NRW-Innenminister befürchtet nach Anschlag, dass Belgien „entgleitet“

"Erschreckend, dass belgische Behörden offenbar nichts mitbekommen haben"

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat nach den Anschlägen von Brüssel vor einer weiteren Radikalisierung der islamistischen Szene gewarnt. „Erschreckend ist, dass die belgischen Behörden von den Vorbereitungen offenbar nichts mitbekommen haben“, sagte der Minister dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

NRW-Innenminister befürchtet nach Anschlag, dass Belgien „entgleitet“

Es sei zu befürchten, dass die Szene in Belgien „entgleitet“. In Nordrhein-Westfalen wie auch anderswo im Bundesgebiet gebe es schon seit längerem ein konkretes Anschlagsrisiko. Deshalb seien die Sicherheitsvorkehrungen auf einem hohen Niveau. „Auch der Verfassungsschutz konzentriert sich auf den Islamismus und Salafismus, der Apparat der Sicherheitsbehörden ist bereits hochgefahren und sensibilisiert“, so Jäger zum „Kölner Stadt-Anzeiger“. Wenn es Ansatzpunkte für Verbindungen nach NRW gebe, müsse die Bundespolizei ihre Grenzkontrollen nach Belgien verschärfen. „Dann muss der Fahndungsapparat hochfahren und die Grenze genauestens kontrolliert werden“, so Jäger.

Kölner Polizei soll Fahndung bei Terrorverbindung nach NRW koordinieren

Falls es nach den Anschlägen in Brüssel Hinweise auf Verbindungen nach Nordrhein-Westfalen gibt, soll das Polizeipräsidium Köln nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Mittwoch-Ausgabe) die aktuelle Fahndung koordinieren. Dies gilt auch für den Fall, dass Unterstützer der Brüsseler Zelle über die Grenze nach Deutschland fliehen. Kölner Stadt-Anzeiger

Grünen-Politiker Giegold: „Angriff auf Europas politisches Zentrum“

Die Brüsseler Terroranschläge sind nach Auffassung des Europa-Abgeordneten Sven Giegold (Grüne) ein Angriff von Islamisten auf das politische Zentrum Europas und die europäischen Demokratien. „Die Anschläge von Paris galten dem kulturellen Zentrum Europas. Diese hier in Brüssel gelten jetzt dem politischen Zentrum Europas“, sagte Giegold der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. „Damit wollen sie unsere Freiheit und Demokratie angreifen. Das lassen wir nicht zu“, sagte der Grünen-Politiker. „Wir in Europa lassen uns nicht kleinkriegen. Dass sie sich ausgerechnet die Karwoche ausgesucht haben, die Trauerwoche des Christentums, ist schrecklich“, sagte Giegold. Rheinische Post

Terroranschläge in Brüssel

„Terroristische Taten dienen als Symbole. Das gehört zu ihrem Kern. Die Täter und ihre Hintermänner senden jenseits des unmittelbaren Schreckens Botschaften, die jeder sofort verstehen soll. Opferzahlen sagen nichts über diese Botschaften, obwohl sie schnell die Nachrichten beherrschen. Bei den Anschlägen vom 11. September 2001 fanden knapp 3000 Menschen den Tod. Jetzt in Brüssel sind es keine drei Dutzend. Was jedoch bedeuten die Zahlen? Wie lassen sie sich dechiffrieren, um das Leid zu begreifen? Aber die zu Staub und Schutt zusammenfallenden Zwillingstürme des World Trade Center von New York sind das eine Bild, das sich sofort erschließt – das Weltfinanzsystem sichtbar erschüttert.

Ebenso einfach erklärt sich die Botschaft der Attentäter von Brüssel: Es war ein Anschlag auf Europa. Gemeint sind die über Jahrhunderte gewachsene Kultur, die Wertegemeinschaft der Aufklärung, die politisch und wirtschaftlich bedeutende Macht, die Europa darstellt. Wie aber sieht eine Antwort in dieser europäischen Tradition aus? Wie wehrhaft kann und muss die Demokratie sein? Was hat Europa dem islamistischen Mörderpack entgegenzusetzen, das eine Weltreligion für seinen Allmachtswahn verschleißt? Zur Logik der Terroristen gehört auch, den Gegenschlag mitzudenken, ihn gar zu provozieren.

Es käme den Islamisten gerade recht, wenn die Anti-Daesch-Allianz ihre Luftangriffe ausweitete, sich gar in einen Bodenkrieg verwickeln ließe. Es würde ihnen helfen, die Massen zu radikalisieren. In Afghanistan wurden die Taliban von der Macht vertrieben, seitdem agieren sie von Pakistan aus. Ihrer menschenverachtenden und vorzivilisatorischen Sache hat das nicht geschadet. Es ist immer noch nichts gut in Afghanistan. Aber inzwischen führt der Westen mit den Taliban Friedensgespräche. Es ist ein Krieg, der nicht gewonnen werden konnte. Wird es in Syrien und im Irak einmal ähnlich sein?

Ist der Daesch zu besiegen, oder werden seine Vertreter irgendwann zu Friedensgespräche eingeladen? Die Anschläge von Paris und Brüssel stellen Europa vor elementare Fragen. In der Schulden- und in der Flüchtlingskrise hat es zuletzt an gemeinschaftlichem Denken gefehlt. Aber die schöne Alte Welt muss jetzt zusammenstehen, wenn sie Bestand haben will.“ Weser-Kurier

Nach den Anschlägen: Leere Straßen in Belgiens Hauptstadt

https://youtu.be/9-a0o9eu4Is

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