Krankenkassen-Debatte: Gröhe eröffnet Saison der Wahlgeschenke

Fusionen und höhere Beiträge - die beste Krankenkasse für 2017 finden

Statt um Wahlkampfgeschenke sollte sich Gröhe endlich um eine gerechte Finanzierung des Gesundheitssystems kümmern. Die Zusatzbeiträge gehören abgeschafft. Die Arbeitgeber müssen wieder zur Hälfte an der Finanzierung beteiligt werden, damit die Versicherten dauerhaft und nicht nur in Wahlzeiten entlastet werden.

Krankenkassen-Debatte: Gröhe eröffnet Saison der Wahlgeschenke

IG Metall: Starkes Votum für Parität bei den Krankenkassenbeiträgen

Die IG Metall sieht sich in ihrer Forderung nach Abschaffung der Zusatzbeiträge und einer Rückkehr zur Parität bei den Krankenkassenbeiträgen bestätigt. Das zeigten die breite Beteiligung an einer Unterschriftensammlung und eine repräsentative Befragung: „Die Bürger wollen zurück zur paritätischen Finanzierung der Krankenkassenbeiträge. Dafür haben bisher mehr als 100.000 Beschäftigte in den Betrieben mit ihrer Unterschrift votiert. Das sind starke Signale. Die Politik muss jetzt handeln“, sagte Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, am Dienstag in Frankfurt.

Nach der repräsentativen Umfrage im August 2016 von TNS Infratest Politikforschung im Auftrag der IG Metall halten es drei Viertel (75%) der befragten wahlberechtigten Bundesbürger für nicht gerechtfertigt, dass Arbeitnehmer einen höheren Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung zahlen als ihre Arbeitgeber. Fast neun von zehn Befragten (87%) plädierten zudem dafür, zum ‚Prinzip der paritätischen Finanzierung‘ zurückzukehren.

Hofmann sieht die Position der IG Metall auch beim Konzept der Bürgerversicherung bestätigt: Zwei Drittel der Befragten (68%) befürworten die Einführung einer Bürgerversicherung, in die alle, auch Besserverdienende, Selbstständige und Beamte, verpflichtend einbezogen werden. Selbst privat Versicherte stimmten mit deutlicher Mehrheit (62%) für eine Bürgerversicherung.

„Die Menschen haben ein sehr genaues Gespür für Gerechtigkeit. Das ist der Politik leider bei vielen Fragen abhandengekommen“, sagte Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. Deshalb könne die Antwort nur heißen: Die ungerechten Zusatzbeiträge müssten weg und die hälftige Finanzierung müsse wieder her! „Für uns sind die Ergebnisse der Befragung und der hohe Zuspruch zu unserer Unterschriften-Aktion Ansporn, weiter in den Betrieben für eine Unterstützung zu mobilisieren und unsere Forderung nach einer hälftigen Finanzierung der Beiträge an die Politik zu adressieren. Gerade im Jahr der Bundestagswahl müssen sich die Parteien hierzu positionieren“, sagte Urban. IG Metall Industriegewerkschaft Metall

Nicht auf Gröhes Täuschung hereinfallen

„Gesundheitsminister Gröhe tut alles, um sich ein knappes Jahr vor der Bundestagswahl eine Diskussion um Zusatzbeiträge zu ersparen“, kommentiert Harald Weinberg, Sprecher für Krankenhauspolitik und Gesundheitsökonomie der Fraktion DIE LINKE, die heutige Prognose des Schätzerkreises zum durchschnittlichen Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2017. Weinberg weiter:

„Der Verzicht auf eine Erhöhung des Zusatzbeitrags ist nur deshalb möglich, weil Gröhe rund 1,5 Milliarden Euro aus dem Gesundheitsfonds an die Krankenkassen fließen lässt. Aufgeschoben ist allerdings nicht aufgehoben: Selbst Vertreter der Kassen rechnen damit, dass der Einmaleffekt durch die jetzige Finanzspritze mit einer stärkeren Erhöhung der Zusatzbeiträge im darauffolgenden Jahr erkauft wird.

Statt um Wahlkampfgeschenke sollte sich Gröhe endlich um eine gerechte Finanzierung des Gesundheitssystems kümmern. Die Zusatzbeiträge gehören abgeschafft. Die Arbeitgeber müssen wieder zur Hälfte an der Finanzierung beteiligt werden, damit die Versicherten dauerhaft und nicht nur in Wahlzeiten entlastet werden. Wenn die von uns vorgeschlagene solidarische Gesundheitsversicherung umgesetzt würde, könnten die Krankenkassen ihre Beitragssätze um ein Drittel senken und sämtliche Zuzahlungen abschaffen.“ Partei Die Linke

Zum Ergebnis des Schätzerkreises der gesetzlichen Krankenversicherung erklärte die stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann:

„Auf den ersten Blick sind stabile Beiträge für Krankenversicherte eine gute Nachricht. Auf den zweiten erkennt man jedoch ein dreistes Wahlkampfmanöver von Bundesgesundheitsminister Gröhe. Nachdem die Bundesregierung 1,5 Milliarden Euro aus der Reserve des Gesundheitsfonds entnommen hat, ist die Finanzlage nun offenbar vorübergehend entspannt. Mit diesem Griff in die Reserve sollen die Wähler für das nächste Jahr gegenüber der Union gnädig gestimmt werden. Das darf nicht davon ablenken, dass Union und SPD die Sozialbeiträge in die Höhe treiben. Die Wähler sollten nicht auf Gröhes Täuschung hereinfallen.“ FDP

Fusionen und höhere Beiträge – die beste Krankenkasse für 2017 finden

In wenigen Wochen werden einige gesetzliche Krankenkassen ihren Versicherten die neuen Beitragsanpassungen schriftlich bekanntgeben. Laut einer Prognose wird der durchschnittliche Zusatzbeitrag ab Januar 2017 von 1,1 auf 1,4 Prozent steigen.

Doch wie findet man die beste Krankenkasse? Wichtig ist es, neben dem Beitragssatz, auch auf die individuellen Leistungen, gute Erreichbarkeit im Kundenservice und beste Bewertungen in Testberichten zu achten – denn die günstigsten sind nicht automatisch die besten Krankenkassen.

Stiftung Warentest überprüfte im Magazin Finanztest 09/2016 die gesetzlichen Krankenkassen im Bereich Service, günstiger Zusatzbeitrag, Leistungen für Eltern und Kinder sowie die Kostenbeteiligung für professionelle Zahnreinigung und Gesundheitskurse. Des Weiteren wurden die Leistungen für Vorsorge und alternative Therapien getestet.

Zu den günstigsten Krankenkassen gehören laut Finanztest die regional geöffneten Versicherer Metzinger BKK, AOK Plus und AOK Sachsen-Anhalt, mit einem Zusatzbeitrag von bis zu 0,3 Prozent erreichen diese die Top 3. Testsieger bei der Service-Studie des DISQ im Juli 2016 wurde die AOK Plus mit dem Qualitätsurteil „sehr gut“. Die DFSI GmbH ermittelte im 10. großen Krankenkassentest mit Focus Money zum wiederholten Mal die Techniker Krankenkasse als besten Versicherer. Die Krankenkassenzentrale informiert unter https://www.krankenkassenzentrale.de/test/ über weitere Details zu den Testsiegern, bietet einen kostenlosen Krankenkassenvergleich und Unterstützung beim Wechsel der gesetzlichen Krankenkassen an.

Im Januar 2017 werden, wie im vorherigen Jahr, wieder einige Krankenkassen zusammengeschlossen und unter neuem Namen geführt. Somit reduziert sich die Zahl der wählbaren gesetzlichen Versicherer auf 113 Anbieter. Wer bei einer dieser Krankenkassen versichert ist, sollte sich umgehend über die bevorstehenden Leistungsänderungen informieren und eventuell einen Krankenkassenwechsel in Betracht ziehen, denn ein Zusammenschluss bedeutet nicht, dass die gleichen Leistungen wie bisher angeboten werden können. Kirsten Tribe- Krankenkassenzentrale

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