DIW erwartet leichten Ölpreisanstieg

Niedriger Ölpreis setzt Förderländer und Ölfirmen unter Druck

Für 2015 erwarteten die Ölförderländer einen durchschnittlichen Ölpreis von 95 Dollar pro Barrel, tatsächlich lag er bei 49 Dollar pro Barrel. Eine Stagnierende Nachfrage, hohe Ölproduktion in OPEC-Ländern und verstärkte Schieferölförderung in den USA führten zu Preisverfall. Staatshaushalte der Ölförderländer basieren auf 38-53 Dollar pro Barrel, tatsächlicher Ölpreis dürfte aber unter 40 Dollar liegen.

DIW erwartet leichten Ölpreisanstieg

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet leicht steigende Ölpreise. „Es ist wahrscheinlich, dass sich die OPEC-Staaten einigen, die Ölförderung auf das Produktionsniveau vom Januar einzufrieren. Der Ölpreis ist derzeit stark spekulativ getrieben, sodass damit zu rechnen ist, dass der Ölpreis nach der Einigung und Ankündigung eher steigen wird“, sagte DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert der „Rheinischen Post“ zu den aktuellen Verhandlungen in Doha. Sollten der Ölpreis steigen, würde auch der Spritpreis leicht zulegen.

Ölindustrie stark unter Druck – Restrukturierungsmaßnahmen sind erforderlich

Mit einem starken Anstieg rechnet Kemfert aber nicht: „Alle Ölländer produzieren derzeit überdurchschnittlich viel, die USA haben ihre Förderung mittels Fracking erhöht, der Irak und auch Russland produzieren ebenso überdurchschnittlich viel Öl. Ein Einfrieren der Ölförderung auf das Januar-Niveau wird den Überschuss kaum mindern, zumal der Iran plant, die Ölförderung auszuweiten. Entscheidend ist, was in den USA passiert, ob dort die Ölförderung aufgrund des niedrigen Ölpreises sinken wird.“

Die Opec ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Wenn in den 1970er Jahren das Kartell der erdölexportierenden Länder zusammenkam, zitterten weltweit Firmen und Verbraucher. Die Opec hatte die Macht, die globale Fördermenge und die Preise nach ihrem Gusto zu beeinflussen. Das ist zum Glück vorbei. Seit andere mächtige Spieler wie Russland und die USA auf den Markt gedrängt sind, herrscht mehr Wettbewerb. Lange sahen die arabischen Länder dem Preisverfall zu, weil sie hofften, dieser werde die amerikanischen Newcomer in die Knie zwingen. Mit der Zeit aber geht es auch bei ihnen ans Eingemachte. Noch immer sind viele Staaten einseitig vom schwarzen Gold abhängig und schalten nur langsam auf neue Geschäftsmodelle um. Daher versuchen die Opec-Länder jetzt erneut, eine Drosselung zu erreichen. Eine radikale Wende wird das nicht bedeuten: Der Ölpreis zieht zwar schon wieder an, doch ein steiler Anstieg ist nicht zu erwarten. Autofahrer, Airlines und Chemie freut es, Klimaschützer nicht. Gemessen an seinen externen Effekten auf das Klima ist Öl weiter viel zu billig. Antje Höning, Rheinische Post

Tanken wieder teurer / Grund: Ölpreis jetzt deutlich über 40 Dollar

Tanken ist wieder teurer geworden. Wie die aktuelle ADAC-Auswertung der Kraftstoffpreise in Deutschland zeigt, kostet ein Liter Super E10 im Tagesmittel 1,262 Euro. Gegenüber der Vorwoche ist dies ein Anstieg von 1,1 Cent. Diesel verteuerte sich um 0,5 Cent auf 1,021 Euro.

Zu verdanken haben die Autofahrer die Verteuerung dem Anstieg des Rohölpreises. So kletterte der Preis für ein Barrel Öl der Sorte Brent zuletzt auf etwa 44 Dollar. Sparpotenzial gibt es dennoch: Wer abends zwischen 18 Uhr und 20 Uhr tankt, zahlt im Schnitt zehn Cent weniger als am frühen Morgen. Auskunft über die aktuellen Kraftstoffpreisepreise in Deutschland gibt es im Internet unter www.adac.de/tanken sowie über die Smartphone-App „ADAC Spritpreise“. ADAC Öffentlichkeitsarbeit

Marktentwicklung 2015

Der durchschnittliche globale Ölverbrauch stieg im Jahr 2015 laut Internationaler Energie Agentur (IEA) um 1,8 mb/d auf 94,6 mb/d (2014: 92,8 mb/d). Trotz der gestiegenen Nachfrage war der Ölmarkt bei einer durchschnittlichen Produktionsmenge von 96,4 mb/d um 1,8 mb/d überversorgt. Die Nicht-OPEC-Länder produzierten um 1,4 mb/d mehr als im Vorjahr. Die OPEC-Staaten – und hier vor allem Saudi-Arabien und der Irak – steigerten die Produktion um 1,2 mb/d. Der anhaltende Angebotsüberhang führte in der zweiten Jahreshälfte zu einem weiteren deutlichen Ölpreisverfall. Der weltweite Rig-Count (Zahl der in Betrieb befindlichen Bohranlagen) sank im Laufe des Jahres um 45 % auf 1.969 Anlagen per Dezember 2015 (Dezember 2014: 3.570 Anlagen).

Ausblick 2016

Die Internationale Energie Agentur (IEA) geht für 2016 von einem weiteren Anstieg des weltweiten Ölbedarfs um 1,2 mb/d auf 95,8 mb/d aus (2015: 94,6 mb/d). Auf der Angebotsseite erwartet die IEA aufgrund der massiven Kürzungen der E&P-Ausgaben in den Nicht-OPEC-Staaten, dass die Produktion in diesen Ländern in 2016 um 0,75 mb/d auf 57,0 mb/d auf sinken wird. Von großer Bedeutung wird sein, wie sich Saudi-Arabien, der Iran und Russland verhalten werden und wie lange die OPEC an ihrem Kurs festhalten wird, die Produktion auf deutlich über 30 mb/d zu halten und damit einer Erholung des Ölpreises entgegenzuwirken. Der aktuelle Kurs führt für die OPEC-Staaten zu enormen Einnahmeverlusten. Offen ist, wie lange Saudi-Arabien und die anderen OPEC-Mitglieder sich dies leisten wollen und können. MMag Florian Schütz, MBA Head of Investor Relations SBO / Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment AG

Roland Berger-Studie: Niedriger Ölpreis setzt Förderländer und Ölfirmen unter Druck – Prognosen zunehmend unzuverlässig

Die Prognosen der Ölförderländer für den Ölpreis werden aufgrund der aktuellen Entwicklungen immer unzuverläßiger. Für das Jahr 2015 rechneten sie mit einem durchschnittlichen Ölpreis pro Barrel von 95 Dollar, doch der tatsächliche Durchschnittspreis lag bei 49 Dollar pro Barrel. „Die Kombination aus verstärkter Schieferölförderung in den USA und einer weltweit stagnierenden Ölnachfrage führte zu einem Überangebot und somit zu sehr niedrigen Ölpreisen“, erklärt Walter Pfeiffer, Partner von Roland Berger. Auch die Forschungsinstitute wurden davon überrascht und setzten den erwarteten Durchschnitts-Ölpreis für 2015 zu hoch an, so das Ergebnis der neuen Roland Berger-Studie „2016 oil price forecast: who predicts best?“. Darin analysieren die Roland Berger-Experten die Preisprognosen der größten Ölförderländer und Institutionen seit 2007.

Bei den Prognosen der Ölförderländer spielen politische Faktoren eine sehr wichtige Rolle. Denn die Regierungen nutzen diese Prognosen als politisches Instrument; deshalb setzen sie die prognostizierten Ölpreise absichtlich hoch an. „Wenn die Förderländer einen niedrigen Ölpreis vorhersagen, müssen sie auch ihre Staatshaushalte kürzen“, erläutert Pfeiffer. „Das ist den Bürgern nicht immer leicht zu erklären. Nachdem der Ölpreis jetzt jedoch seinen niedrigsten Stand seit dreizehn Jahren erreicht hat, sind Haushaltskürzungen unausweichlich – und leichter zu begründen.“

Niedriger Ölpreis setzt Haushalt der Förderländer unter Druck

Die aktuelle Ölpreisentwicklung zeigt große Ähnlichkeiten zur Lage im Jahr 1986. Auch damals war der Ölpreis sehr niedrig, allerdings nicht aufgrund einer Rezession. Damals überfluteten die OPEC-Länder den Markt mit Öl und sorgten so für ein Überangebot, mit dem Ziel Marktanteile von Russland zurückzugewinnen. Heute haben Länder wie Saudi-Arabien beschlossen, die Fördermengen unverändert zu belassen, um keine Marktanteile an die USA zu verlieren. „Ein kurzfristiges Überangebot wirkt sich im Allgemeinen nicht auf den Ölpreis aus“, sagt Pfeiffer. „Aber inzwischen wird bereits seit siebzehn Monaten täglich ein Überschuss von rund 1,8 Millionen Barrel gefördert.“

Die Frage ist, wie lange dieser Preistief anhalten wird. Für 2016 prognostizieren die Internationale Energieagentur (IEA), der New York Mercantile Exchange (NYMEX) und die amerikanische Energy Information Administration (EIA) einen leichten Anstieg des Ölpreises auf rund 46 Dollar pro Barrel. Die Ölförderländer rechnen für ihre Haushalte jetzt mit 38-53 Dollar. Um den Ölpreis vom heutigen Niveau auf 50 Dollar pro Barrel anzuheben, müssten sie den Überschuss loswerden, was angesichts der anhaltenden Wachstumsschwäche in China und den BRIC-Staaten sowie der Reduktion des Ölverbrauchs in vielen OECD-Ländern kurzfristig nicht zu erwarten ist.

Alternativ könnte man die Förderung einschränken und so weniger Öl auf den Markt bringen. „Beim derzeitigen Ölpreis kämpfen die OPEC-Länder mit Haushaltsdefiziten“, sagt Walter Pfeiffer. „Allerdings scheinen sich viele Ölförderländer darauf einzustellen, bei einem Ölpreis von weniger als 40 Dollar pro Barrel überleben zu müssen. So haben zum Beispiel die Verinigten Arabischen Emirate und Saudi Arabien die Subventionen für Kraftstoffe, Strom- und Wasserversorgung deutlich gekürzt und planen die Einführung einer Mehrwertsteuer. Auch über Privatisierungen wird nachgedacht.“

Saudi-Arabien und weitere OPEC-Staaten kündigten vor kurzem an, die Ölförderung auf dem aktuellen Niveau einzufrieren. Diese Entscheidung in Kombination mit dem steigenden Angebot aus dem Iran und vom Kaspischen Meer wird weiterhin für sehr niedrige Ölpreise sorgen. „Unter diesen Voraussetzungen werden Unternehmen mit älteren Ölfeldern in der Nordsee sowie in Mittel- und Osteuropa genauso wie einige nordamerikanische Ölförderer auf radikale Umstrukturierungsmaßnahmen zurückgreifen müssen, um auf dem internationalen Markt zu überleben“, sagt Roland Berger-Experte Pfeiffer.

Kostensenkungen müssten dabei auf allen Ebenen ansetzen: vom Aussetzen der Exploration über die Überprüfung aller Investitionen bis hin zur Senkung der laufenden Betriebskosten und der Kosten von Ölfeld-Dienstleistern. „Auch eine temporäre Schließung von unwirtschaftlichen Feldern kommt in Frage, wenn die Förderkosten nicht dauerhaft gedeckt werden können“, sagt Pfeiffer. „Und selbstverständlich muss auch die gesamte Organisation in den Unternehmenszentralen und Betriebsgesellschaften auf Effizienz ausgerichtet werden.“ Claudia Russo, Roland Berger

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