Wackliger Riese: Gabriel sieht sich von Thyssen-Krupp „hinters Licht geführt“

Thyssen-Krupp-Betriebsrat setzt im Kampf gegen Stahlfusion auf Laschet

Der Thyssen-Krupp-Betriebsrat hofft im Kampf gegen eine mögliche Fusion der Stahlsparte mit dem indischen Konzern Tata auf Rückendeckung durch den künftigen NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU). Bundesaußenminister Sigmar Gabriel warnte, ein Verkauf von Thyssen-Krupp Steel „nach Holland oder anderswo“ werde vor allem in Deutschland Jobs kosten: „Die Überkapazitäten am Stahlmarkt werden dann nicht an den schlechtesten Standorten abgebaut, sondern ausgerechnet an den besten bei uns in Deutschland.“

Wackliger Riese: Gabriel sieht sich von Thyssen-Krupp „hinters Licht geführt“

Angesichts einer möglichen Fusion der Stahlsparte von Thyssen-Krupp mit dem indischen Konzern Tata Steel hat Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) dem Management des Essener Industriekonzerns Wortbruch vorgeworfen. „Ich fühle mich in meiner Arbeit als Bundeswirtschaftsminister durch das Management bei Thyssen-Krupp auch etwas hinters Licht geführt“, sagte der frühere Wirtschaftsminister der in Essen erscheinenden Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Gabriel sagte, es seien „Stahlmanager aus Duisburg“ gewesen, die ihn dazu aufgefordert hätten, sich für die Stahlindustrie einzusetzen. „Ich hätte nun erwartet, dass jetzt die Manager genauso hart für den Erhalt der deutschen Standorte kämpfen. Stattdessen wollen sie das Unternehmen verkaufen“, kritisierte Gabriel.

Der Außenminister warnte, ein Verkauf von Thyssen-Krupp Steel „nach Holland oder anderswo“ werde vor allem in Deutschland Jobs kosten: „Die Überkapazitäten am Stahlmarkt werden dann nicht an den schlechtesten Standorten abgebaut, sondern ausgerechnet an den besten bei uns in Deutschland.“ Gabriel forderte das Management und die Anteilseignern von Thyssen-Krupp dazu auf, keine Entscheidung gegen die Interessen der Arbeitnehmer und ihrer Vertreter im Aufsichtsrat zu treffen. Die IG Metall hat eine Fusion klar abgelehnt. Gabriel mahnte: „Einen Ausverkauf des größten deutschen Stahlstandortes darf es nicht geben.“

Thyssen-Krupp-Betriebsrat setzt im Kampf gegen Stahlfusion auf Laschet

Der Thyssen-Krupp-Betriebsrat hofft im Kampf gegen eine mögliche Fusion der Stahlsparte mit dem indischen Konzern Tata auf Rückendeckung durch den künftigen NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU). „Wir hoffen, dass die neue NRW-Landesregierung klar Position bezieht und eine Stahlfusion von Thyssen-Krupp und Tata aufgrund der hohen Risiken für die deutschen Standorte und Arbeitsplätze ablehnt“, sagte Günter Back, der Betriebsratsvorsitzende der Thyssen-Krupp-Stahlsparte. Back, der zum CDU-Arbeitnehmerflügel CDA gehört, kündigte an, er werde das Gespräch mit der neuen Landesregierung suchen und Laschet oder den neuen Wirtschaftsminister zu einer Betriebsversammlung einladen. Traditionell hat der NRW-Ministerpräsident einen Sitz im Kuratorium der Essener Krupp-Stiftung, die der wichtigste Aktionär des Konzerns ist. Derzeit gehört Hannelore Kraft (SPD) zu dem Gremium. Auch für den künftigen NRW-Regierungschef Laschet ist ein Stuhl reserviert. Bislang sind alle Ministerpräsidenten mit dem Ende ihrer Amtszeit aus dem Kuratorium ausgeschieden, auch wenn es offiziell keinen Automatismus gibt. Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Für Heinrich Hiesinger wird es langsam eng. Der Vorstandschef von Thyssenkrupp muss immer mehr Einfallsreichtum zeigen, um den eigenkapitalschwachen Konzern einigermaßen in der Balance zu halten und den Umbau schnell genug vorantreiben, damit die bilanzielle Schwäche nicht offenbar wird. Deshalb jagt ein Kostensenkungsprogramm das nächste. Nach der Stahlsparte, die ihre Kapitalkosten nicht verdient und eine halbe Milliarde Euro einsparen soll, ist nun der schwächelnde Anlagenbau dran, der die Kosten um eine Viertelmilliarde drücken muss.

Das verstärkt den Eindruck, dass Thyssenkrupp – trotz zwischenzeitlicher Erfolgsmeldungen über Milliardenaufträge für Kriegsschiffe und für elektrische Lenkungen in teilautomatisierten Autos – beim Umbau des Traditionsunternehmens zum modernen Industriekonzern nur langsam vorankommt. Trotz guter Konjunktur wird das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr erstmals seit vier Jahren – wegen der Abschreibung auf das verkaufte Brasilien-Stahlwerk – unter dem Strich wieder deutlich rote Zahlen schreiben und erwartet einen Mittelabfluss im operativen Geschäft in dreistelliger Millionenhöhe.

Es gibt zwar auch Lichtblicke: Weil das Geschäft mit Aufzügen und Automobilkomponenten ganz gut läuft, legt der operative Konzerngewinn laut Prognose auf 1,8 Mrd. Euro zu. Das ist aber auch bitter nötig: Die Schulden sind mit 5,8 Mrd. Euro zweieinhalbmal so groß wie das Eigenkapital. Den Konzern drücken enorme Pensionslasten.

Die Anzeichen für eine besorgniserregende bilanzielle Schwäche waren zeitweise so virulent, dass Hiesinger sich vor einigen Monaten gezwungen sah, öffentlich zu negieren, dass der Konzern eine Kapitalerhöhung bräuchte. Während der mit knapp 20 Prozent am Konzern beteiligte Finanzinvestor Cevian wohl mitziehen würde, blockiert die mit einer faktischen Sperrminorität von 23 Prozent beteiligte Krupp-Stiftung bisher einen solchen Schritt, weil sie ihn sich nicht leisten kann und in Folge an Einfluss verlieren würde. Dabei hatte die Hauptversammlung 2014 den Vorstand ermächtigt, das Grundkapital bis 2019 um bis zu 3,7 Mrd. Euro zu erhöhen, sofern der Aufsichtsrat zustimmt.

Am Kapitalmarkt scheinen die Investoren weiter daran zu glauben, dass Hiesinger den Konzern auch ohne Kapitalspritze wieder flottmacht. Die Marktkapitalisierung hat sich binnen fünf Jahren verdoppelt auf 14 Mrd. Euro. Viel hängt jetzt von der Konjunktur ab. Einen Abschwung kann sich Thyssenkrupp nicht leisten. Christoph Ruhkamp – Börsen-Zeitung

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