Armutsbericht: Unterschiede bei Lebenserwartung nehmen zu

"Länger besser leben." als Rezept

Die Unterschiede in der Lebenserwartung von armen und wohlhabenden Menschen in Deutschland vergrößern sich weiter. Dies ist eine der Feststellungen des jährlichen Armutsberichtes des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und anderer Sozialverbände.

Armutsbericht: Unterschiede bei Lebenserwartung nehmen zu

Der Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Prof. Rolf Rosenbrock, erklärt im NDR-Politikmagazin „Panorama“ im Ersten: „Die Lebenserwartung steigt für die wohlhabenden Menschen in jedem Jahr stärker als für die ärmeren Menschen, und deshalb vergrößert sich der Abstand. Die Schere geht weiter auseinander.“ Laut einer Studie des Robert Koch-Instituts (RKI) sterben Männer, die an oder unter der Armutsgrenze leben, im Schnitt 10,8 Jahre früher als wohlhabende Männer. Bei Frauen beträgt die Differenz ca. acht Jahre. Der Untersuchung zufolge haben arme Männer eine durchschnittliche Lebenserwartung von 70,1 Jahren, wohlhabende Männer von 80,9 Jahren. Bei Frauen liegen die Zahlen bei 76,9 Jahren bzw. 85,3 Jahren. Als Gründe für die immensen Unterschiede nannte Rosenbrock ein riskanteres Gesundheitsverhalten in Bezug auf Ernährung, Bewegung, Rauchen und Alkohol. Dies erkläre jedoch nur die Hälfte des Unterschieds. Prof. Rosenbrock: „Die Menschen sterben auch früher, weil sich der psychische Druck durch die insgesamt beengte Lebenssituation und meist auch schlechtere Arbeitsbedingungen oder auch durch Arbeitslosigkeit negativ auf das eigene Leben und die Möglichkeiten der Teilhabe auswirkt.“

Die Unterschiede zwischen Armen und Wohlhabenden fallen gerade in Bezug auf schwerwiegende chronische Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes mellitus oder chronisch-obstruktive Lungenerkrankung deutlich aus. „Wir können davon ausgehen, dass das Risiko, an diesen Erkrankungen zu erkranken, zwei bis drei Mal höher ist bei Personen, die von Armut betroffen sind“, so Dr. Thomas Lampert vom Robert Koch-Institut.

Im Bereich der gesetzlichen Rente führe dies de facto zu einer Umverteilung von unten nach oben, so Rosenbrock: „Die armen Menschen, die ihr Leben lang Beiträge zur Rentenversicherung bezahlt haben und dann im Durchschnitt vielleicht noch vier, fünf Jahre die Rente genießen können, finanzieren im Grunde genommen die Rente der wohlhabenderen, länger lebenden mit. Und das ist, wenn man genau hinguckt, natürlich ein sozialpolitischer Skandal erster Güte.“

Die Auswirkungen von Armut auf Gesundheit und Lebenserwartung sind zum ersten Mal Thema im sogenannten „Armutsbericht“ des Paritätischen Gesamtverbandes. Die Studie des RKI basiert auf der Gesundheitsberichterstattung des Bundes sowie laufenden Erhebungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Norddeutscher Rundfunk

Nicht nur ärmer, sondern auch kränker

Aktuelle Daten einer großen europäischen Studie mit mehr als 16.000 Kindern zwischen zwei und zehn Jahren aus acht Ländern, die bis zum Alter von neun bis 17 Jahren beobachtet wurden, zeigen alarmierende Ergebnisse: In allen Ländern war der Unterschied im Körpergewicht abhängig von der sozialen Schicht. Beispiel Deutschland: Während in den obersten Einkommens- und Bildungsschichten etwa 14 Prozent der Kinder übergewichtig waren, betrug der Anteil der übergewichtigen Kinder in den weniger wohlhabenden Schichten rund 25 Prozent. Dabei ist seit langem bekannt, dass die Ess- und Ernährungsgewohnheiten der Kinder- und Jugendzeit auch im Erwachsenenalter beibehalten werden, mit allen Folgen für Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes.

Immer mehr Krankheiten müssen behandelt werden, die durch Prävention und Veränderung des Lebensstils verringert werden könnten. Rund 30 Prozent der Ausgaben für die Behandlung könnten eingespart werden, wenn die Möglichkeiten der Prävention konsequent genutzt würden, ganz zu schweigen von der Verbesserung der Lebensqualität und des eigenen Wohlbefindens sowie der Lebenserwartung. Für Kinder und Jugendliche ist das Umfeld ausgesprochen prägend. Wenn die Eltern oft zu Pommes, Pizza und anderen kalorienreichen Nahrungsmitteln aus Dosen oder Kühltruhen greifen, machen Kinder das nach. Wenn Eltern viele süße Softdrinks und Limonaden trinken, werden ihre Kinder das auch als ganz normal empfinden. Sie lernen eben nicht frühzeitig, dass viel Obst und frisches Gemüse, Fisch und Nüsse, wenig gesüßte Getränke oder Obstschorlen die besseren Alternativen wären. Dabei gibt es eindrucksvolle Vergleiche, die Kinder und Jugendliche gut verstehen könnten. So sind jeweils 100 Kilokalorien sowohl in 16 Gramm Schokolade oder 19 Gramm Chips, aber auch in 250 Gramm Äpfeln oder 530 Gramm Tomaten. Doch diese Zusammenhänge müssen vermittelt werden, weil sonst weiterhin rund doppelt so viele Kinder aus sozial benachteiligten Familien in der Grundschule übergewichtig sind wie Kinder aus wohlhabenden Schichten – derzeit 20 Prozent zu 10 Prozent.

Daher ist das „Länger besser leben.“-Programm der BKK24 gerade auch ein Programm für Kinder und Jugendliche aus Familien, die ihr Ernährungs- und Bewegungsprogramm umstellen möchten. Die schon seit Februar laufende Frühjahrskur richtet sich an alle sozialen Schichten, weil das Ziel unabhängig vom Bildungsstand und Einkommen eine bessere Gesundheit für alle sein soll. Ernährung ist dabei eine Säule, die zweite ist Bewegung – bei Kindern und Jugendlichen eine Stunde körperlicher Betätigung pro Tag, so empfiehlt es die Weltgesundheitsorganisation. Solche Programme fördern auch das Gefühl der Gemeinsamkeit: Zusammen etwas für die eigene Gesundheit zu machen fördert Teamgeist und Kommunikation – und es ist ansteckend.

Der wissenschaftliche Leiter der „Länger besser leben“.-Institutes, Prof. Gerd Glaeske, will dieses Wohlfühl- und Gesundheitsprogramm fördern: „Wir haben mit diesem Programm die Chance, Kindern und Jugendlichen bessere Gesundheitschancen zu vermitteln – und oft genug färbt so etwas auch auf die Eltern ab. Es kann nicht gerecht sein, dass in unserer Gesellschaft ärmere Menschen kränker sind und früher sterben. Die Frühjahrskur richtet sich daher auch an Kindergärten und Schulen – mit Ernährungs- und Bewegungstipps kann man gar nicht früh genug anfangen. Denn: „Was Hänschen oder Bärbelchen lernt, vergessen sie auch als Hans und Barbara nicht mehr.“ Die Frühjahrskur der BKK24 soll ein Erfolg werden, helfen Sie dabei und machen Sie mit: Es lohnt sich! „Länger besser leben.“-Institut an der Universität Bremen Wissenschaftlicher Leiter Prof. Gerd Glaeske – BKK24

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