CDU-Gesundheitspolitiker fordert Zuckersteuer und Zuckerreduzierung

Zucker macht nicht zuckerkrank

CDU-Gesundheitspolitiker Dietrich Monstadt fordert die Einführung einer Zuckersteuer. „Freiwillige Selbstverpflichtungen funktionieren nicht. Dann bleibt nur gesetzgeberisch einzugreifen“, erklärt Monstadt gegenüber „Frontal 21“.

CDU-Gesundheitspolitiker fordert Zuckersteuer und Zuckerreduzierung

Dietrich Monstadt: „Es rollt ein Diabetes-Tsunami auf uns zu“

Monstadt, der im Bundestag im Gesundheitsausschuss arbeitet, greift damit die Politik von Bundesminister Christian Schmidt (CSU) an. Der Minister für Landwirtschaft und Ernährung setzt seit Jahren auf freiwillige Vereinbarungen der Branche, trotz scharfer Kritik von Ärzteverbänden und Verbraucherschützern. Jetzt fordert mit Monstadt ein Politiker der Regierungsfraktion Gesetzesänderungen, um mehr Druck auf die Lebensmittelindustrie auszuüben. „Es rollt ein Diabetes-Tsunami auf uns zu“, warnt Monstadt.

Bis 2030 könnten nach Schätzungen ein Viertel aller Deutschen an Diabetes Typ II erkrankt sein. Der Zuckerkonsum sei in diesem Zusammenhang ein sehr großes Problem. Dazu gehörten vor allem hohe Zuckermengen in verarbeiteten Lebensmitteln wie etwa in Limonaden oder Trinkjoghurt. „Ich bin ein Befürworter der Zuckersteuer, um das Bewusstsein für diese Problematik zu schüren“, erklärt Monstadt. Der Abgeordnete ist selbst an Diabetes Typ II erkrankt. Auch wegen seiner persönlichen Erfahrungen ist er im Gesundheitsausschuss Berichterstatter seiner Bundestagsfraktion für Adipositas und Diabetes. „Die Besteuerung von Alkopops hat funktioniert und auch beim Rauchen sind wir mit gesetzgeberischen Maßnahmen erfolgreich“, begründet Monstadt seine Forderung nach einer Zuckersteuer. Außerdem fordert Monstadt, dass Lebensmittel – entgegen der bisherigen Regelungen – klarer gekennzeichnet werden sollen.

In der Nährwerttabelle, die ab Dezember 2016 verpflichtend auf der Verpackung abgedruckt sein muss, wird der GDA (Guideline Daily Amount) für verschiedene Inhaltsstoffe angegeben. Der GDA ist also die empfohlene Tageszufuhr eines bestimmten Inhaltsstoffes. Dieser Richtwert wird für eine erwachsene Frau kalkuliert. Für die Nährwerttabelle gibt die EU eine empfohlene Tageszufuhr an Zucker von 90 Gramm vor. „Das halte ich für viel zu hoch. 50 Gramm sind angemessen, besser sind sogar 25 Gramm“, sagt Gesundheitspolitiker Monstadt. Damit orientiert er sich an den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO. Das Bundeslandwirtschafts-ministerium hält dagegen die Referenzmenge von 90 Gramm für angemessen. ZDF Presse und Information

Gute Zuckerwerte trotz Infekt – Bei Virenattacken sollten die Werte häufiger überprüft werden

Menschen mit Diabetes sollten im Fall eines Infekts ihren Blutzucker unbedingt öfter kontrollieren – in den ersten Tagen etwa alle drei Stunden. „Denn sonst kann er schnell entgleisen“, warnt der Diabetologe Dr. Oliver Schubert aus Buxtehude im Apothekenmagazin „Diabetes Ratgeber“. Bei einem Infekt kämpft das Immunsystem mit Viren und Bakterien – das fordert den Stoffwechsel heraus, treibt aber auch den Insulinbedarf in die Höhe. Bei hohem Fieber kann er sich innerhalb von Stunden verdoppeln. Andererseits kann der Blutzuckerspiegel bei einem Infekt auch sinken – bei Erbrechen und Durchfall. Diabetes-Patienten sollten mit ihrem Arzt schon vorab besprechen, wie die Therapie bei einem Infekt angepasst werden muss. Besonders wichtig ist das bei einer Insulintherapie. Bei Kindern kann der Blutzucker durch einen Infekt besonders schnell entgleisen. „Eltern sollten den Blutzucker daher mindestens alle zwei Stunden kontrollieren, auch einmal nachts zwischen zwei und drei Uhr“, rät Dr. Cristof Klinkert, Kinderdiabetologe aus Herford. Sylvie Rüdinger Wort & Bild Verlag – Diabetes Ratgeber

Zucker macht nicht zuckerkrank

Zucker ist kein Risikofaktor für die Entstehung von Diabetes mellitus. Darauf weist die deutsche Zuckerwirtschaft hin. Wer sich vor einer Erkrankung schützen möchte, sollte auf eine gesunde Lebensweise achten und Übergewicht vermeiden. Auf Zucker muss deshalb niemand verzichten.

Diabetes mellitus Typ 2 kann entstehen, wenn zu einer genetischen Veranlagung bestimmte Auslösefaktoren wie Übergewicht und/oder fortgeschrittenes Lebensalter hinzukommen. Der Verzehr von Zucker ist jedoch nicht ursächlich für die Entstehung der Krankheit. Wer vorbeugen will, sollte daher auf sein Körpergewicht achten. Entscheidend dafür ist aber nicht der Verzehr einzelner Lebensmittel wie zum Beispiel Zucker, sondern die Energiebilanz: Wer auf Dauer mehr Kalorien zu sich nimmt, als er verbraucht, nimmt zu. Ganz gleich, woher diese Kalorien stammen.

Dazu Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker: „Die Dämonisierung von Zucker hilft uns nicht bei der Eindämmung von Übergewicht und Zivilisationskrankheiten. Wir müssen die tatsächlichen Ursachen benennen. Wir müssen die Menschen für ihre Energiebilanz sensibilisieren, für den Zusammenhang von Kalorienaufnahme und Kalorienverbrauch.“

Wer wissen will, wie viele Kalorien ein Lebensmittel enthält, erfährt dies in der Nährwerttabelle. Diese zeigt zudem auf einen Blick den Gesamtzuckergehalt eines Lebensmittels. Versteckten Zucker gibt es nicht, in der Nährwerttabelle ist der Zuckergehalt transparent auf allen Fertigprodukten ausgewiesen. Eva Sawadski – Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e.V.

Ihre Meinung ist wichtig!

Persönliche Angaben freiwillig! Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.