Lufthansa: Eine Woche lang Streiks

Ferienflieger schüttelt ungläubig den Kopf

Im Grunde haben all diese Konflikte einen gemeinsamen Nenner: Lufthansa-Chef Carsten Spohr will die Kosten bei Deutschlands größter Fluggesellschaft deutlich senken.

Lufthansa: Eine Woche lang Streiks

In Europa nehmen die Billigflieger mit Ryanair und Easyjet dem Konzern Passagiere weg. Auf der Langstrecke sind es die arabischen Staatsflieger wie Emirates und Etihad. Sie alle fliegen billiger als der Kranich. Darauf muss die Lufthansa reagieren, um nicht selbst abzustürzen. Dass die Gewerkschaften einmal erzielte Standards nicht freiwillig räumen, liegt in der Natur der Sache. Lufthansa-Chef Spohr gelingt es in den nun schon monatelang andauernden Tarifgesprächen aber offenbar nicht, die Arbeitnehmer für seine Strategie zu gewinnen. Mitteldeutsche Zeitung

Der Vielflieger staunt und der Ferienflieger schüttelt ungläubig den Kopf

Die Vollzeitkräfte unter den Flugbegleitern der Deutschen Lufthansa fliegen pro Monat durchschnittlich nur zwischen 75 und 82 Stunden. Und dafür werden sie mit einem Gehalt zwischen rund 1800 und 4000 Euro brutto inklusive Zulagen entlohnt, haben zudem mindestens zehn freie Tage pro Monat und die beste Altersversorgung der Branche. Es gibt bestimmt schlechtere Konditionen. Und es gibt sicher auch weniger attraktive Arbeitsplätze und -bedingungen – ohne die Verteilung von Zeitungen, die Ausgabe von Bordkost und den Getränkeservice über den Wolken klein reden zu wollen.

Warum also der Streik? Weil die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo) gerne Extrawürste in der Galley brät. Sie möchte nämlich die Lufthansa-Altersversorgung auch jenen Kabinenmitarbeitern angedeihen lassen, die nach der Kündigung der Tarifverträge zum 31. Dezember 2013 eingestellt wurden. Das aber will sich die Lufthansa nicht leisten – und kann es wohl auch nicht. Denn Flugbegleiter, die von ihrem 28. bis mindestens zum 58. Lebensjahr fliegen, erhalten zusätzlich zur gesetzlichen Rente ein beachtliches betriebliches Altersruhegeld bzw. eine Übergangsversorgung. Wer gar bis zum 65. Lebensjahr arbeitet, kommt mit LH-Anteil in Höhe von derzeit 2390 Euro auf 98 Prozent seines letzten Grundgehalts. Das wird für eine Airline, die wirtschaftlich erfolgreich sein will und muss, schon allein aufgrund der demographischen Entwicklung irgendwann unbezahlbar – was eigentlich auch fliegende Gewerkschafter auf dem Radar haben sollten. Aber Ufo schwebt offenbar längst in anderen Sphären – und ist genau so abgehoben, wie es ihre Forderungen sind. Wolfgang Ziegler Mittelbayerische Zeitung

Damit macht sich die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo keine Freunde

Ihre Taktik, immer erst einen Tag vorher bekanntzugeben, welche Flüge sie bestreikt, ist ein Tritt vor das Schienbein der Lufthansa-Passagiere. Sie werden bis zuletzt im Ungewissen gelassen, inwieweit ihr Flug betroffen ist oder nicht. So dürfte das Verständnis vieler Bürger für den Streik um die künftige Ausgestaltung der Betriebsrenten der Flugbegleiter eher gering ausfallen. Ohnehin verfestigt sich der Eindruck, dass bei der Lufthansa einiges aus dem Ruder läuft. Seit 2012 ist kein Jahr vergangen, in dem nicht entweder Bodenpersonal, Piloten oder Stewardessen die Arbeit zeitweise niederlegten.

Mal ist es die Gewerkschaft Verdi, die zum Ar-beitskampf aufruft, mal die Gewerkschaften Cockpit oder Ufo. In jedem dieser Fälle müssen die Flugzeuge am Boden bleiben, verärgerte Passagiere umplanen. Es dürfte nicht lange dauern, bis als nächstes wieder Piloten streiken – auch sie kämpfen um ihre ohnehin bereits lukrative Altersversorgung. Wieviele Jahre soll das so weitergehen? Es wird Zeit, dass sich Konzern und Gewerkschaften an einen Tisch setzen und zu einer gemeinsamen Lösung kommen – am besten bevor die Lufthansa im harten Wettbewerb das Vertrauen ihrer Kunden gänzlich verspielt hat. Westfalen-Blatt

Großteil der rund 3.000 Flüge findet trotz Streiks in Frankfurt, München und Düsseldorf statt

Insgesamt können morgen trotz des Streiks der Kabinengewerkschaft 70 Prozent aller Flüge der Lufthansa Group durchgeführt werden. Von insgesamt 3.000 geplanten Verbindungen werden 929 Flüge von und nach Frankfurt, München und Düsseldorf gestrichen. Von den Flugstreichungen sind rund 113.000 Passagiere betroffen. Das Unternehmen setzt alles daran, die Auswirkungen des Streiks für ihre Fluggäste so gering wie möglich zu halten.

Lufthansa hat heute erneut bekräftigt, dass sie für die Wiederaufnahme von Gesprächen zur Verfügung steht. Zuletzt hatte Lufthansa die Gewerkschaft am 5. November zu einem Gespräch eingeladen und ihr dort ein modifiziertes Angebot vorgelegt. In diesem Angebot war Lufthansa für ihre Mitarbeiter auf alle Forderungen der Gewerkschaft zur Versorgung eingegangen.

In ihrem modifizierten Angebot vom 5. November hatte Lufthansa angeboten, Kabinenmitarbeitern die Abzüge, die der Gesetzgeber in der gesetzlichen Rentenversicherung vorgesehen hat, auszugleichen, falls ein Mitarbeiter vor Erreichen des gesetzlichen Regelrenteneintritts aus dem Arbeitsleben ausscheidet. Das ist ein Versorgungsangebot, das es bei keinem anderen Unternehmen gibt. Auch bezüglich der für die Dotierung der Altersversorgung zugrunde gelegten Renditeprämisse war Lufthansa der Gewerkschaft in einem alternativen Angebot entgegengekommen.

Das derzeitige Versorgungssystem bei Lufthansa sieht vor, dass Kabinenmitarbeiter ab dem Alter von 55 Jahren freiwillig aus dem Flugdienst ausscheiden können. Sie erhalten dann bis zu 60 Prozent ihrer letzten Vergütung als sogenannte Übergangsversorgung. Lufthansa hatte der UFO angeboten, dass diese Übergangsversorgung – anders als heute – unverfallbar gestaltet werden sollte. Mitarbeiter könnten dann Teile der nicht in Anspruch genommenen Übergangsversorgung zur Steigerung ihrer im Dax-Vergleich ohnehin schon stark überdurchschnittlichen Altersversorgung nutzen. Dies hätte in einer beispielhaften Karriere dazu geführt, dass ein Purser, der bis zum 65. Lebensjahr fliegt, seine betriebliche Altersversorgung von heute 960 Euro auf zukünftig 3.210 Euro pro Monat hätte steigern können. Zusammen mit der gesetzlichen Rentenversicherung käme ein Purser so auf 96 Prozent seines Grundgehalts beziehungsweise rund 4800 Euro. Alternativ hätte er sich die nicht in Anspruch genommene Übergangsversorgung in Form einer Einmalzahlung in Höhe von bis zu 380.000 Euro auszahlen lassen können.

Basis für die Alters- und Übergansversorgung sind die im Branchenvergleich deutlich überdurchschnittlichen Vergütungen bei Lufthansa. So liegt die Vergütung eines Flugbegleiters auf Vollzeitbasis beim Berufseinstieg inklusive variabler Vergütungsbestandteile bei durchschnittlich 2.200 Euro.

In den ersten Jahren steigt das Gehalt deutlich. Die Grundvergütung eines Flugbegleiters erhöht sich dabei automatisch. Flugbegleiter mit einem Einstellungsdatum nach dem 1. Januar 2013 erhalten in den ersten zehn Jahren eine automatische Gehaltssteigerung von durchschnittlich 3,2 Prozent pro Jahr. Flugbegleiter, die vor dem 1. Januar 2013 eingestellt wurden, kommen in diesem Zeitraum sogar auf durchschnittlich 4,8 Prozent mehr Gehalt pro Jahr. Mögliche Erhöhungen der Vergütungstabellen, die Lufthansa in der aktuellen Tarifrunde ebenfalls angeboten hatte, kommen noch hinzu.

Ein Purser kann so auf eine Vergütung von mehr als 80.000 Euro kommen. Das Durchschnittsgehalt aller Flugbegleiter bei Lufthansa liegt auf Vollzeitbasis bei 50.000 Euro. Zusammen mit der Versorgung sind die Bruttopersonalkosten bei Lufthansa fast doppelt so hoch wie bei allen anderen Wettbewerbern in Deutschland.

Vollzeitflugbegleiter fliegen bei Lufthansa maximal 87 Stunden im Monat. Wer mehr als 70 Stunden pro Monat fliegt, bekommt für jede zusätzliche Stunde eine sogenannte Mehrflugstundenvergütung. Die Ausbildungsdauer für einen Flugbegleiter bei Lufthansa beträgt knapp drei Monate. Deutsche Lufthansa AG

Lufthansa-Streiks: Eine Woche lang und mit wenig Vorwarnung

https://youtu.be/nVXiArxciIk

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