Insolvenzexperte rechnet mit baldigen Kündigungen bei Air Berlin

Air Berlin - Insolvenz war nicht mehr abzuwenden

Lufthansa-Chef Carsten Spohr will möglichst viele Mitarbeiter von Air Berlin einstellen und kündigt darüber Verhandlungen mit Gewerkschaften an. Die Lufthansa will mit den Gewerkschaften über das Anheuern möglichst vieler Mitarbeiter von Air Berlin sprechen. Dies kündigte Lufthansa-Chef Carsten Spohr heute in einer internen Versammlung an, berichtet die in Düsseldorf erscheinende „Rheinische Post“.

Insolvenzexperte rechnet mit baldigen Kündigungen bei Air Berlin

Nach deren Informationen sagte Spohr wörtlich: „Die Air-Berlin-Crews sind Top Leute, bei denen wir uns freuen können, wenn wir möglichst viele zu uns holen. Deswegen werden wir jetzt auch mit den Gewerkschaften beraten, wie wir eine Lösung hinbekommen.“ Spohr bestritt nach Information der „Rheinischen Post“ die Behauptung, dass wechselnde Mitarbeiter von Lufthansa als Berufsanfänger eingestuft werden.

Ein Insolvenz- und Sanierungsexperte der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) rechnet schon bald mit vielen Kündigungen bei Air Berlin. „Das Unternehmen und der Sachwalter werden wohl keine Alternative haben, als in einigen Bereichen schnell Kündigungen auszusprechen“, sagte Ralf Moldenhauer. Das gelte „wohl nicht für den fliegenden Bereich, aber die Verwaltung wird ja zum großen Teil verschwinden. Da wäre es fahrlässig, Kündigungen hinauszuschieben“. Gleichzeitig sei es denkbar, „dass manche Mitarbeiter sogar Prämien erhalten werden, wenn sie ihre Aufgabe exzellent erfüllen, obwohl man für sie keinen Anschlussjob finden wird“, sagte er. So könne verhindert werden, dass das Unternehmen trotz der Kündigungen nicht zusammenbricht. Rheinische Post

Air Berlin – Insolvenz war nicht mehr abzuwenden

Es war ein langsamer, aber vorhersehbarer Tod. Jahrelang rätselten Luftfahrt-Experten, wie lange es Air Berlin wohl noch machen würde. Doch siehe da, ein ums andere Mal bekamen die Manager der nach der Lufthansa zweitgrößten Airline Deutschlands Hilfe aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dort ist nämlich die Fluggesellschaft Etihad beheimatet, die sich im Jahr 2010 an der damals schon maroden Air Berlin beteiligte und hoffte, mit deren Hilfe große Pläne in Europa verwirklichen zu können. Doch halfen weder hochfliegende Erwartungen noch Milliarden Euro – die Insolvenz von Air Berlin war nicht mehr abzuwenden. Wenn die Pleite nun erheblich Wellen schlägt, so hat dies vor allem zwei Ursachen.

Zum einem, weil immerhin knapp 9000 Arbeitsplätze bedroht sind, eine Zahl, die weit über jener kritischen Masse liegt, von der ab ein gesteigertes öffentliches Interesse zu verzeichnen ist. Und zum anderen: Schon kurz nach der Ankündigung des Insolvenzverfahrens hat die Bundesregierung einen Kredit über 150 Millionen Euro in Aussicht gestellt, der sichern soll, dass zum einen der Flugbetrieb vorerst aufrecht erhalten werden kann und zum anderen genug Zeit bleibt, um Übernahmen von Fluggerät und Arbeitskräften durch Konkurrenten zu organisieren. Dies stößt nun auf allerlei Kritik von Seiten derjenigen, die politischen Einmischungen in wirtschaftliche Abläufe grundsätzlich ablehnend gegenüberstehen, und von Wettbewerbern, die darin eine unlautere Subvention sehen, die sie im Konkurrenzkampf benachteiligt. Straubinger Tagblatt

Ver.di zu Air Berlin: Transparent mit Abwicklung des Unternehmens umgehen

Der Sprecher der Gewerkschaft ver.di in Berlin und Brandenburg, Andreas Splanemann, hat die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin aufgefordert, transparent mit der Abwicklung des Unternehmens umzugehen.

So könne den Arbeitnehmern die Angst genommen werden, sagte Splanemann am Mittwoch im rbb-Inforadio. Viele Beschäftigte seien wegen der Gerüchte um eine Insolvenz seit langer Zeit verunsichert. Einige hätten sich bereits um neue Jobs gekümmert, so Splanemann.

„Natürlich werden nicht alle Berufsgruppen gleich gute Chancen haben. Es wird darüber spekuliert, dass bestimmte Bereiche nicht so gut verkaufbar sind wie andere – wie beispielsweise das fliegende Personal.“ Das hänge jedoch stark von entsprechenden Übernahmeangeboten ab.

„Unser Interesse als Gewerkschaft ist natürlich, möglichst viele Arbeitsplätze dabei zu sichern; nicht nur die Arbeitsplätze, sondern auch die sozialen Standards, die tariflichen Standards. […] Da werden wir uns auch entsprechend einmischen.“ Man müsse auch darauf achten, dass Arbeitnehmer, die nicht übernommen werden könnten, sozial abgefedert werden, so der ver.di-Sprecher für Berlin und Brandenburg. Rundfunk Berlin- Brandenburg

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