Islam wird zum Problem: FDP und Landesregierung in NRW streiten über Ditib

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, kurz Ditib, hat in den vergangenen Wochen nicht das beste Bild abgegeben. Da war zum einen die stark politisierte Freitagspredigt nach dem Putschversuch in der Türkei, zum anderen der Aushang an einer Moschee in Hagen, wonach „Vaterlandsverräter“ nicht hereingelassen werden.

Islam wird zum Problem: FDP und Landesregierung in NRW streiten über Ditib

Der größte muslimische Verband in Deutschland ist dagegen vorgegangen. Gut so. Allerdings muss sich die Ditib wieder verstärkt ihren Aufgaben als Religionsgemeinschaft widmen und die türkische Politik aus ihrer Arbeit heraushalten. Dass Grünen-Politiker wie Cem Özdemir und Volker Beck nun vor Ditib als Dialogpartner warnen, ist schäbig. Solange es keine Faktengrundlage für die Vorwürfe gibt, sollten Özdemir und Co. verbal abrüsten. Türen zuschlagen ist einfach, Dialoge führen hingegen nötig. Frankfurter Rundschau

Der problematische Kooperationspartner: Ditib muss sich entscheiden

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, kurz Ditib, fühlt sich schlecht behandelt. Dass die deutsche Politik zunehmend auf Distanz geht, empfindet der größte islamische Dachverband in der Bundesrepublik als höchst ungerecht. Schließlich seien alle gegen die Ditib erhobenen Vorwürfe „tendenziös, in einigen Teilen gar offen feindselig“. Im Brustton der Überzeugung weist die Organisation „sämtliche Unterstellungen der Fremdsteuerung“ zurück. Es gäbe gar keine politische Einflussnahme aus der Türkei. Wirklich nicht?

Tatsächlich kann nicht ernsthaft bestritten werden, dass die Ditib seit ihrer Gründung 1984 ein verlängerter Arm des türkischen Staates ist. Ihre Geschicke bestimmte von Anfang an das dem türkischen Ministerpräsidenten direkt unterstellte Diyanet, das Präsidium für Religiöse Angelegenheiten. Bis heute wird de facto in Ankara über den Ditib-Vorsitzenden entschieden, der in Personalunion auch türkischer Botschaftsrat ist. Die etwa 970 Imame, die in den Ditib-Moscheen predigen, sind bezahlte Beamte der türkischen Religionsbehörde und verfügen vielfach nur über völlig unzureichende deutsche Sprachkenntnisse.

Die Ditib war also schon vor den aktuellen Ereignissen in der Türkei ein höchst problematischer Kooperationspartner. Sie muss sich endlich entscheiden: Ist die derzeit noch mitgliederstärkste Migrantenorganisation bereit zur Transformation hinein in die bundesdeutsche Gesellschaft? Oder bleibt sie Filiale des Diyanet? In letzterem Fall verliert die Ditib ihre Existenzberechtigung als Religionsgemeinschaft in Deutschland. Nicht alleine, weil sie mit ihrer türkisch-nationalistischen Ausrichtung Integration behindert. Sondern auch und gerade, weil sie so kein Ort mehr für jene Muslime mit türkischer Zuwanderungsgeschichte sein kann, die längst weder „Gastarbeiter“ noch „Ausländer“ sind. Ihr Bezugspunkt ist die Bundesrepublik – nicht die Türkei. An einer fünften Kolonne des autokratischen Erdoğan-Regimes besteht kein Bedarf. taz – die tageszeitung

Der nordrhein-westfälische Partei- und Fraktionschef der FDP, Christian Lindner, hat Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) ultimativ aufgefordert, ihr Verhältnis zum türkischen Moschee-Dachverband Ditib zu klären. „Es wäre nicht zu akzeptieren, wenn Ditib als verlängerter Arm des Herrn Erdogan einen nationalen und völkischen Islam mit Billigung des Landes Nordrhein-Westfalen propagieren könnte“, sagte Lindner der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Die Ditib sei direkt der türkischen Regierung unterstellt, sagte Lindner: „Schulministerin Löhrmann muss bis zum Schulbeginn erklären, ob und unter welchen Bedingungen die Landesregierung weiter mit Ditib kooperiert. Für die FDP ist essenziell, dass ein auch nur mittelbarer Einfluss des türkischen Staates auf unsere Schulen ausgeschlossen wird.“

Die Ditib ist in Nordrhein-Westfalen als Mitglied des Beirats für islamischen Religionsunterricht an der Zulassung der Lehrer und der Erarbeitung der Lehrpläne beteiligt. Löhrmann sagte der Redaktion, die Entwicklung in der Türkei erfülle sie mit „großer Sorge“: „Wir sind deshalb auch kritischer und wachsamer, was die Rolle der Ditib im Beirat für islamischen Religionsunterricht angeht. Ich kann und will aber nicht alle Beteiligten unter Generalverdacht stellen.“ Sie könne nur die konkrete Arbeit im Beirat und in den Schulen beurteilen: „Dort gibt es bisher keine Anzeichen für eine Veränderung oder für Probleme, etwa was die Erteilung von Lehrerlaubnissen betrifft. Die Zusammenarbeit mit dem Beirat funktioniert gut.“ Die islamischen Verbände müssten sich aber über ihre Rolle klarwerden: „Wollen die Verbände einen aufgeklärten Unterricht anbieten, oder wollen sie sich politisch betätigen?“ Es gebe „keinen unmittelbaren Einfluss auf unseren Religionsunterricht aus der Türkei“, und die Lehrpläne erlasse das Land: „Das sollte auch Herr Lindner wissen.“ Rheinische Post

Erdogans Einfluss auf Deutschland

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