Kartellamtschef: Brüssel wird sich Air Berlin-Übernahme genau ansehen

Eurowings besorgt sich die Personalakten bei Air Berlin

Das Angebot des Produkts „Flugleistung“ findet seine Schranken aber in der Kapazität der Flughäfen und auch in den angestammten Rechten eingesessener Anbieter, diese Kapazitäten zu besonders attraktiven Zeiten zu nutzen. Vieles spricht dafür, dass diese Rechte von Air Berlin für die Lufthansa mindestens ebenso wichtig sind wie die Flugzeuge.

Kartellamtschef: Brüssel wird sich Air Berlin-Übernahme genau ansehen

Wenn die Lufthansa schon einen Großteil von Air Berlin zugesprochen bekommt, dann sollte wenigstens dafür gesorgt werden, dass die Start- und Landerechte breiter unter den Wettbewerbern gestreut werden. Ein gesunder Wettbewerb hat letztlich noch keinem Unternehmen geschadet – und dem Verbraucher noch immer genützt. Stuttgarter Nachrichten

Die Übernahme des größeren Teils von Air Berlin durch Lufthansa wirft nach den Worten von Kartellamtspräsident Andreas Mundt wettbewerbsrechtliche Fragen auf. „Die kartellrechtliche Prüfung steht noch aus. Die Europäische Kommission wird sich das sehr genau ansehen“, sagte Mundt der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. „Wir werden das dortige Verfahren begleiten“, kündigte der Präsident des Bundeskartellamts an. Bei der Prüfung wird es nach Angaben aus Branchenkreisen vor allem darum gehen, ob durch die Übernahme auf den einzelnen Flugstrecken unzulässige marktbeherrschende Stellungen entstehen.

Lufthansa erwägt Beteiligung am Flughafen Düsseldorf

Die Lufthansa beansprucht nach der Übernahme großer Teile von Air Berlin eine deutlich größere Mitsprache am Flughafen Düsseldorf und schließt einen Einstieg als Gesellschafter nicht aus. „Ich möchte keine Variante einer vertieften Kooperation ausschließen. Tatsache ist, dass wir den halben Flughafen künftig für uns nutzen – also möchten wir auch mitgestalten“, sagte Dies Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Dabei erinnert er daran, dass Lufthansa in München den Terminal Zwei gemeinsam mit der Flughafengesellschaft betreibe, was „exzellent“ funktioniere. Dem Flughafen Düsseldorf stellt er kein gutes Zeugnis aus: „Der Flughafen muss wesentlich besser werden, damit es nicht weiterhin zu diesen extrem langen Wartezeiten kommt. Unter dem Chaos bei Gepäckausgabe und Sicherheitskontrollen leiden alle – Airlines wie Passagiere.“ Spohr kündigt für NRW eine Langstreckenoffensive des Ablegers Eurowings an. Ab Düsseldorf werde es eine Business-Class für Überseeflüge geben, damit man auch Geschäftsreisende stärker ansprechen könne. Als weitere Langstreckenziele ab NRW für Eurowings kündigt er an, „voraussichtlich“ nach New York, Fort Myers und Los Angeles zu fliegen – alles frühere Ziele von Air Berlin. Dabei ließ er offen, ob diese Flüge ab Düsseldorf oder Köln starten: „Wir wollen bei Eurowings ab Sommer 2018 zehn Langstreckenjets einsetzen, davon mindestens sieben in NRW. Wir haben aber noch nicht entschieden, wie viele perspektivisch nach Düsseldorf kommen.“ Zurückhaltend gab er sich zur umstrittenen Kapazitätserweiterung des Flughafens Düsseldorf: „Eine allgemeine Kapazitätserweiterung wäre im Moment noch zu früh: Es gelingt ja nicht einmal, den jetzigen Verkehr pünktlich abzuwickeln.“

Air-Berlin-Piloten sollen sich bei Wiener Ableger von Eurowings bewerben

Um viele hundert Piloten der untergehenden Air Berlin aufzunehmen, geht der Lufthansa-Konzern einen ungewöhnlichen Weg: Wechselnde Flugzeugführer müssen sich neuerdings bei der Wiener Tochterfirma Eurowings Europe statt bei Eurowings in Deutschland bewerben. Dies berichtet die in Düsseldorf erscheinende „Rheinische Post“ unter Verweis auf Unternehmensquellen. Grund ist ein Streit mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC): Die hat Lufthansa in einem Tarifvertrag nur erlaubt, bis zu 23 Airbus-Jets bei Eurowings Deutschland fliegen zu lassen. Bisher lehnt die VC ab, diese Obergrenze zu erhöhen, also werden weitere Piloten bei Eurowings in Wien untergebracht. Eurowings erklärte, auf diese Crews den deutschen Tarifvertrag anwenden zu wollen und diese Piloten ab Deutschland einzusetzen. Um die wechselnden Piloten schnell einstellen zu können, holt sich Eurowings von ihnen die schriftliche Erlaubnis, ihre Personalakten bei Air Berlin anzufordern, berichtet die „Rheinische Post“. Auch Ergebnisse der luftfahrtpsychologischen Untersuchungen von Air Berlin landen so bei Eurowings.

Ihre Meinung ist wichtig!

Persönliche Angaben freiwillig! Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.