Scheitern der Börsenfusion: Jetzt den Blick nach vorne richten

Blick nach vorn nach geplatzten Börsenfusion

Nach dem Scheitern des Fusionsvorhabens der Deutsche Börse AG mit der London Stock Exchange Group plc muss der Finanzplatz Frankfurt nach Auffassung der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main nun den Blick nach vorne richten.

Scheitern der Börsenfusion: Jetzt den Blick nach vorne richten

„Für die Deutsche Börse AG wird es darauf ankommen, aus eigener Kraft ihre internationale Wettbewerbsposition zu stärken. Mit den zuletzt präsentierten Optimierungsprogrammen und Zukunftsprojekten hat man im Unternehmen offenbar bereits Weichen gestellt. Insofern besteht Anlass zur Zuversicht, dass die Deutsche Börse von einem starken europäischen Finanzplatz Frankfurt aus weiter erfolgreich agieren kann und – wie bisher – in vielen Bereichen Trendsetter und Impulsgeber für das internationale Geschäft der Marktinfrastrukturbetreiber bleiben wird“, sagte IHK-Präsident Prof. Dr. Mathias Müller.

Die EU-Kommission hat das Fusionsvorhaben aus wettbewerbsrechtlichen Gründen untersagt. „Spätestens mit dem Ergebnis des Brexit-Referendums im Juni 2016 musste allen Beteiligten klar sein, dass insbesondere die vorher getroffenen Vereinbarungen zu einem Holdingstandort London das Projekt massiv gefährden“, ergänzte Prof. Müller. Die IHK Frankfurt hatte in Stellungnahmen auf die Möglichkeit hingewiesen, dass nach dem Brexit die außerhalb des Einflussbereiches der deutschen Börsenaufsicht agierende Holdingleitung in England Entscheidungen treffen könnte, die die im Allgemeininteresse wahrzunehmende Funktion der Börse in Frankfurt nicht ausreichend berücksichtigen oder ihr gar zuwiderlaufen. „Dies hätte nicht nur zur Schwächung des größten inländischen Finanzplatzes in der Mainmetropole, sondern zum Nachteil der gesamten deutschen Wirtschaft führen können“, sagte Prof. Müller. Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main (IHK)

Blick nach vorn nach geplatzten Börsenfusion

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hat den Schwarzen Peter in Sachen gescheiterter Börsenfusion wieder dahin geschoben, wo er hingehört: nach London. Die London Stock Exchange hat mit der abgelehnten Auflage zum Verkauf der italienischen Bondhandelsplattform MTS einen Vorwand gesucht und gefunden, um nach dem Brexit des Vereinigten Königreichs auch den Exit aus der Fusion mit der Deutschen Börse hinzukriegen. Schützenhilfe haben dabei die Verantwortlichen des Frankfurter Börsenbetreibers geboten, die versäumt hatten, für den Brexit-Fall im Fusionsvertrag eine klare Ausstiegsoption oder Neuverhandlung des Holdingsitzes London zu verankern.

Den vermeintlichen Brexit-Hedge in Gestalt des Referendumsausschusses hatte die LSE von Beginn an anders interpretiert als die deutsche Seite. Aufgrund dieser fragwürdigen Vertragsgestaltung sahen die Briten keine Veranlassung, auf die nachträgliche Forderung der Deutschen Börse nach einem juristischen Doppelsitz der Holding einzugehen – die Fronten zwischen London und Frankfurt verhärteten sich zusehends.

Völlig falsch eingeschätzt hatten – bekanntlich nicht zum ersten Mal! – Aufsichtsrat und Vorstand der Deutschen Börse außerdem, dass für die Börsenaufsicht und die Standortpolitik am Finanzplatz Frankfurt nicht die Berliner Politik, sondern die Landesregierung in Wiesbaden zuständig ist. Das Antichambrieren im Kanzleramt, in völliger Verkennung der politischen Verhältnisse und Interessen bei der Börsenfusion, hat kein gutes Licht auf das Spitzenpersonal jenes Unternehmens geworfen, das mehr als jeder andere börsennotierte Konzern ein „politisches“ Unternehmen ist.

Nach dieser Lektion muss der Blick nach vorn gehen. Wer aufgrund der Veto-Möglichkeiten der hessischen Landesregierung nicht in ständiger Sorge vor einer feindlichen Übernahme leben muss, kann und sollte selbstbewusst und mit langem Atem im Markt agieren, sich auf die Fortentwicklung der Dienstleistungen für die Kunden am Finanzplatz Frankfurt und weltweit konzentrieren, die technische Infrastruktur ausbauen, die Börsenkonsolidierung in Kontinentaleuropa wie auch die Internationalisierung vorantreiben sowie aussichtsreiche Geschäftsfelder wie das Datengeschäft ausbauen – und muss bei all dem nicht vor Quartalsschwankungen des Aktienkurses zittern. Wenn Börse-Vorstandschef Carsten Kengeter dies unter „Börse 4.0“ versteht und für Aufbruchstimmung sorgt, wird er eine Zukunft an der Spitze des Frankfurter Börsenbetreibers haben. Claus Döring – Börsen-Zeitung

EU-Kommission untersagt Zusammenschluss von Deutsche Börse und London Stock Exchange Group

Die EU-Kommission hat heute die Deutsche Börse AG und die London Stock Exchange Group plc darüber informiert, dass sie entschieden hat, den angestrebten Zusammenschluss der beiden Unternehmen zu untersagen trotz der von beiden Unternehmen angebotenen Abhilfemaßnahmen.

PLC wird das Erlöschen des Tauschangebots veröffentlichen und das Tauschangebot gemäß den Bedingungen des Tauschangebots rückabwickeln.

Die Deutsche Börse bedauert die Entscheidung der Europäischen Kommission. Joachim Faber, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutsche Börse AG, sagte: „Die Untersagung ist ein Rückschlag für Europa, für die Kapitalmarktunion und für die Brücke zwischen Kontinentaleuropa und Großbritannien. Damit ist zugleich die Chance zur Schaffung eines in Europa ansässigen globalen Marktinfrastrukturanbieters vertan – und damit gleichzeitig die Möglichkeit, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Finanzmärkte im globalen Maßstab zu stärken.“

Carsten Kengeter, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse AG, ergänzte: „Die Deutsche Börse ist auch allein sehr gut aufgestellt, um im globalen Wettbewerb mit anderen Börsenbetreibern bestehen zu können. Wir werden unsere Wachstumsstrategie fortführen, unsere Innovationskraft stärken und noch intensiver Markt- und Kundenbedürfnisse bedienen. Durch diesen strategischen Ansatz wollen wir für unsere Kunden und Aktionäre Mehrwert schaffen und zur positiven Entwicklung des Finanzplatzes Frankfurt beitragen.“

Die Wachstumsstrategie des Unternehmens zielt darauf ab, Kunden neue Produkte, Dienstleistungen und Technologien anzubieten. Das Unternehmen will zudem gemeinsam mit Aufsichts- und Regulierungsbehörden sowie der Politik daran mitwirken, die Stabilität und Integrität der Finanzmärkte zu stärken.

Durch das bereits implementierte Wachstumsprogramm Accelerate streben Vorstand und Aufsichtsrat an, im Interesse der Kunden, Aktionäre und Mitarbeiter langfristig in allen Geschäftsbereichen, in denen die Deutsche Börse aktiv ist, zu den führenden Anbietern zu zählen. Mittelfristig erwartet das Unternehmen ein jährliches Wachstum des Konzernperiodenüberschusses von 10 bis 15 Prozent.

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