Jugendforscher Hurrelmann sieht Ende der Politikverdrossenheit bei jungen Menschen

Mitautor der Shell-Jugendstudie spricht von einer Trendwende

Am 14. Mai 2017 ist es soweit: Rund 13,1 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, den neuen NRW-Landtag zu wählen. Der Landtag wird für fünf Jahre gewählt. 128 der mindestens 181 Abgeordneten werden direkt in den Wahlkreisen gewählt. Die übrigen – mindestens 53 – Mandate werden aus den Landeslisten der an der Sitzverteilung teilnehmenden Parteien besetzt.

Jugendforscher Hurrelmann sieht Ende der Politikverdrossenheit bei jungen Menschen

Der Jugendforscher Klaus Hurrelmann sieht ein Ende der Politikverdrossenheit bei jungen Menschen in Deutschland. Dass außerdem wieder mehr junge Leute in Parteien eintreten, sei bemerkenswert und „könnte die erhoffte Trendwende sein“, sagte der Mit-Autor der Shell-Jugendstudie dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Auslöser der neuen Politisierung der Jugend sei die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Laut Hurrelmann hat die Wahl Trumps gerade bei jungen Menschen das bis dato völlig unbekannte Gefühl ausgelöst, „dass in unserer Welt etwas geschehen kann, das von heute auf morgen unsere Zukunft in Frage stellt“. Es habe diesen Moment der Gefährdung gebraucht, um für diesen Schub zu sorgen. Bislang sank die Wahlbeteiligung auch deshalb immer weiter, weil bei jungen Menschen das Gefühl vorgeherrscht habe, „auf mich kommt es nicht an“. Diese Distanz sei bei den Jugendlichen gängige demokratische Praxis gewesen, weil alles so gut funktioniere. „Man hat sich darauf verlassen, dass die Alten das mühselige demokratische Geschäft schon machen.“ Diese Haltung habe die Wahl Trumps in ihren Grundfesten erschüttert. Kölner Stadt-Anzeiger

840.000 junge Menschen dürfen am 14. Mai zum ersten Mal wählen

Am 14. Mai 2017 ist es soweit: Rund 13,1 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, den neuen NRW-Landtag zu wählen. Knapp 840.000 von ihnen sind Erstwähler. „Sie wollen wir gezielt ansprechen, damit möglichst viele ihr Wahlrecht wahrnehmen“, sagte Landeswahlleiter Wolfgang Schellen. Wahlberechtigt sind alle Deutschen, die am Wahltag das 18. Lebensjahr vollendet haben und mindestens ab dem 28. April 2017 in NRW wohnen. Rund 6,8 Millionen der Wahlberechtigten in NRW sind Frauen. Von den rund 840.000 Erstwählern sind etwa 410.000 Frauen.

Seit der Landtagswahl 2010 können – wie bei der Bundestagswahl – auf jedem Stimmzettel zwei Kreuze gemacht werden: Mit der Erststimme in der linken Spalte des Stimmzettels entscheiden die Wählerinnen und Wähler über das Direktmandat im Wahlkreis. Auf der rechten Seite des Stimmzettels können sie die sogenannte Zweitstimme für die Landesliste einer Partei vergeben.
Die Frist für die Einreichung von Wahlvorschlägen läuft am Montag, 27. März 2017, 18.00 Uhr, ab. Bis dahin müssen Kreiswahlvorschläge bei den zuständigen Kreiswahlleitungen und Wahlvorschläge für Landeslisten beim Landeswahlleiter eingereicht sein. „Die Wahlvorschläge sollten so früh wie möglich eingereicht werden, um Mängel rechtzeitig zu erkennen und korrigieren zu können“, betonte Schellen.

Parteien, die weder im NRW-Landtag noch im Deutschen Bundestag vertreten sind, brauchen für ihre Landeslisten 1.000 Unterstützungsunterschriften von Wahlberechtigten aus NRW. Für Kreiswahlvorschläge brauchen solche Parteien 100 Unterstützungsunterschriften von Wahlberechtigten, die im Wahlkreis wohnen. Dasselbe gilt für die Kreiswahlvorschläge von Wählergruppen, Einzelbewerberinnen und Einzelbewerber.

Der Landtag wird für fünf Jahre gewählt. 128 der mindestens 181 Abgeordneten werden direkt in den Wahlkreisen gewählt. Die übrigen – mindestens 53 – Mandate werden aus den Landeslisten der an der Sitzverteilung teilnehmenden Parteien besetzt. Erringt eine Partei mehr Direktmandate als ihr nach ihrem Zweitstimmenanteil zustehen, erhält sie Überhangmandate. Sie werden ebenfalls aus den Landeslisten besetzt. Bei der letzten Landtagswahl 2012 hat es 23 Überhang- und 33 Ausgleichsmandate gegeben. So zogen insgesamt 237 Abgeordnete in das Parlament ein. Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen

Landtagswahl-Umfrage Nordrhein-Westfalen: SPD mit 40 Prozent 13 Punkte vor der CDU – Rot-Grün verliert Mehrheit an Rot-Gelb

Wenn schon jetzt, und nicht erst am 14. Mai, der Landtag in Nordrhein-Westfalen gewählt würde, könnte die SPD mit 40 Prozent rechnen und läge damit 13 Prozentpunkte vor der CDU, die auf 26 Prozent käme. Drittstärkste Kraft wäre die FDP mit 11 Prozent. Die Grünen dagegen hätten mit 6 Prozent ihr Wahlergebnis von 2012 (11,3 Prozent) fast halbiert.

Damit wäre die Fortsetzung der rot-grünen Koalition zurzeit nicht möglich. Eine regierungsfähige Mehrheit hätte nun allerdings ein sozialliberales Bündnis aus SPD und FDP. Die Linke wäre mit 5 Prozent im Düsseldorfer Landtag vertreten, in den mit 7 Prozent erstmals auch die AfD einziehen würde.

Für das Magazin stern, den Fernsehsender RTL und die Tageszeitung Kölner Stadt-Anzeiger befragte das Forsa-Institut vom 9. bis 20. Januar und vom 20. Februar bis 10. März jeweils über 1000 Wahlberechtigte an Rhein und Ruhr. Danach verbesserte sich die SPD seit der Nominierung ihres Kanzlerkandidaten Martin Schulz um fünf Prozentpunkte, weil sie frühere Wähler aus dem Nichtwähler-Lager zurückgewinnt und auch von Verlusten der CDU (minus 3) und anderen Parteien in diesem Zeitraum profitiert.

Könnten die Bürger in Nordrhein-Westfalen ihren Ministerpräsidenten direkt wählen, würden sich momentan 55 Prozent für SPD-Regierungschefin Hannelore Kraft und 23 Prozent für CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet entscheiden. Selbst von den CDU-Anhängern würden mehr für Kraft (45 Prozent) als für Laschet (39 Prozent) stimmen. Allerdings ist die Popularität der SPD-Ministerpräsidentin nicht mehr so ausgeprägt wie noch im Herbst 2015, als sie von 63 Prozent direkt gewählt worden wäre.

„Ihre abnehmende Beliebtheit“, sagt Forsa-Chef Manfred Güllner, „wird aber durch den Schulz-Effekt kompensiert, den wir mit unseren beiden Erhebungen auch in Nordrhein-Westfalen registriert haben.“ Dieser Effekt wirkt sich ebenso auf die Bundestagswahlabsichten aus. Würde neben dem NRW-Landtag nun auch der Bundestag gewählt, käme im bevölkerungsreichsten Bundesland die SPD aktuell auf 35 Prozent (plus 8 seit Januar), die CDU auf 33 (minus 4). Die Grünen landeten bei 6 Prozent (minus 3), die FDP bei 9 (plus 2), die Linke bei 5 (minus 2) und die AfD bei 7 (minus 1).

Datenbasis: Das Forsa-Institut befragte vom 9. bis 20. Januar und vom 20. Februar bis 10. März 2017 im Auftrag des Magazins stern, des Fernsehsenders RTL und der Tageszeitung Kölner Stadt-Anzeiger 1072 bzw. 1040 repräsentativ ausgesuchte Wahlberechtigte in NRW, die durch eine computergesteuerte Zufallsstichprobe ermittelt wurden. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 3 Prozentpunkten. Quellen stern, RTL und Kölner Stadt-Anzeiger. Sabine Grüngreiff – Gruner + Jahr Unternehmenskommunikation

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