geht nur um die Macht

Was sich im Tarifkonflikt der Deutschen Bahn abspielt, ist nicht mehr nachzuvollziehen. Zwei Gewerkschaften ringen mit einem Arbeitgeber – um was eigentlich? Weshalb sonst weist die Lokführer-Gewerkschaft Tariferhöhungen von 4,7 Prozent zurück und kündigt ab heute wieder Streiks an und zwar „richtig lange“, wie GDL-Chef Claus Weselsky angedroht hat?

Die Eisenbahnergewerkschaft EVG macht auch keine bessere Figur. Sie kämpft für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Entlohnung der Zugbegleiter, auch ihr reichte bisher kein Angebot aus. Fürchtet sie einen Machtverlust, falls die GDL mehr herausholt? Nun hat die Bahn erneut eine Schlichtung vorgeschlagen. Am besten prüft die EVG gleich mit – und zwar, ob der Bieterwettbewerb mit der GDL gerechtfertig ist. Südwest Presse

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