Kunden betrogen, Image ruiniert – Ist VW noch zu retten?

Aufsichtsratskreise: VW-Chef Winterkorn soll abgelöst werden

Martin Winterkorn soll an diesem Freitag als Volkswagen-Chef abgelöst werden. Dies erfuhr der „Tagesspiegel“ (Mittwochsausgabe) aus Aufsichtsratskreisen. Winterkorn habe nach dem Diesel-Abgasbetrug in den USA nicht mehr das Vertrauen des Kontrollgremiums, hieß es am Dienstag. Nachfolger des 68-Jährigen soll den Kreisen zufolge Porsche-Chef Matthias Müller (59) werden. An diesem Mittwoch tagt das Präsidium des VW-Aufsichtsrats, am Freitag das 20-köpfige Gremium. Der Tagesspiegel

Kunden betrogen, Image ruiniert – Ist VW noch zu retten?

Der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei VW-Fahrzeugen für den US-Markt weitet sich aus. Weltweit sollen elf Millionen Fahrzeuge betroffen sein. Allein in den USA drohen dem Konzern Milliardenstrafen. Ist Konzernchef Martin Winterkorn noch zu halten? Hat der Aufsichtsrat in der Affäre versagt? Ist der Imageschaden für VW noch zu begrenzen? Und wie machtlos ist der Verbraucher angesichts krimineller Manipulationen? Dr. Bernhard Möllmann, Presse und Information Das Erste

Der VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte in den USA ist weitaus mehr als eine unangenehme PR-Geschichte für den Wolfsburger Konzern. Diese Affäre trifft ihn finanziell bis ins Mark, kostet Reputation und Vorstandschef Martin Winterkorn womöglich den Posten. Doch abgesehen von den Wolfsburger Befindlichkeiten bedeutet der Skandal einen gewaltigen Imageschaden für die gesamte Autobranche – und das zu einer Zeit, in der sie sich selbst feiern wollte. Schließlich pilgern gerade Tag für Tag Scharen von Besuchern auf die IAA in Frankfurt, dem Branchentreff, auf dem es blitzt, röhrt, mitunter auch qualmt. Auf dem vierrädrige, motorisierte Neuheiten mit vielen Emotionen und großem Pomp in Szene gesetzt werden.

Die Feierlaune dürfte der Katerstimmung gewichen sein

Der Verband der Deutschen Autoindustrie verschickt zwar weiter tapfer Pressemitteilungen, in denen es um sensationelle Neuheiten auf der IAA geht. Doch nun steht nicht die Modellvielfalt im Rampenlicht, sondern die Glaubwürdigkeit der Autobauer – und zwar vor allem die der deutschen. Volkswagen ist nicht irgendein Konzern. Er gilt schon allein aufgrund seiner Größe – die Nummer eins in Europa – und seines Namens als das Aushängeschild für den Marketingbegriff „Made in Germany“. Die Fragen, die sich aus dem Skandal in den USA ergeben, sind vielfältig und nicht nur für die Wolfsburger unangenehm: Wenn VW in den USA manipuliert hat, wie steht es dann um die Validität der Tests in Europa, Deutschland und dem Rest der Welt?

Video-Statement von Prof. Dr. Martin Winterkorn

Wenn VW die Verbraucher getäuscht hat, ist das möglicherweise Usus in der Branche? Wie sauber ist die viel gepriesene Dieseltechnologie, die vor allem von den deutschen Marken repräsentiert wird? Wenn bei Abgaswerten gefälscht wurde, wie steht es dann mit Sicherheitstests? Die Antworten darauf kann VW allein nicht liefern, der Konzern kann nur aufklären, was bei ihm schief lief – und damit dürfte er genug zu tun haben. Die ganze Branche steht in der Pflicht.

Sie muss darstellen, wie sie was testet und zulassen, dass unabhängige Experten Verfahren und Ergebnisse überprüfen. Vielleicht lässt sich so endlich klären, bei welchen Abgasgrenzwerten die Fahrzeuge im Alltag liegen. Denn die bisherigen Tests finden auf dem Prüfstand statt, simulieren Fahrzyklen, die nicht die Realität widerspiegeln. Das kann der Autofahrer zwar nicht beim Thema Abgas belegen, aber wer hat jemals erlebt, dass der Kraftstoffverbrauch aus dem Prospekt mit dem tatsächlichen übereinstimmt?

Genau das prangern auch Umwelt- und Verbraucherschützer seit langem an – und scheitern immer wieder an denen, die entsprechende Vorgaben machen könnten: an den Politikern. Diese tun sich mit allem schwer, was das Geschäft der Autobauer beeinträchtigen könnte. Denn sie gilt aufgrund der vielen Jobs, die an ihr direkt und indirekt hängen, als Schlüsselindustrie und hat daher eine große Lobby.

Deshalb zögert die Politik, wenn es um neue Grenzwerte für Emissionen geht oder darum, deren Überschreitung zu unterbinden. Zum Beispiel wird in Ballungsgebieten immer wieder mehr Stickstoffdioxid gemessen als es laut Weltgesundheitsorganisation zulässig wäre. Der Schadstoff soll Atemwegserkrankungen auslösen, die tödlich enden können. Es ist höchste Zeit, die gesamte Autobranche auf den Prüfstand zu schicken, in Deutschland, Europa, weltweit. Denn Skandale wie der von VW zerstören das Vertrauen der Verbraucher – und kosten letztlich auch Arbeitsplätze. Südwest Presse

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