Merkel gratuliert Nordrhein-Westfalen zum 70-jährigen Bestehen

NRW wird 70 - aber es hätte auch ganz anders kommen können

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Entwicklung Nordrhein-Westfalens zu einem starken, kräftigen Bundesland gewürdigt. Sie freue sich auf den Festakt zum 70. Jahrestag seiner Gründung, sagt sie in ihrem neuen Video-Podcast. NRW feiert das Jubiläum am kommenden Dienstag (23.8.) in Düsseldorf.

Merkel gratuliert Nordrhein-Westfalen zum 70-jährigen Bestehen

Seine königliche Hoheit, Prinz William, Herzog von Cambridge, gibt sich heute in Düsseldorf die Ehre. Der 34-Jährige erinnert an das, was die britische Militärregierung 36 Jahre vor seiner Geburt aus der Taufe gehoben hat: das Land Nordrhein-Westfalen. Mit der Verordnung Nr. 46 hat sie die Provinzen Rheinland und Westfalen verheiratet und Düsseldorf zur Landeshauptstadt gemacht. Die Operation Marriage (Unternehmen Hochzeit) liegt sieben Jahrzehnte zurück. Die Menschen damals haben die Geburtsstunde kaum mitbekommen. Es hat sie nicht interessiert. Sie litten unter Hunger, hatten genug mit sich zu tun.

Den Briten ging es mit dem Bindestrich-Land darum, im Kalten Krieg eine kommunistische Unterwanderung des Ruhrgebietes zu verhindern. Folglich nahmen sie die ländlichen Regionen wie Eifel, Sauerland, Ostwestfalen und den Niederrhein mit dazu. Ein Kunstgebilde, das es bis heute geblieben ist. Ein NRW-Bewusstsein gibt es nicht. Niemand zwischen Rhein und Weser wird eine Hymne auf die Einheit seines Bundeslandes singen. Wir sind Sauerländer, Siegerländer oder Wittis, um vor der Haustür zu bleiben. Wir in NRW, der Slogan, mit dem die SPD das Land unter Johannes Rau Stimmen fangen und vereinen wollte, ist längst Geschichte.

Auf Geburtstagsfeiern wird mit dem Blick zurück gerne gelogen. Schauen wir in die Gegenwart: Unter Rot-Grün hat das Land keinen Schub nach vorne bekommen. Ob Arbeitslosenquote, Pro-Kopf-Verschuldung, Jugendliche ohne Ausbildungsplatz, Ausgaben für Grundschulen, Straftaten oder Staukilometer: NRW bewegt sich im Vergleich mit den anderen Bundesländern auffällig oft im unteren Drittel. Royaler Glanz hilft der Kulisse in Düsseldorf. Mehr nicht. Westfalenpost

Sicherlich hätten viele Menschen NRW am Anfang als Kunstgebilde empfunden, so Merkel. Doch jetzt fahre sie in ein Bundesland, „das eine große Einheit darstellt – natürlich mit Vielfalt“: „Nach anfänglichen Schwierigkeiten des Zusammenwachsens ist das heute ein starkes, kräftiges Bundesland mit ganz unterschiedlichen Regionen, aber einer gemeinsamen Identität.“

Die Bundeskanzlerin bezeichnet Nordrhein-Westfalen als „ein Bundesland, das vielleicht mehr als alle anderen versteht, was Strukturwandel bedeutet“. Dieser Strukturwandel sei noch nicht abgeschlossen, aber NRW stelle sich ihm „mit aller Energie“. Auch mit Hilfe des Bundes sei es gelungen, „eine wissensbasierte Landschaft aufzubauen“. Sie habe sehr viel mit Forschung, Innovation und Dienstleistung zu tun. Aber dieser Prozess müsse fortgesetzt werden, betont Merkel.

Die Bundeskanzlerin geht in ihrem Podcast auch auf die Integrationsleistung Nordrhein-Westfalens ein. Das Land sei es gewohnt, Menschen zu integrieren – „auch da hat es Großartiges geleistet“. Das, so Merkel, habe eine Tradition, die sehr viel länger sei als die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Die Bundeskanzlerin erinnert an die Zuwanderer aus Polen und den östlichen Teilen Preußens in der „großen Zeit der Kohle und des Stahls“, aber auch an die sogenannten Gastarbeiter. Zudem sei die Integration einer Million Vertriebener nach dem Zweiten Weltkrieg eine großartige Leistung gewesen. Nordrhein-Westfalen, sagt Merkel, sei ein Land, „das sich immer offen für die Fähigkeiten, für die Fertigkeiten von Menschen aus anderen Bereichen gezeigt hat und diese Menschen immer als Bereicherung verstanden hat.“ Damit sei NRW auch ein Beispiel für viele andere Regionen in der Bundesrepublik Deutschland. Deutsche Bundesregierung

NRW wird 70 – aber es hätte auch ganz anders kommen können

Deutschland 1945: Das Land liegt in Trümmern – die Besatzer befassen sich mit der Neuordnung Westdeutschlands. Im Fokus: das Rheinland, Westfalen, das Ruhrgebiet – hier stoßen unterschiedliche Interessen aufeinander. Briten, Franzosen, Sowjets – sie alle hatten eigene Vorstellungen, wie es an Rhein und Ruhr weitergehen sollte. Schließlich entwickelten die Briten einen geheimen Plan: Die „Operation Marriage“ sorgte dafür, dass das „Bindestrichland“ Nordrhein-Westfalen entstand.

Wie erfindet man ein Bundesland, und welche Ziele hatten die Besatzer dabei?

Die Briten waren die neuen Herren über die Region, die wir heute selbstverständlich NRW nennen – und zunächst einmal hoch erfreut: Das Ruhrgebiet, das industrielle Herz Deutschlands, lag mitten drin. Doch sie fanden eine Trümmerwüste mit hungernden Menschen vor – und statt wie erhofft daraus Reparationen für die erlittenen Kriegsschäden holen zu können, mussten sie reinbuttern. Doch sie verstehen es, die „Operation Hochzeit“ zur Erfolgsgeschichte zu machen. Es hätte aber auch ganz anders kommen können… WDR Presse und Information

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