Riexinger: Das neue Lumpenproletariat

5,4 Millionen junge Europäer weder in Ausbildung noch in Beschäftigung

Der EU-weite Trend einer wachsenden Kluft zwischen Jung und Alt bei Armut und sozialer Ausgrenzung ist in Deutschland im Vergleich weniger ausgeprägt.

Riexinger: Das neue Lumpenproletariat

Kinder und Jugendliche sind die größten Verlierer der europäischen Wirtschafts- und Schuldenkrise: Rund 26 Millionen und damit fast ein Drittel aller Minderjährigen sind in der EU von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Auch die Kluft zwischen Nord- und Südeuropa ist dramatisch. Das sind die zentralen Ergebnisse des Social Justice Index 2015 der Bertelsmann-Stiftung. Deutschland belegt den siebten Platz.

Bernd Riexinger, der Vorsitzende der Partei DIE LINKE, erklärt: Die unter deutscher Federführung gnadenlos durchgesetzte Austeritätspolitik hat im Süden Europas eine Schneise der Verwüstung hinterlassen und eine ganze Generation abgehängt. Kürzungsdiktate und Bankenrettung haben das Vertrauen von Millionen Bürgerinnen und Bürgern in die Europäische Integration und die herrschende Politik zerstört. Ohne eine radikale Kehrtwende hin zu einer Politik der Umverteilung, einer EU-weiten Vermögensabgabe, und einem öffentlichen EU-Investitionsprogramm schafft sich die EU selber ab.

Die Bundesregierung spielt hier eine Schlüsselrolle, insbesondere die SPD muss aufhören, ihre Ideale ständig zu verraten indem sie Renten- und Sozialkürzungen unterstützt, Privatisierungen einfordert Konzerne verhätschelt. Sie schwimmt auf der Sahneschicht und trägt Mitverantwortung dafür, dass eine ganze Generation ohne Zukunftschancen und unter prekären Bedingungen heranwächst.

Deutschland ist Spitzenreiterin der sozialen Ungerechtigkeit, kaum anderswo in Europa ist die Verteilung des Privatvermögens derart krass. Aber die herrschende Politik erlaubt es sich, diesen ungeheuren Reichtum überhaupt nicht zu besteuern – was nicht nur gerecht, sondern auch ökonomisch sinnvoll wäre. Dass die Bundesrepublik in der Studie beim Social Justice Index dennoch auf Rang sieben ist, liegt an den guten Arbeitsmarktzahlen. Doch dahinter verbirgt sich die Prekarisierung der Gesellschaft: rund 40 Prozent aller abhängig Beschäftigten arbeiten in atypischen Beschäftigungsverhältnissen und immer mehr Menschen sind trotz Vollzeitjob von Armut bedroht.

Raubtierkapitalismus zerstört die Zukunft einer ganzen Generation

„Die europaweite Zerstörung von Sozialstaat und Arbeitnehmerrechten, die neoliberalen EU-Privatisierungsdiktate, kurz: der Umbau Europas nach dem Vorbild des angelsächsischen Raubtierkapitalismus zerstört die Zukunft einer ganzen Generation. Rund 26 Millionen Jugendliche sind in der EU von Armut und Ausgrenzung bedroht. Das ist die logische Folge einer von der Bundesregierung forcierten Politik, die Milliardensummen in die Finanzmärkte und Banken pumpt und die Kosten der Krise auf Beschäftigte, Arbeitslose und Rentner abwälzt“, kommentiert Sahra Wagenknecht die Ergebnisse des Social Justice Index 2015 der Bertelsmann-Stiftung.

Die Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE weiter: „Dabei liegt das Hauptproblem nicht in der wachsenden Kluft zwischen Alt und Jung, wie die Bertelsmann-Stiftung meint, sondern in der Kluft zwischen Arm und Reich, die in Deutschland besonders groß ist. Statt auf den riesigen Niedriglohnsektor auch noch stolz zu sein, sollte die Bundesregierung endlich gegen Lohn- und Steuerdumping vorgehen, eine flächendeckende Tarifbindung und eine armutsfeste Rente wiederherstellen und die wachsende Zahl von Millionären zur Finanzierung eines Zukunftsinvestitionsprogramms heranziehen.“ DIE LINKE im Bundestag

Wirtschafts- und Schuldenkrise der EU: Kinder und Jugendliche sind die großen Verlierer

Rund 26 Millionen Kinder und Jugendliche sind in der EU von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Auch die Kluft zwischen Jung und Alt nimmt zu und die soziale Spaltung zwischen Nord- und Südeuropa bleibt immens. Das sind die zentralen Ergebnisse unseres Social Justice Index 2015, in dem Deutschland Rang 7 belegt.

Kinder und Jugendliche sind die größten Verlierer der europäischen Wirtschafts- und Schuldenkrise. Rund 26 Millionen und damit 27,9 Prozent aller unter 18-Jährigen sind in der EU von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Geringe Zukunftsperspektiven haben auch die 5,4 Millionen jungen Menschen, die weder in Ausbildung noch in Beschäftigung sind. Eine Kluft bei der sozialen Gerechtigkeit verläuft in Europa insbesondere zwischen Nord und Süd sowie zwischen Jung und Alt. Dies sind die Ergebnisse des Social Justice Index, mit dem die Bertelsmann Stiftung jährlich untersucht, wie sich soziale Gerechtigkeit in den 28 EU-Staaten entwickelt. Deutschland belegt im aktuellen Index Rang 7.

5,4 Millionen junge Europäer weder in Ausbildung noch in Beschäftigung

Allein in Spanien, Griechenland, Italien und Portugal ist die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind, seit 2007 von 6,4 auf 7,6 Millionen gestiegen. Sie leben entweder in Haushalten mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens, leiden unter schweren materiellen Entbehrungen oder wachsen in quasi-erwerbslosen Haushalten auf.

Auch viele der 20- bis 24-jährigen EU-Bürger befinden sich in prekären Situationen: 5,4 Millionen von ihnen sind weder in Ausbildung noch in Beschäftigung. In 25 Mitgliedstaaten der EU hat sich ihre Zahl seit 2008 teils erheblich erhöht. Deutschland und Schweden bilden positive Ausnahmen. Die negativste Entwicklung verzeichneten die südeuropäischen Länder: In Spanien stieg der Anteil der betroffenen 20- bis 24-Jährigen von 16,6 auf 24,8 Prozent, in Italien sogar von 21,6 auf 32 Prozent.

Beim Thema „soziale Gerechtigkeit“ führen die skandinavischen Staaten den Social Justice Index 2015 an. Dagegen schneiden viele südeuropäische Staaten schlecht ab.

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Eine Meinung zu "Riexinger: Das neue Lumpenproletariat". Wie lautet Ihre?

  1. Ein Vorschlag,   Samstag, 7. November 2015, 23:56 um 23:56

    der den „Fachkräftemangel“ beheben könnte:

    Eine Anhebung der Ausbildungsvergütung in Berufen, in denen Fachkräftemangel herrscht,

    Eine Ausbildung, beispielsweise zum Fachinformatiker, ist keinem Hartzer möglich, denn wenn er sie beginnt, erhält er keine Leistungen mehr. Von der Vergütung alleine kann er schlicht nicht leben. 1200 € + Fahrgeld, dann ist die Stelle besetzt.

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