Piloten-Streik bei Lufthansa wegen Übergangsversorgung

Vereinigung Cockpit legt Flugbetrieb lahm

Verständlich ist die Unnachgiebigkeit beider Seiten durchaus. Lufthansa-Chef Carsten Spohr treibt den Umbau des Konzerns voran, um Kosten zu sparen und so das Überleben der Fluggesellschaft zu sichern. Dabei ist der Vorstandschef nicht gewillt, seine Pläne zum Gegenstand von Tarifverhandlungen zu machen. Begreiflich ist aber auch der Widerstand der Gewerkschaften Cockpit und Ufo, weil sie einen Ausverkauf der Mitbestimmungsrechte und ein Absinken auf das Niveau der Billigkonkurrenz fürchten. Einziger Ausweg aus dieser Lage ist, dass beide Seiten sich zunächst einmal bereitfinden, ohne Vorbedingungen miteinander zu sprechen berichtet die Mitteldeutsche Zeitung.

Piloten-Streik bei Lufthansa wegen Übergangsversorgung

Zumindest eines ist damit jetzt klar. Es geht der Vereinigung Cockpit nicht mehr um die Höhe der Tarifgehälter oder um die Absicherung im Alter, die bisher als Streitpunkte für die Arbeitsniederlegungen – immerhin schon zwölf in etwas mehr als einem Jahr – herhalten mussten. Die Gewerkschaften wollen bei der Konzernstrategie mitbestimmen. Natürlich lässt sich darüber diskutieren, ob Carsten Spohrs Weg der Zweiteilung richtig und erfolgversprechend ist. Diese Diskussion kann und darf aber nicht auf dem Rücken der Passagiere geführt werden. Es ist schädlich für den gesamten Konzern mit mehr als 100 000 Mitarbeitern, wenn die Lufthansa ihren Ruf als zuverlässige Fluggesellschaft verliert, weil niemand mehr sicher sein kann, dass sein gebuchter Flug auch stattfinden wird. www.stuttgarter-zeitung.de Stuttgarter Zeitung

Vereinigung Cockpit legt Flugbetrieb lahm

Betroffen sind bei der Lufthansa alle Abflüge aus Deutschland mit den Flugzeugmustern A380, A330/340 und B747 – das heißt alle Langstreckenverbindungen aus Deutschland heraus, die in diese Zeit fallen. Zusätzlich werden alle Abflüge der Lufthansa Cargo aus Deutschland bestreikt.

Die Vereinigung Cockpit (VC) wird ihre Mitglieder bei Lufthansa und Lufthansa Cargo am Dienstag, den 08.09.2015 in der Zeit von 08:00 Uhr bis 23:59 Uhr zu einem Arbeitskampf aufrufen. Betroffen sind bei der Lufthansa alle Abflüge aus Deutschland mit den Flugzeugmustern A380, A330/340 und B747 – das heißt alle Langstreckenverbindungen aus Deutschland heraus, die in diese Zeit fallen. Zusätzlich werden alle Abflüge der Lufthansa Cargo aus Deutschland bestreikt.

Nachdem das Lufthansa Management schon im Juli nicht bereit war im Rahmen einer Gesamtschlichtung eine Lösung mit der VC zu finden, ging die VC Ende Juli erneut durch Vorlage eines Angebots deutlich auf das Management zu.

Im Zuge des vom Unternehmen im Frühjahr selbst geforderten „Bündnis für Wachstum und Beschäftigung“ bot die VC ein Gesamtpaket mit weitreichenden Zugeständnissen im Wert von über 500 Mio. Euro an. Durch dieses Paket wäre einerseits sichergestellt worden, dass der vom Management mit Hochdruck vorangetriebene, massive Stellenabbau für die Konzern-Piloten gestoppt worden wäre, andererseits verpflichtete sich die Vereinigung Cockpit zu der geforderten Wettbewerbsfähigkeit bei den Cockpit-Personalkosten. Dazu sollte ein gemeinsamer Vergleich der Bedingungen mit dem maßgeblichen Wettbewerber Easyjet durchgeführt werden, um eine sachliche Basis für eine Standortbestimmung der Kostenposition zu haben.

All dies entsprach den zuvor geäußerten Wünschen der Konzernführung!

Voraussetzung für die Verhandlungen dieses Paketes war, zumindest für den Verhandlungszeitraum, das Aussetzen der Ausflaggung von Flugzeugen und den damit einhergehenden Verlagerungen von deutschen Pilotenarbeitsplätzen im Inland und ins Ausland. Anstatt Zeit für konstruktive Verhandlungen zu schaffen, setzt das Lufthansa Management jedoch die Tarifflucht aggressiv fort und verweigert sich einer Gesamtlösung zu Lasten des Unternehmens, aller Mitarbeiter und der Kunden.

Zuletzt hatte die Lufthansa der VC am vergangenen Wochenende zwei Gesprächsangebote unterbreitet. Diese klangen nur auf den ersten Blick vielversprechend. Eine genauere Analyse zeigte jedoch, dass die Inhalte erneut substanzlos waren.

Die Verweigerungshaltung der Geschäftsleitung ist umso unverständlicher, als die weitreichenden Zugeständnisse des Cockpitpersonals in die Zeit eines prognostizierten Rekordergebnisses von mehr als 1,75 Milliarden Euro im laufenden Geschäftsjahr und des wirtschaftlich besten Sommers in der Unternehmensgeschichte fallen.

„Mit Vorlage des konstruktiven Angebotes der VC wird erneut klar, dass die Piloten sich nicht gegen die geforderten Anpassungen stellen. Für ein solches Bündnis muss es aber auch ein Bekenntnis zum eigenen Personal und dessen Recht auf tariflicher Mitbestimmung geben. Ausflaggung und Tarifflucht sind das Gegenteil davon“, sagt Markus Wahl, Sprecher der Vereinigung Cockpit. „Dass das Management trotz der immensen Einsparungen nicht bereit ist für die Zeit der Verhandlungen Tarifflucht und Ausflaggung auszusetzen, zeigt deutlich, dass es primär nicht darum geht marktgerechte Bedingungen zu erzielen, sondern um das Aufbrechen tarifvertraglicher Strukturen durch Zerstörung von Schutzmechanismen, welches zur Schwächung der Gewerkschaft führen soll“, so Wahl weiter.

„Lufthansa beherrscht als Fast-Monopolist den Arbeitsmarkt für Piloten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Um nicht einem Tarifdiktat unterworfen zu sein, sind entsprechend starke Gewerkschaften nötig. Nachdem die Vereinigung Cockpit weder im Rahmen einer Gesamtschlichtung, noch durch ein Wachstumsbündnis in der Lage war eine gesamthafte Befriedung der offenen Konfliktpunkte zu erreichen, lässt  das Lufthansa Management den Tarifkonflikt zur Übergangsversorgung auf den Stand von Anfang 2014 zurückfallen. Daher müssen die offenen Tarifverträge wieder einzeln verhandelt werden. Nach dem Scheitern der Verhandlungen zur Übergangsversorgung bleibt als ultima ratio nur noch ein Streik zum Abschluss eines neuen Tarifvertrages Übergangsversorgung“, resümiert Wahl.

Die Verhandlungen zur Übergangsversorgung waren zuletzt gescheitert und im März dieses Jahres fanden zuletzt Streiks statt, an die nun wieder angeknüpft wird.

Die Vereinigung Cockpit bedauert die Auswirkungen auf die betroffenen Passagiere und Mitarbeiter. Sie steht der Lufthansa jederzeit zu Gesprächen zur Verfügung, wenn das Management ernsthaften Willen zeigt und den Verhandlungen durch Aussetzen der Tarifflucht den nötigen Raum verschafft. Von Markus Wahl vcockpit.de

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