Schwierige Jahre für deutsche Maschinenbauer stehen bevor

Maschinenbau steht hinter "Made in Germany"

Das Geschäft in Übersee läuft schlecht. Die Maschinenbauer in Deutschland werden sich allerdings auch weiterhin mit aller Kraft dafür einsetzen, dass das Label „Made in Germany“ seinen Glanz behält.

Schwierige Jahre für deutsche Maschinenbauer stehen bevor

Der VW-Abgasskandal verunsichert die Industrie und drängt die deutschen Unternehmen in die Defensive. Selbst der stolze Maschinenbauverband VDMA hält es für nötig, deutsche Wertarbeit zu verteidigen und die Gesetzestreue hiesiger Firmen zu betonen.

Als hätten die Maschinenbauer nicht genug andere Probleme. Das Geschäft in Übersee läuft schlecht. Die Eurokrise ist keineswegs ausgestanden. Große Teile der deutschen Bevölkerung wenden sich gegen Freihandelsabkommen, von denen gerade die Maschinenbauer profitieren würden. Die Bewältigung der Flüchtlingskrise wird den Staat so stark beanspruchen, dass an eine Entlastung der Wirtschaft und der Steuerzahler auf Jahre nicht zu denken ist.

Und ausgerechnet jetzt stagniert Deutschlands Schlüsselbranche. Einen schlechteren Zeitpunkt für diese Schwächephase könnte es nicht geben: Wie sollen die Firmen möglichst viele Flüchtlinge einstellen, wenn sie nicht mehr genügend Aufträge haben, um ihre Fabriken auszulasten? Auch der Wirtschaft steht in den kommenden Jahren ein Kraftakt bevor. Schwäbische Zeitung

Maschinenbau steht hinter „Made in Germany“

Die Maschinenbauer in Deutschland werden sich auch weiterhin mit aller Kraft dafür einsetzen, dass das Label „Made in Germany“ seinen Glanz behält. „Der Maschinenbau in Deutschland hält Regeln und Gesetze ein, liefert beste Qualität und Service und strebt die Technologieführerschaft auf möglichst vielen Feldern an!“, sagte der Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, Dr. Reinhold Festge, auf der VDMA-Pressekonferenz während des 8. Deutschen Maschinenbau-Gipfels. „Wir können das bekräftigen, weil wir eine mittelständisch geprägte Branche sind, in der jedes Unternehmen weiß, dass das Vertrauen unserer Kunden für nichts aufs Spiel gesetzt werden darf“, betonte er. Direkte Auswirkungen der Manipulationsaffäre von VW auf den Maschinenbau seien bislang nicht spürbar, ergänzte Festge.

Prognose 2016: Nullwachstum

Nachdem bereits das Jahr 2015 hinter den Erwartungen der Konjunkturforscher zurückgeblieben ist, sieht der VDMA auch in 2016 keine wesentliche Änderung des Umfelds voraus. Politische Krisen, schwächelnde Märkte wie China und die anhaltende Debatte um die Zukunft des Euro trüben die Investitionslaune der Kunden. „Erfreulich ist dagegen, dass die Reindustrialisierung in den USA fortschreitet“, sagte Festge. „Erfreulich ist auch, dass sich der Investitionsstau in der EU ein wenig auflöst. Aber diese Entwicklung ist nicht nur wegen der anhaltenden Debatte um Griechenland fragil“, fügte er hinzu.

Daher geht der VDMA auch für das kommende Jahr von einem Nullwachstum aus. „Das stellt uns nicht zufrieden, wäre angesichts des Umfelds, in dem wir uns bewegen, aber dennoch eine anerkennenswerte Leistung“, sagte Festge. Auch für 2015 prognostiziert der Verband ein stagnierendes Produktionswachstum. Über den gesamten Maschinenbau hinweg betrug die Kapazitätsauslastung im Juli noch 84,8 Prozent und lag damit nur knapp unter dem langjährigen Branchendurchschnitt. „Wir sind noch immer der größte industrielle Arbeitgeber dieses Landes und haben den inländischen Beschäftigtenstand zuletzt sogar noch leicht um 0,4 Prozent auf 1,008 Millionen Menschen erhöht“, betonte der VDMA-Präsident.

Herausforderung Flüchtlingsströme

„Die gewaltigen Flüchtlingsströme stellen unser Land, jede Kommune und auch jeden einzelnen Betrieb mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor große Herausforderungen. Der Maschinenbau will und wird seinen Teil dazu beitragen, diese Menschen in unsere Gesellschaft und in unseren Arbeitsmarkt zu integrieren. Aber das ist keine Sache von Monaten, sondern ein langer Prozess, für den wir klare Regelungen brauchen“, mahnte der VDMA-Präsident. Die Maschinenbauer in Deutschland seien bereit, sich dieser Herausforderung zu stellen. Der Verband warnt aber vor der Illusion, dass allein mit Deutsch-Kursen und einer kurzen innerbetrieblicher Ausbildung aus Flüchtlingen qualifizierte Arbeitnehmer werden. „Die Industrie wird das Problem der Integration für die Politik nicht lösen können!“, stellte Festge klar.

Industrie 4.0 kommt voran

Die Maschinenbauer in Deutschland setzen auf eine vernetzte Produktion. Eine neue Studie der IMPULS-Stiftung des VDMA zeigt, dass bereits knapp 60 Prozent der Maschinenbauer sich mit Industrie 4.0 beschäftigen, rund ein Drittel davon intensiv. Neun von zehn befragten Betrieben sehen die Chance, sich mit der vernetzten Produktion am Markt zu differenzieren. „Unverständlich ist für mich daher der Vorwurf, der deutsche industrielle Mittelstand verschlafe die Digitalisierung und überlasse das Feld den Amerikanern“, sagte Festge. „Industrie 4.0 ist keine Vision mehr, sondern eine ganz konkrete Entwicklung, die insbesondere von Maschinenbauunternehmen in Deutschland vorangetrieben wird.“

TTIP-Ängste nicht weiter schüren

Die deutsche Industrie und insbesondere der Maschinenbau in Deutschland leben vom Export. Gerade das angestrebte Freihandelsabkommen TTIP mit den USA bietet den hiesigen Unternehmen die Chance auf weiteres Wachstum und die Sicherung von Arbeitsplätzen. Für den VDMA unverständlich ist daher, dass sich ausgerechnet der Deutsche Gewerkschaftsbund, der die Interessen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Export vertreten will, an die Speerspitze der TTIP-Gegner gestellt hat. „Wer sich mit Freihandelsgegnern verbündet, sägt an dem Ast auf dem wir alle sitzen“, betonte der VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann. „Ein gut verhandeltes Freihandelsabkommen zwischen Europa und den USA kann die Wettbewerbssituation der deutschen Industrie erheblich verbessern, nicht zuletzt zum Nutzen der Beschäftigten.“

Klimaschutz und Weiterentwicklung Strommarkt

Der Klimaschutz gehört auch für den Maschinenbau zu den wichtigsten Herausforderungen dieser Zeit. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, die in Kürze in Paris diskutiert werden, braucht es energieeffiziente Technologien und Produktionsverfahren, die von der Maschinenbauindustrie geliefert werden. Auch sollen Energieeffizienz-Netzwerke künftig einen wichtigen, aber freiwilligen Beitrag liefern. Der VDMA beteiligt sich aktiv am Aufbau solcher Netzwerke und hat eine entsprechende Vereinbarung mit dem Bundeswirtschaftsministerium unterschrieben. „Ökonomie und Ökologie gehören untrennbar zusammen. Diese Erkenntnis droht leider in der täglichen Klimaschutzdebatte leider immer wieder verloren zu gehen“, sagte der VDMA-Präsident.

Auch das heutige Strommarktdesign muss für die Umsetzung der Energiewende angepasst werden. Am heutigen Niveau der Versorgungssicherheit darf es aber keine Abstriche geben. Gleichzeitig müssen die Rahmenbedingungen für flexible Kraftwerke, Speicher und Lastenmanagement so ausgestaltet werden, dass die verschiedenen Flexibilitätsoptionen für den Strommarkt in einem fairen Wettbewerb untereinander stehen. Investoren müssen eine Grundlage für belastbare Wirtschaftlichkeitsberechnungen bekommen. „Daher braucht es planbare, über Legislaturperioden hinaus geltende Rahmenbedingungen“, forderte Festge. Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. www.vdma.org

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