VW-Abgasbetrug in den USA: Höhe der Strafen „reine Spekulation“

VW auch in Schweden am Pranger

Wegen der Software zur Manipulation von Abgaswerten bei Dieselfahrzeugen drohen Volkswagen nun auch in Schweden juristische Konsequenzen. Medienberichten zu Folge wirft die Stockholmer Staatsanwaltschaft dem Konzern Betrug vor.

 VW-Abgasbetrug in den USA: Höhe der Strafen „reine Spekulation“

Im Interview mit dem in Bielefeld erscheinenden WESTFALEN-BLATT (Dienstagausgabe) hat Volkswagen-Vorstandschef Matthias Müller Strafen durch die US-Behörden in mittlerer zweistelliger Milliardenhöhe als „reine Spekulation“ bezeichnet. Auf die Frage, ob die Kosten des Abgas-Skandals inzwischen absehbar seien, sagte Müller: „Wir haben seinerzeit entsprechende Rückstellungen getätigt [6,7 Milliarden Euro; Anmerkung der Redaktion]. Was in Bezug auf Strafen oder Sammelklagen auf uns zukommt – das ist reine Spekulation. Unser Einsatz zielt darauf, die Dinge in Ordnung zu bringen. Das sind wir vor allem unseren Kunden schuldig.“

Müller zeigte sich im Vorfeld der in diesen Tagen anstehenden Termine mit US-Behörden zuversichtlich für eine schnelle Lösung: „In den Gesprächen in den vergangenen Wochen haben wir unserer Ansicht nach große Fortschritte erzielt. Jetzt müssen wir sehen, ob unsere Gesprächspartner das genauso sehen. Dann werden wir sicherlich zügig eine Antwort bekommen.“

Mit Blick auf die Zukunftsausrichtung des Konzerns sagte Müller: „Wir müssen 2016 natürlich auf Sicht fahren, sehen, wie sich die Märkte entwickeln, wie sich das Abgasthema nachhaltig auswirkt, ob es Imageprobleme gibt.“ Darüber hinaus gehe es künftig darum, die Ziele anders zu formulieren: „Oberste Zielsetzung dabei ist wirtschaftliches Wachstum, nicht allein Größe oder Volumen. Wir müssen betriebswirtschaftlich erfolgreich sein und ein Wertesystem haben, das über Volumen hinausgeht.“ Westfalen-Blatt

Demut allein reicht nicht

In Detroit, wo traditionell das Autojahr eingeläutet wird, sind neue VW-Modelle zwar wichtig. Mehr interessiert freilich, ob der neue VW-Chef Müller genug Demut im Gepäck hat, den richtigen Ton trifft. Er muss endlich von Betrug statt Enttäuschung sprechen. Und der US-Umweltbehörde Antworten präsentieren. Ein neu entwickelter Kat könnte das sein. Muss es sein. Denn es geht darum, existenzbedrohende Strafzahlungen in den Staaten auf ein verkraftbares Niveau zu senken. Vor allem aber, Vertrauen zurückzugewinnen. Dabei werden die Hoffnungen dadurch genährt, dass Amerikanern ein Kurzzeitgedächtnis attestiert wird.

Von der US-Justiz lässt sich das nicht sagen. Schwere Sanktionen garniert mit etwas Industriepolitik sind dort an der Tagesordnung, was die Wolfsburger Geisterfahrt um so irrwitziger erscheinen lässt. In den USA hat VW zwar nie Bäume ausgerissen. Aber ohne Erfolge dort bleibt man nicht in der Weltspitze. Deshalb ist es clever, jetzt monetär untermauerten guten Willen zu zeigen. Durch mehr Einkaufsgutscheine für geschädigte Kunden (warum gibt es das hierzulande nicht?) und der Ankündigung, nochmals kräftig ins US-Werk Chattanooga zu investieren und 2000 Jobs zu schaffen.

Durch die Abgasmanipulation wurde zwar niemand getötet – im Gegensatz zum Zündschloss-Skandal bei der Opel-Mutter GM. Und: Die Renaissance der Spritfresser in den Staaten, sie ist für Umwelt und Menschen um ein vielfaches schädlicher. Aber das ist offenbar weniger schlimm für Behörden und Verbraucher, als von einer deutschen Industrie-Ikone hinter die Fichte geführt zu werden. Achim Preu Allgemeine Zeitung Mainz

VW: Der amerikanische Alptraum

https://youtu.be/vQ_TWHcyx1E

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