VW Skandal – neue Strafanzeige gegen Audi wegen Getriebesoftware bei Benzinfahrzeugen, weitere Klageflut droht

Audi hatte auf einer außerordentlichen Aufsichtsratsitzung vergangener Woche vier von fünf Vorstandsposten neu besetzt. Lediglich Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler behält nach dem 1. September noch seinen Job.

VW Skandal – neue Strafanzeige gegen Audi wegen Getriebesoftware bei Benzinfahrzeugen, weitere Klageflut droht

Neuer Finanzchef wird Alexander Seitz (55), Wendelin Göbel (53) übernimmt das Personalressort, Bram Schot (56) wurde zum Marketing- und Vertriebschef berufen, und Produktions- und Logistikvorstand ist künftig Peter Kössler (58). Damit zieht das Unternehmen Konsequenzen aus dem Skandal um manipulierte Abgaswerte im Volkswagen-Konzern. Für die Entwicklung der betroffenen V6-TDI-Motoren ist Audi verantwortlich.

Alexander Seitz folgt auf Axel Strotbek, der das Ressort Finanz, IT und Integrität bei Audi seit 2007 führte. Seitz begann seine berufliche Laufbahn bei Daimler-Benz, wo er verschiedene Tätigkeiten im Finanz- und im kaufmännischen Bereich sowie in Strategie und Einkauf ausübte. 2005 wechselte er als Konzern-Einkaufsleiter Powertrain zur Volkswagen AG nach Wolfsburg. Nach Stationen in Südamerika wurde er 2013 First Vice President und Commercial Executive Vice President von SAIC Volkswagen in China.

Bram Schot löst Dr. Dietmar Voggenreiter ab. Der gebürtige Niederländer war seit 2012 in der Geschäftsleitung von Volkswagen Nutzfahrzeuge für den Bereich Marketing und Vertrieb verantwortlich. 2011 wechselte der damalige Präsident und CEO von Mercedes-Benz Italia in den VW-Konzern.

Wendelin Göbel übernimmt den Bereich Personal und Organisation nach sieben Jahren von Thomas Sigi. Göbel hatte seit 2007 die Leitung des Generalsekretariats des Volkswagen-Konzerns und der Marke Volkswagen (bis 2015) inne. Zuvor war er in verschiedenen Funktionen bei der Audi AG und im VW-Konzern tätig, unter anderem in der Projektsteuerung Einkauf. Von 2003 bis 2007 leitete er das Generalsekretariat von Audi und war gleichzeitig Mitglied des Strategiekreises.

Peter Kössler, gebürtiger Ingolstädter, war bislang Vorsitzender des Vorstands von Audi Ungarn. Zuvor leitete er von 2007 bis 2015 das Audi-Stammwerk in Ingolstadt. Kössler übernimmt die Vorstandsposition von Dr. Hubert Waltl, der das Ressort Produktion und Logistik seit 2014 führte. Auto-Medienportal.net

Strafanzeige gegen Audi

Neue Strafanzeige gegen Audi. Die im Abgasskandal führende Kanzlei Dr. Stoll & Sauer Rechtsanwaltsgesellschaft mbH hat bei der Staatsanwaltschaft München II Strafanzeige gegen die Vorstände der Audi AG wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung erstattet wegen eines bisher wenig beachteten Vorgangs. Außerdem droht eine weitere Klageflut auch bei Benzinfahrzeugen.

Es geht dabei um den Vorwurf einer Manipulation bei Benzin- und Dieselfahrzeugen. Auto Motor und Sport berichtete dazu:

„Die Getriebe-Software bei Audi-Modellen mit dem Automatikgetriebe des Typs AL 551 war schon einmal in einem anderen Zusammenhang auffällig geworden. Eine US-Anwaltskanzlei hatte am 9. November 2016 eine erste Sammelklage im Namen von Autobesitzern wegen angeblicher Manipulation von Emissionswerten bei Benzinern mit 3,0-Liter-Motoren eingereicht. Betroffen seien die Modelle A6, A8, Q5 sowie wahrscheinlich auch Q7 und möglicherweise noch weitere Audi mit Automatikgetriebe.

Zuvor hatte die „Bild am Sonntag“ berichtet, dass Ingenieure der kalifornischen Umweltbehörde CARB die Manipulation im Sommer entdeckt hätten. Sie betrifft Audi-Modelle mit dem Automatikgetriebe AL 551, laut Bericht der Wochenzeitung wurde das Getriebe in mehrere 100.000 Fahrzeuge eingebaut – bis Mai 2016 inklusive Schummel-Software.

Ein Dreh am Lenkrad steigert den Verbrauch

Aufgeflogen ist die Manipulation, als während des Prüfstandslaufs eines Audi mit V6-Motor jemand am Lenkrad drehte: Die Messwerte seinen darauf hin dramatisch gestiegen, berichtet die Zeitung. Die Software starte zunächst in einem „Warm-up“ mit niedriger Schaltdrehzahl, spart so Kraftstoff und CO2. Sobald das Lenkrad um mehr als 15 Grad gedreht wird – was auf dem Prüfstand normalerweise nicht vorkommt, im Straßenverkehr hingegen völlig normal ist – schaltet die Software um. Damit soll bei Messwerten des schädlichen Klimagases CO2 getrickst worden sein – auch bei Benzinern. Das würde bedeuten, dass der Skandal, bei dem es bislang um den Ausstoß des Schadstoffs Stickoxid bei Dieselwagen ging, eine neue Dimension erhalten würde.

Der Betrug ist besonders heikel, weil sich Audi zur Zeit wegen des Abgasskandals in Verhandlungen mit der US-Justiz befindet. In Deutschland richtet sich außerdem die Kfz-Steuer nach dem CO2-Ausstoß, ebenso die NoVa in Österreich. Dem Kraftfahrt Bundesamt (KBA) hatte Audi noch vor einigen Monaten erzählt, gar keine Prüfstandserkennung zu verwenden.

„Zyklusoptimiertes Schaltprogramm“

Die „Bild am Sonntag“ zitiert aus dem Abschlussprotokoll einer Sommerfahrt in Südafrika, laut dem Axel Eiser, der damalige Leiter Antrieb fragt: „Wann wird es das zyklusoptimierte Schaltprogramm geben?“ Das „Schaltprogramm soll so ausgelegt werden, dass es auf der Rolle zu 100 % aktiv ist, beim Kunden aber nur in 0,01 %.“ Axel Eiser leite inzwischen die Aggregateentwicklung des Volkswagen-Konzerns, so die BamS weiter.“

Die Kanzlei Dr. Stoll & Sauer Rechtsanwaltsgesellschaft mbH hat deshalb bereits 2 Klagen vor dem Landgericht Offenburg gegen die Audi AG auf Schadensersatz wegen 2 Benzinfahrzeugen der Modelle Q5 und RS6 eingereicht, in denen das Getriebe AL551 verbaut ist. Vertreten wird Audi von den Kanzlei Freshfields, die vortragen lässt, es sei nicht manipuliert worden und das KBA habe die Getriebesoftware nicht beanstandet. Auf Anfrage der Kanzlei Dr. Stoll & Sauer Rechtsanwaltsgesellschaft mbH teilt das KBA hingegen mit, der Sachverhalt werde noch ermittelt. Die Kanzlei ist der Ansicht, dass es sich bei der Software um eine illegale Abschalteinrichtung handelt. Unabhängig davon sei das Fahrzeug aber mangelhaft, weshalb Audi Schadensersatz schuldet.

Eine im Abgastest auffällige Getriebesoftware führte bei Audi zum Rückruf von 24.000 Diesel der Baureihen A7 und A8 mit dem Dreiliter-V6-TDI der Abgasnorm EU5. Beim Porsche Cayenne bringt sie einen Rückruf und einen Zulassungsstopp. Rechtsanwalt Dr. Ralf Stoll, der die Strafanzeige erstattet hat, teilt mir: „Vor dem Hintergrund der neusten Rückrufe bei Audi und Porsche ist die Verteidigung von Audi zu dem Getriebe AL551 nicht glaubhaft. Es wird sich deshalb die Staatsanwaltschaft mit dem Sachverhalt beschäftigen müssen. Nachdem erste Klagen eingereicht wurden, droht Audi eine Klageflut auch bei Benzinern.“ Dr. Stoll & Sauer Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

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