Kampf gegen Lebensmittelverschwendung

Beim Essen kochen die Emotionen hoch

Verschwendung von Lebensmitteln: Ein Gesetz, das Industrie und Handel dazu zwingt, weniger Lebensmittel wegzuwerfen, ist vielleicht nicht der beste Weg, das Problem anzugehen, aber es ist der einzig derzeit machbare. Essen ist ein emotionales Thema für die Deutschen.

Kampf gegen Lebensmittelverschwendung

Es strukturiert den Tag, bringt Familien zusammen, entzweit die Gesellschaft in Veganer und Fleischliebhaber und schafft Diskussionsstoff für ein ganzes Leben. Darum wird jeder Versuch, unseren Umgang mit Lebensmitteln zu reglementieren, kritisch beäugt. Aber gerade weil uns das, was auf den Tisch kommt, so wichtig ist, darf uns die massenhafte Verschwendung von Nahrung nicht egal sein. Auf der einen Seite werden Tonnen brauchbarer Nahrung auf den Müll geworfen, auf der anderen Seite machen sich Menschen, die „containern“, also die ungeliebten Produkte aus den Tonnen der Supermärkte holen, strafbar. Natürlich sollte jeder Bürger vor dem eigenen Kühlschrank kehren, seine Sinne einsetzen bei der Frage, ob der Joghurt noch genießbar ist und das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht als Wegwerfdatum verstehen. Dabei kann der Gesetzgeber nur auf Freiwilligkeit setzen. Die NRW-Initiative richtet sich darum nicht an den Endverbraucher. Sie fasst den gesamten Herstellungsprozess ins Auge. Dass die Union vor einer Kühlschrankpolizei warnt, ist daher vollkommen unangebracht. Essen hat einen Wert. Nicht nur im Sinne des Profits. Großverbraucher und Händler sollten Vorbilder sein. Dann kommt der Bewusstseinswandel irgendwann auch in den Privathaushalten an. Miriam Scharlibbe – Neue Westfälische

Streit um Verhinderung von Lebensmittelverschwendung per Gesetz

Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU) hat einen Vorstoß des Landes Nordrhein-Westfalen abgelehnt, per Gesetz gegen die Lebensmittelverschwendung in Deutschland vorzugehen. Schmidt sagte der „Saarbrücker Zeitung“: „Der Großteil unserer Lebensmittelabfälle entsteht in den Privathaushalten, da können wir mit einem Gesetz nichts erreichen.“

Wie die Zeitung berichtet, fordert das rot-grün regierte NRW in einem Bundesratsantrag die Bundesregierung auf, wie in Frankreich, Finnland oder Italien „eine gesetzliche Initiative zur Verringerung der Lebensmittelverluste in Deutschland zu erarbeiten“. Pro Jahr würden mindestens elf Millionen Tonnen Nahrungsmittel weggeworfen. Die Lebensmittelverluste in der Landwirtschaft kämen mit zwei Millionen Tonnen hinzu. In Frankreich beispielsweise sind große Supermärkte dazu verpflichtet, überschüssige Nahrungsmittel zu spenden.

SPD-Verbraucherexpertin Elvira Drobinski-Weiß begrüßte den Vorstoß. „Dem Handel das Vernichten von Lebensmitteln zu untersagen und ihn zur Weitergabe an wohltätige Einrichtungen zu verpflichten, ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte sie der Zeitung. Demgegenüber sprach Unionsfraktionsvize Gitta Connemann (CDU) von einem „Wegwerfgesetz“, das einer „Kühlschrank- und Mülleimerpolizei“ gleichkomme. „Aufklärung ist das Zauberwort. Ernährung gehört endlich in alle Lehrpläne“, so Connemann. Der Antrag soll am 10. März in der Länderkammer beraten werden. Saarbrücker Zeitung

Auch wenn sich die politischen Debatten derzeit vor allem um die innere Sicherheit drehen, der Verbraucherschutz, eine gesunde Ernährung, vor allem die Art und Weise, wie in Deutschland Lebensmittel hergestellt werden, treibt viele Menschen um. Mit diesem Thema lässt sich vielleicht keine Wahl gewinnen – aber wer hier die falschen Akzente setzt, kann eine verlieren. Vor diesem Hintergrund muss der Vorstoß aus NRW gesehen werden, die Verringerung der Lebensmittelverschwendung gesetzlich zu stärken. Gleichwohl zeigt das Land auf die Falschen: Der weitaus geringste Teil der überschüssigen Lebensmittel stammt noch aus dem Handel. Eine Menge der vermeintlichen „Abfälle“ wird zudem von den rund 900 Tafeln in Deutschland abgeholt. Das System des Gebens und Nehmens funktioniert meist gut. Insofern sind zu allererst die Privathaushalte gefordert, wenn es um Vermeidung geht. Jeder Verbraucher hat sich und sein Verhalten zu überprüfen. Und in diesem Bereich gesetzlich weniger Verschwendung zu verordnen, wäre absurd – weil nicht kontrollierbar. Lausitzer Rundschau

Das Elend – und unsere Verantwortung

Das Leben ist zynisch. Während deutsche Politiker darüber streiten, wie sie den Milliardenüberschuss unter das Volk bringen sollen, wissen Millionen Menschen in Afrika nicht, ob sie die nächsten Wochen überleben werden. Der Hungertod ist ein elender Tod. Die Kinder sterben zuerst. Ja, es stimmt: In zahlreichen Regionen der südlichen Hemisphäre sind die Krisen hausgemacht. Auf die aktuellen Feindseligkeiten im Sudan beispielsweise hat der Westen nur begrenzt Einfluss. Auch das Wetterphänomen El Nino, das in Somalia, Kenia und Äthiopien extreme Dürren zur Folge hat, können wir nicht ungeschehen machen. Selbstverständlich haben wir trotzdem eine Mitverantwortung für das Elend. Die wahren Verlierer der Globalisierung leben nicht in New York oder im Ruhrgebiet, sondern südlich der Sahara.

Wenn die EU die Lebensmittelproduktion europäischer Hersteller subventioniert, dann schlägt sie gleichzeitig afrikanischen Bauern die Tür vor der Nase zu, weil sie von ihrer Hände Arbeit nicht mehr leben können. Sie verarmen. Oder sie greifen zu den Waffen, die Despoten an der Spitze ihrer Staaten von den reichen Nationen gekauft haben – also auch von uns. Unter Militärs funktioniert die Globalisierung ja erstaunlich gut. Vielleicht flüchten sie aber auch nach Europa. Bundeskanzlerin Merkel (CDU) erinnerte gestern erneut daran, dass Deutschland seiner eigenen Selbstverpflichtung nicht gerecht wird, weil es seit Jahren nicht genug Geld für die Entwicklungshilfe zur Verfügung stellt. Schöne Worte, Taten wären besser. Als Christ auf die Idee zu kommen, notleidenden Menschen zu helfen, ist ja nicht verwegen. Martin Korte – Westfalenpost

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