Landtagswahl in Schleswig-Holstein: Amtsbonus verspielt

Schleswig-Holstein-Wahl und den CDU-Wahlsieger Daniel Günther

Natürlich werden sie in der SPD nun sagen, bundespolitische Themen hätten im Küsten-Wahlkampf keine Rolle gespielt, und damit dürften sie tatsächlich so falsch nicht liegen. Aber dass Martin Schulz, der blendende Heilsbringer aus Würselen, in Kiel so gar nicht für Rückenwind sorgen konnte und dass im NRW-Wahlkampf sich mittlerweile über Zweidrittel der Wähler fragen, was Schulz in den letzten Wochen eigentlich gemacht habe – das treibt dann doch eine tiefe Sorgenfalte auf die rote Stirn. Stuttgarter Nachrichten

Landtagswahl in Schleswig-Holstein: Amtsbonus verspielt

Auch wenn nach der Wahl in Schleswig-Holstein zunächst nicht klar ist, wer in welcher Konstellation demnächst das Bundesland im Norden regieren wird – die Wähler haben für klare Verhältnisse gesorgt. Jedenfalls im Bund. Die SPD droht wieder zur U-30-Partei (unter 30 Prozent) zu schrumpfen, der Schulz-Effekt verpufft. Für Hannelore Kraft und die SPD in NRW ist das keine gute Nachricht. Der Trend läuft klar gegen die Sozialdemokraten, nicht nur in den Umfragen. Und ihrem Koalitionspartner in Düsseldorf, den Grünen, fehlt das Zugpferd, das die Parteifreunde im Norden im beliebten Minister Robert Habeck haben. Vieles läuft deshalb an Rhein und Ruhr derzeit auf eine große Koalition hinaus – wenn die Wähler nicht doch noch für eine Überraschung sorgen sollten.

Für die Sozialdemokraten und für Martin Schulz könnte das noch ein bitterer Wahlkampf werden: einer ohne realistische Option auf die Kanzlerschaft. In der Entscheidung zwischen einer sozialdemokratischen Konservativen (Merkel) oder einem konservativen Sozialdemokraten (Schulz) tendieren die Wähler nach kurzer Irritation offenbar wieder zur Amtsinhaberin. Und dem Herausforderer fehlen derzeit offensichtlich die Ideen, daran etwas zu ändern. Lorenz Redicker – Westfalenpost

Mit weniger Vorschuss hat wohl selten eine Volkspartei ihren Spitzenkandidaten in eine Landtagswahl geschickt. Noch auf dem CDU-Bundesparteitag im Dezember in Essen urteilten erfahrene Delegierte ungerührt: Das Saarland ist ein Heimspiel, aber Schleswig-Holstein ist für uns schon gelaufen – mit einem jungen Nobody können wir Rot-Grün dort gewiss nicht stürzen. Der Jackpot ist ohnehin die Wahl in NRW, da kommt es dann wieder drauf an. Nun aber hat der Nobody im meerumschlungenen Bundesland einen zackigen Durchmarsch hingelegt. Den Namen Daniel Günther wird man sich also doch merken müssen, zumal der Mann erst 43 Jahre alt ist – und die CDU nicht gerade mit einem Überangebot an jüngeren Siegertypen aufwarten kann. Joerg Helge Wagner – Weser-Kurier

Mit Spannung haben am Abend die Landespolitiker in Nordrhein-Westfalen ihren Blick gen Norden gerichtet. Genau eine Woche vor dem Urnengang an Weser und Rhein hatten die Wähler in Schleswig-Holstein das Wort – und haben ein überraschendes Ausrufezeichen gesetzt. Selbst die Wahlgewinner aus der CDU zeigen sich über die Deutlichkeit ihres Sieges erstaunt. Innerhalb weniger Wochen hat das Team um Spitzenkandidat Daniel Günther die Stimmung im Land gedreht und Ministerpräsident Torsten Albig deutlich distanziert. Konnte der Amtsinhaber noch bis Ende April ähnliche Erfolgswerte wie der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz aufweisen, dürfte nicht zuletzt auch eine umstrittene Berichterstattung über sein Privatleben die Zustimmungswerte negativ beeinflusst haben. Albig, nicht gerade als großer Kommunikator bekannt, hat seinen Amtsbonus leichtfertig verspielt und die sogenannte Küstenkoalition in die Niederlage geführt.

CDU-Mann Günther ist noch nicht lange im Rennen. Spät von seiner Partei in die Führung geschoben hat er sich mit der Übernahme des Fraktionsvorsitzes im Oktober 2014 sofort als Oppositionsführer profiliert. Forsch attackierte er die Landesregierung, auch wenn ihm einige Vorstöße Populismus-Vorwürfe einbrachten – aber wohl auch manche Wählerstimme. Auf der Gewinnerseite an der Kieler Förde stehen auch die Grünen und die FDP. Monika Heinold und Robert Habeck haben bewiesen, dass der Abwärtstrend der Umweltpartei zu stoppen ist. Die beiden Schlüsselfiguren werden den Kurs ihrer Partei zukünftig maßgeblicher mitbestimmen und der Bundesspitze um Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt auf die Füße treten. NRW-Spitzenkandidaten Sylvia Löhrmann ist gut beraten, sich an der klaren Kante des Nord-Duos ein Beispiel zu nehmen.

Die Liberalen in Schleswig-Holstein segeln einmal mehr im Fahrtwind von Wolfgang Kubicki durchs Ziel. Der Bundes-Vize gilt seit Jahren als Querdenker – aber auch als Mann des klaren Wortes. Den Liberalen gibt er den erwarteten Schub für NRW. Fazit: Der Wahlkampf in NRW wird auf der Zielgeraden noch intensiver, noch härter geführt werden. Amtsinhaberin Hannelore Kraft kann im Gegensatz zu Albig ihre Stärke als sich kümmernde Landesmutter herausstellen. Das ist eine andere Ausgangslage für die Sozialdemokraten. Jörg Rinne – Neue Westfälische

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