Deutsche einig – GDL ist schuld am Bahnstreik

Hälfte lehnt Gesetz zur Tarifeinheit ab

ARD-DeutschlandTrend Mai 2015: Jeder zweite Deutsche schreibt der GDL die Verantwortung für den erneuten Streik zu. Die Hälfte der Befragten lehnt jedoch ein Gesetz zur Tarifeinheit ab.

Deutsche einig – GDL ist schuld am Bahnstreik

Um den festgefahrenen Bahn-Tarifkonflikt doch noch zu lösen, will Bahn-Chef Rüdiger Grube am Freitag nach eigenen Worten „die nächste Stufe zünden“. Das sagte Grube laut einem Bericht der „Stuttgarter Zeitung“ am Donnerstagabend in Esslingen. Nachdem die Lokführergewerkschaft GDL den Vorschlag des Bahnvorstandes abgelehnt hatte, den früheren brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) als Vermittler einzuschalten, habe er einen „Plan B“, erläuterte Grube. Dazu müsse er in der Nacht zu Freitag noch ein Gespräch führen.

Details wollte Grube nicht nennen. Der „gesunde Menschenverstand“ sage ihm jedoch, was der nächste Schritt sein müsse. „Die Lösung wird es nicht sein“, dämpfte Grube zu hohe Erwartungen. Sein Gebot sei es jedoch, „nie aufzugeben“, zudem fühle er sich dem Standort Deutschland verpflichtet. Auch dürfe man in diesem Konflikt „nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen“, sagte er im Blick auf die Kritik von GDL-Chef Claus Weselsky, der den Vermittlervorschlag Grubes am Donnerstag erneut als „PR-Gag“ abgetan hatte. Grube nannte Weselsky „diese Person, deren Namen ich möglichst nicht in den Mund nehme“. „Selbstverständlich“ würde er sich mit diesem aber auch an einen Verhandlungstisch setzen.

Bahn-Chef Grube will „die nächste Stufe zünden“

Das Unternehmen werde von zwei Gewerkschaften „in Geiselhaft genommen“, weil sich diese nicht einigen könnten, beklagte Grube. Mit der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) will der Vorstand demzufolge zwischen dem 23. Mai und dem 1. Juni fertig werden. Den Vorwurf, die Bahn wolle die Verhandlungen so lange hinauszögern, bis im Sommer das Tarifeinheitsgesetz in Kraft trete, wies Grube zurück. Er würde lieber sofort weiter verhandeln. Zudem sei er bereit, eine „Sonderlösung für längere Zeit“ zu schaffen und das Tarifeinheitsgesetz dabei „zu ignorieren – so, als ob es das Gesetz nicht gäbe“.

Nach den Worten des Konzernchefs wird durch die Haltung der Lokführergewerkschaft die „sehr wertvolle Sozialpartnerschaft in Deutschland mit Füßen getreten“. Zudem sei das Image der Deutschen Bahn beschädigt. Wirtschaftlich haben die Arbeitsniederlegungen ohnehin massive Folgen: Jeder Streiktag schmälere den Gewinn um zehn Millionen Euro, so dass allein in dieser Woche ein Verlust von 70 Millionen Euro entstehe. Hinzu komme der Schaden in Höhe von 226 Millionen Euro, der schon von Oktober bis April entstanden sei. Dieses Geld „hätte ich gerne in die Mitarbeiter investiert“, sagte Grube. Stuttgarter Zeitung www.stuttgarter-zeitung.de

Aus der Sicht von 50 Prozent der Deutschen ist die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) verantwortlich dafür, dass in den Tarif-Auseinandersetzungen zwischen der GDL und der Deutschen Bahn nun erneut gestreikt wird. Die Deutsche Bahn sehen 27 Prozent als Hauptverantwortliche für den Streik. 14 Prozent sehen die Schuld bei beiden Tarifpartnern gleichermaßen. Das hat eine Umfrage des ARD-DeutschlandTrends von Montag bis Dienstag dieser Woche ergeben.

Der erneute Streik der Lokführer findet bei einer knappen Mehrheit der Bevölkerung kein Verständnis. Die Gewerkschaft der Lokführer fordert unter anderem eine Gehaltssteigerung von 5 Prozent und möchte künftig auch für andere Berufsgruppen bei der Bahn verhandeln dürfen. 52 Prozent der Befragten sagen, dass sie für einen Streik der Lokführer kein Verständnis haben (+1 Prozentpunkt im Verhältnis zur Befragung im November 2014). 46 Prozent haben dagegen Verständnis für den Streik (+/-0).

Hälfte lehnt Gesetz zur Tarifeinheit ab

Die Pläne der Bundesregierung, eine gesetzliche Regelung zur Herstellung der Tarifeinheit zu treffen, sieht die Hälfte der Bürger kritisch. Dem Gesetzentwurf zufolge soll, wenn sich mehrere Gewerkschaften in einem Betrieb nicht über die Vertretungshoheit einigen können, nur die größte Gewerkschaft den Tarifvertrag verhandeln und zum Streik aufrufen dürfen. 51 Prozent sind der Meinung, dass weiterhin auch kleinere Gewerkschaften Tarifverträge abschließen und streiken dürfen sollen (+3 Punkte im Vergleich zur Befragung Anfang März). 43 Prozent begrüßen eine solche Regelung (-2).

Befragungsdaten

  • Grundgesamtheit: Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren
  • Fallzahl: 1.006 Befragte, Verantwortung für Streiks: ca. 500 Befragte
  • Erhebungszeitraum: 4.5.2015 bis 5.5.2015
  • Erhebungsverfahren: Computergestützte Telefoninterviews (CATI)
  • Stichprobe: Repräsentative Zufallsauswahl/Dual Frame
  • Fehlertoleranz: 1,4* bis 3,1** Prozentpunkte 500 Befragte: 1,9* bis 4,4** Prozentpunkte
    * bei einem Anteilswert von 5%;
    ** bei einem Anteilswert von 50%

Quelle: „ARD / Infratest dimap“ – Uwe-Jens Lindner WDR.de

Ihre Meinung ist wichtig!

Persönliche Angaben freiwillig! Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.