Gesundheitswesen: Was sich im Jahr 2016 ändert

Schöne Bescherung

Der Beitragsschock, den die DAK als Deutschlands drittgrößte Krankenkasse ihren Kunden kurz vor den Feiertagen versetzt, hat es in sich. Die Kasse erhöht auf 16,1 Prozent – und könnte damit zur teuersten Kasse überhaupt werden.

Gesundheitswesen: Was sich im Jahr 2016 ändert

Allerdings: Die DAK steht nicht allein. Weitere Kassen werden schon für 2016 in Richtung auf 16 Prozent erhöhen müssen. Und 2017 wird das wohl für die allermeisten Anbieter gelten, weil dann auch die jüngsten teuren Gesundheitsreformen durchschlagen. Mal sehen, wie die Große Koalition mit Blick aufs Bundestagswahljahr 2017 darauf reagiert, dass die fetten Jahre in der Krankenversicherung endgültig vorbei sind. Eine hitzige Debatte über steigende Zusatzbeiträge, die die Versicherten allein zahlen, während der Arbeitgeberbeitrag fix ist, steht auf jeden Fall ins Haus. Stuttgarter Nachrichten

Für Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen bringt der Jahreswechsel 2015/2016 zahlreiche Neuerungen mit sich. Bedingt unter anderem durch mehrere Gesundheitsreformen steigen die Beitragssätze für die Versicherten. Zugleich wird die Beitragsbemessungsgrenze, also das Einkommen bis zu dem Krankenkassenbeiträge anfallen, auf 50.850 Euro angehoben. Die Versicherungspflichtgrenze steigt ebenfalls: von 54.900 Euro im Jahr 2015 auf 56.250 Euro 2016. Aber nicht nur bei den Finanzen ändert sich einiges im nächsten Jahr. Die jüngste Gesetzgebung bringt zahlreiche andere Neuerungen für die Versicherten mit sich. Der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) hat auf seiner Webseite unter www.vdek.com/politik/was-aendert-sich/gesundheitswesen-2016.html eine Auswahl der wichtigsten Änderungen zusammengestellt.

Beispiel Pflege: Zum 1. Januar 2016 greifen erste Regelungen des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes (PSG II). Für Pflegebedürftige, die ihre Pflege zum Beispiel durch Angehörige oder Nachbarn sicherstellen, gibt es Leistungsverbesserungen, wenn die pflegende Person krank wird oder urlaubsbedingt ausfällt (Verhinderungs- bzw. Kurzzeitpflege).

Beispiel Prävention: Das Präventionsgesetz bringt ebenfalls zahlreiche Neuerungen. Die gesetzlichen Krankenkassen bauen die Förderung von Präventionsmaßnahmen aus. Insbesondere die Gesundheitsförderung in Settings wie Kitas, Schulen, Pflegeeinrichtungen und Betrieben wird gestärkt. Außerdem sind Untersuchungen von Gesundheitsrisiken, Früherkennung und eine Präventionsberatung künftig bereits ab dem 18. Lebensjahr möglich. Das Mindestalter von 35 Jahren für bestimmte Vorsorgeuntersuchungen entfällt.

Beispiel Terminservicestellen: Ende Januar 2016 gehen die sogenannten Terminservicestellen an den Start. Für Versicherte sollen sich damit die Wartezeiten auf einen Facharzttermin verkürzen: Die Servicestellen müssen innerhalb von einer Woche einen Termin vermitteln. Voraussetzung ist, dass der Versicherte eine Überweisung vorlegen kann. Die Wartezeit auf den Termin darf maximal vier Wochen betragen, die Entfernung zur Praxis muss zumutbar sein. Kann kein Termin vermittelt werden, muss ein ambulanter Behandlungstermin in einem Krankenhaus angeboten werden. Die Kassenärztlichen Vereinigungen müssen diese Servicestellen bis zum 23. Januar 2016 einrichten, schreibt das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) vor. Zudem erhalten die Versicherten durch das GKV-VSG in bestimmten Fällen ab 2016 einen gesetzlichen Anspruch auf eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung. www.vdek.com Verband der Ersatzkassen e.V.

Schöne Bescherung

Es weihnachtet und Krankenkassen bitten zur Bescherung. Schön ist die nicht. Es wird genommen, nicht gegeben – mal 5, mal 15, mal 25 Euro pro Monat. Nun könnte ja manch Zeitgenosse denken, was an der Tanke im Geldbeutel bleibt, ist im Klinikpersonal gut angelegt. Dass die Zusatzbeiträge allerdings jemals wieder sinken, dürfte sich als Illusion erweisen. Denn Gesundheitsminister Gröhe und seine Parteifreunde werden die Arbeitgeber nicht im gleichen Maß an den Kosten des medizinischen Fortschritts beteiligen wie Arbeitnehmer. Alternative? Gröhe müsste die gestiegenen Arzneimittelausgaben senken, vor allem bei hochpreisigen neuen Präparaten, die in Nachbarländern viel günstiger zu haben sind. Aber den Unternehmen wollen CDU und CSU ja nicht auf die Füße treten.

Blieben die Ärzte, deren Honorar um vier Prozent gestiegen ist, oder Langzeit-Patienten, denen die Kassen fünf Prozent mehr Krankengeld zahlten. Da ist zu befürchten, dass sich die Versorgungslücken etwa mangels Hausärzten vergrößern oder Kranke kränker werden, weil sie zu früh wieder arbeiten oder ins Frührentner-Dasein gedrängt werden. Nein, den Krankenkassen samt der Gesundheitsbürokratie will die Regierung nicht ans Leder, teure Werbeaktionen hin, fragwürdige Zusatzleistungen her. Gut, dass es den gesetzlich Versicherten gibt. Er kann die Kasse wechseln. Das lohnt sich jedoch nur, bis diese ihren Zusatzbeitrag erhöht. Südwest Presse

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