Grüne alarmiert wegen Umfragewerten – Löhrmann: „Mir fällt ein Stein vom Herzen, wenn wird drin sind“

Sylvia Löhrmann: "Der Wahlkampf in NRW ist zum Lagerwahlkampf geworden"

Die Spitzenkandidatin der Grünen in NRW, Sylvia Löhrmann, hält eine aggressiver gewordene Grundstimmung in der Gesellschaft für die Ursache für das Umfrage-Tief der Grünen. Im Interview mit der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ sagte Löhrmann: „Wir erleben derzeit eine in Teilen aggressive gesellschaftliche Stimmung.

Grüne alarmiert wegen Umfragewerten – Löhrmann: „Mir fällt ein Stein vom Herzen, wenn wird drin sind“

Zu Beginn dieser Legislaturperiode gab es noch keinen Brexit, keine AfD und keinen Donald Trump. Es ist nicht mehr so einfach für die Grünen, mit ihren Themen durchzudringen.“ Auch der Wahlkampf in NRW habe sich in den letzten Wochen verändert. Löhrmann: „Wir erleben in den letzten Wochen eine starke Polarisierung. Der Wahlkampf in NRW ist zum Lagerwahlkampf geworden. Der Rechtsruck der Politik kommt nicht nur von der AfD. Auch die CDU und die FDP sind weiter nach rechts gerückt.“ Rheinische Post

Bei den Grünen regiert die Panik

Der dramatische Umfrage-Absturz scheint die taktisch sonst so gewieften Grünen in Nordrhein-Westfalen kopflos gemacht zu haben. Zwei Wochen vor der Landtagswahl schlagen sie mit Trommelwirbel die ohnehin eher theoretische Regierungsoption einer Jamaika-Koalition mit CDU und FDP aus. Sie tragen obendrein ihre Existenzangst durch das drohende Parlaments-Aus öffentlich zur Schau. Sie betteln um Zweitstimmen von SPD-Sympathisanten und schauen dabei traurig in die Kameras. Sehen so Sieger aus?

Der stolze grüne Kurs der Eigenständigkeit, jahrelang gepredigt, wird auf den letzten Metern panisch verlassen. Man kettet sich an eine SPD, die dem kleinen Koalitionspartner seit Monaten die Verantwortung für die arg durchwachsene rot-grüne Regierungsbilanz in den Kernfeldern innere Sicherheit, Wirtschaft und Bildung zuschieben will. Und der in konservativen Kreisen als allzu liberaler Grünen-Versteher beäugte CDU-Landeschef Laschet kann plötzlich auf Lagerwahlkampf machen und vor dem in Düsseldorf drohenden Linksblock warnen. Im Saarland hatte diese CDU-Taktik verfangen.

Wer die Verhältnisse derart ins Tanzen bringt wie die NRW-Grünen, muss sich nicht wundern, wenn er vollends ins Stolpern gerät. Tobias Blasiuszur – Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Sylvia Löhrmann: „Der Wahlkampf in NRW ist zum Lagerwahlkampf geworden“

Die Spitzenkandidatin der NRW-Grünen, Sylvia Löhrmann, ist angesichts der schlechten Umfragewerte für ihre Partei alarmiert. Auf die Frage, ab wieviel Prozent ihr am Wahlabend ein Stein vom Herzen falle, antwortete die Politikerin im Interview mit „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Express“: „Der erste Stein fällt, wenn klar ist, wir sind wieder drin.“ Auch im Wahlkampf 2012 habe es „einen Durchhänger“ gegeben. „Damals waren die Piraten neu, galten als hipper und flotter“, sagte Löhrmann. Diesmal gebe es einen neuen Mitbewerber am rechten Rand. „Der fordert uns auf eine andere Weise“, sagte die Grüne. Und sie fügte hinzu: „Es hat in der Gesellschaft eine Verschiebung nach rechts gegeben. Die Diskussion über die Flüchtlingsentwicklung und die Innere Sicherheit rückt andere Themen in den Hintergrund.“

Löhrmann erhält im Wahlkampf persönliche Drohungen

Die Spitzenkandidatin der NRW-Grünen, Sylvia Löhrmann, ist besorgt wegen persönlicher Drohungen, die sie im Wahlkampf erhält. „Ich habe erstmals persönliche Angriffe an meine offizielle Maildresse bekommen mit dem Inhalt: »Sieh‘ Dich vor, wir wissen, wo Du wohnst.«“, sagte die Grüne. „Ich bin wahrlich kein schreckhafter Mensch, aber das lässt einen nicht kalt“, fügte sie hinzu. „Da lassen Leute ungefiltert ihren Frust raus. Und man denkt natürlich schon: Was ist mit Frau Reker passiert? Woher kommen dieser Hass und diese Aggressivität in der Gesellschaft?“, so Löhrmann. Die Grünen hätten 30 Menschen zum Gespräch eingeladen, die im Internet aggressive Botschaften hinterlassen hätten. „Zehn haben zugesagt, letztlich ist keiner gekommen“, sagte die Politikerin den Zeitungen. Kölner Stadt-Anzeiger

Verdi-Chef Bsirske : Kritik am Kurs der Grünen – Wahlempfehlung für Schulz ausgeschlossen

Verdi-Chef Frank Bsirske, selbst Grünen-Mitglied, äußert Kritik am Kurs der Grünen und fordert sie zum Umdenken auf. Bsirske sagte der „Heilbronner Stimme“: „Es ist erstaunlich, in welchem Ausmaße die Umfragewerte der Grünen gesunken sind. Möglicherweise korrespondiert dies damit, in welchem Ausmaß das Thema soziale Gerechtigkeit an Prominenz gewonnen hat.“

Bsirske fügte hinzu: „Die Grünen haben aus den enttäuschenden Ergebnissen der letzten Bundestagswahl die Konsequenz gezogen, sich stark auf das Thema Ökologie zu fokussieren.“ Die Grünen sollten nun ihr Profil auf dem Gebiet der sozialen Gerechtigkeit „schärfen“. „Auch noch hin zur Landtagswahl in NRW, wo sie in Umfragen deutlich nachgelassen haben. Denn sie haben sozialpolitisch eine ganze Menge vorzuweisen.“

Bsirske: „Mit Martin Schulz ist jemand in den Vordergrund getreten, der das Feld der sozialen Gerechtigkeit glaubhafter vertritt als der Vorgänger-Kanzlerkandidat der SPD.“ Eine Wahlempfehlung seiner Gewerkschaft für Martin Schulz schließt Bsirske indes aus. Verdi habe noch nie eine Wahlempfehlung abgegeben und werde dies auch dieses Mal nicht tun: „Wir sind nicht der verlängerte Arm irgendeiner Partei.“ Heilbronner Stimme

Özdemir stützt Strategiewechsel der NRW-Grünen

Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir hat sich hinter den Strategiewechsel der Grünen in NRW gestellt, wonach die Grünen für eine Regierungskoalition mit CDU und FDP nicht mehr zur Verfügung stehen. „Grundsätzlich gilt: Die Grünen in den Ländern wissen selbst am besten, mit welchen Partnern sie ihre Inhalte am besten umsetzen können“, sagte Özdemir der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. „In NRW kämpfen die Grünen um die Fortsetzung der rot-grünen Koalition. Die Bundesgrünen unterstützen sie dabei tatkräftig im Wahlkampf, deswegen sind wir die nächsten Wochen auch nochmal im Land unterwegs“, sagte Özdemir. Rheinische Post

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