Bahn verzichtet auf Fahrpreis-Erhöhung

Zurückhaltung der Bahn bei der diesjährigen Preisrunde

Noch ist nicht alles gut bei der Bahn. Zwar ist die Zahl der Reisenden zuletzt wieder gestiegen, aber selbst Personenverkehrsvorstand Huber will darin noch keine Trendwende sehen.

Bahn verzichtet auf Fahrpreis-Erhöhung

Die Bahn macht mobil. Zweifelsohne. Dieser Werbeslogan gilt nach wie vor, obgleich dem Staatskonzern immer mehr Kunden weglaufen. Vor allem die preisbewussten unter ihnen sitzen jetzt lieber im Fernbus, wenn sie große Strecken zurücklegen. Das kostet sie viel weniger als ein Bahnticket. Kostenloses Internet gibt’s häufig obendrein. Und dann nehmen sie eben auch in Kauf, dass der Bus irgendwo im Stau steht oder der Fahrer eine Zwangspause einlegen muss, weil er sonst seine Lenkzeiten überschreitet. Bequem? Ist das nicht. Und sicherlich auch kein Zeitgewinn. Aber eben günstig. Und das zählt.

Die Kunden freut’s

Die Sprache des Geldes verstehen natürlich auch die Manager der Deutschen Bahn AG. Denen fehlen etwa 130 Millionen Euro in der Bilanz, seitdem ihnen Fernbusse Konkurrenz machen dürfen. Und plötzlich hebeln sie einen Automatismus aus, der seit Ewigkeiten für Ärger sorgte: die obligatorische Fahrpreis-Erhöhung. In diesem Winter wird es sie nicht geben. Schon reiben sich einige Bahnkunden verwundert die Augen. Es geht also doch? Von wegen steigende Kosten, Inflationsrate und so weiter?

Die Gesetze des Marktes machen selbst einem Branchenriesen wie der Deutschen Bahn zu schaffen. Das ist beruhigend. Zumal der Fernbus-Boom dafür sorgt, dass sich die Bahn-Manager auch Gedanken über die Qualität ihrer Angebote machen müssen. Demnächst soll es kostenloses Internet für Bahnkunden geben, wie es die Fernbusfahrer längst kennen. Und auch die Sparpreise kann künftig nutzen, wer sich ganz kurzfristig für eine Fahrt mit dem Zug entscheidet. Da bewahrheitet sich der altbekannte Satz: Konkurrenz belebt das Geschäft. Die Kunden wird’s freuen.

Und die Bahn? Bleibt mobil. Keine Frage. Der Konzern hat im Jahr 2014 fast 40 Milliarden Euro umgesetzt. Da wird er die Bus-Konkurrenz verkraften. Von Nild R. Kawig Thüringische Landeszeitung

Die Bahn macht derzeit vieles richtig

Konkurrenz belebt das Geschäft – der Deutschen Bahn war dieser Kernsatz des Kapitalismus allzu lange allzu fremd. Auch und gerade im Fernverkehr, wo lange – nun ja: nur – Auto und Flugzeug als Konkurrenten auftraten. Der Angriff der Billigflieger führte dazu, dass die Bahn sich weitgehend aus dem Nachtverkehr zurückgezogen hat. Nun hat auch die Liberalisierung des Fernbusmarktes das Staatsunternehmen gehörig unter Druck gesetzt.

Die Bahn reagiert erfreulicherweise nicht mit einem weiteren Rückzug, nein, sie greift an. Mit neuen Sparpreisangeboten wie dem 19-Euro-Ticket, mit der Rückbesinnung auf die Fläche, namentlich der geplanten Wieder-Anbindung vieler Mittel- und kleinerer Großstädte (wie Siegen und Iserlohn-Letmathe) an das Fernverkehrsnetz oder eben mit dem Verzicht auf Preiserhöhungen.

Noch ist nicht alles gut bei der Bahn. Zwar ist die Zahl der Reisenden zuletzt wieder gestiegen, aber selbst Personenverkehrsvorstand Huber will darin noch keine Trendwende sehen. Mit der Pünktlichkeit der Züge ist Huber – völlig zu Recht – nicht zufrieden, das angestrebte WLan-Angebot für die zweite ICE-Klasse lässt wohl noch länger auf sich warten. Auch dass es bei der Deutschen Bahn keine Tickets für den Thalys gibt, muss in die Liste der Ärgernisse eingereiht werden. Aber die Bahn macht vieles richtig, ist auf einem guten Weg.

Im Nahverkehr allerdings sucht der einstige Monopolist noch seinen Platz. Die Konkurrenz ist hart, die ältere und damit teurere Belegschaft etwa ist bei Ausschreibungen ein handfester Wettbewerbsnachteil für die Bahn. Probleme bei neu beschafften Fahrzeugen wie jetzt im Sauerlandnetz indes hat die DB nicht exklusiv. Das kennt auch die Konkurrenz. Von Lorenz Redicker Westfalenpost

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