Studie: Christian Lindner dominiert den NRW-Wahlkampf im Social Web

ZDF-Politbarometer Extra Nordrhein-Westfalen Mai 2017

Kandidat/innen schöpfen Möglichkeiten der Social Media nur teilweise aus / SPD und Grünen drohen deutliche Verluste – Rot-Grün ohne Mehrheit / Schwache Leistungsbilanz von Regierung und Opposition. Eine aktuelle Studie untersucht, wie stark Parteien und Spitzenkandidat/innen im NRW-Wahlkampf auf soziale Medien setzen. Dabei fällt auf: Facebook und Twitter nutzen alle, die neueren Kanäle dagegen kommen nur vereinzelt zum Einsatz.

Studie: Christian Lindner dominiert den NRW-Wahlkampf im Social Web

Alle Parteien in Nordrhein-Westfalen sind bei Facebook, Twitter, Instagram und YouTube vertreten. Snapchat nutzen nur die Linke und die Piraten. Von den Spitzenkandidat/innen nutzt überhaupt niemand Snapchat und auch bei Instagram und YouTube sind nur wenige präsent. „Die Kandidat/innen verpassen damit die Chance, auch die jüngeren Wähler gezielt anzusprechen, für die Facebook oft nicht mehr im Mittelpunkt steht“ kritisiert der Kölner Social Media Experte Felix Beilharz, der die Analyse durchführte.

Auf Facebook, Twitter und Instagram führt FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner klar das Feld an. Er kann mehr als doppelt so viele Facebook-Fans um sich versammeln wie Hannelore Kraft. Auch bei Twitter liegt er weit vorn. Auf Instagram sticht seine Followerzahl noch stärker hervor: über 14.000 Fans folgen ihm, während Hannelore Kraft und Armin Laschet nicht einmal 1.000 Follower ansprechen. „Christian Lindner ist mit einer gesamten Abonnentenzahl über alle Kanäle von über 220.000 Bürgern die klare Nummer Eins. Er setzt am stärksten auf die sozialen Medien und erreicht die meisten Menschen online“ so Beilharz.

Bei den Parteien zeigt sich ein interessantes Bild: Die großen Volksparteien sind deutlich abgeschlagen, was die Fan- und Followerzahlen angeht. So dominieren auf Facebook die AfD, auf Twitter die Piraten, auf Instagram die Grünen und Linken und auf YouTube die FDP. CDU und SPD liegen allenfalls im Mittelfeld. „Den großen Parteien scheint es sehr viel schwerer zu fallen als den kleineren, Social Media Nutzer für sich zu begeistern. Das kann am schärferen Profil der kleinen Parteien liegen, aber auch an polarisierenderen Inhalten und einem besseren Verständnis für das Social Web“ erklärt Beilharz, der im März bereits eine Studie zum Social Media-Verhalten aller deutschen Spitzenpolitiker veröffentlicht hat.

Soziale Medien sind insgesamt zum wohl wichtigsten Wahlkampfwerkzeug geworden, wie nicht nur ein Blick in die USA zeigt. In NRW nutzen die Parteien und Kandidat/innen die Möglichkeiten nur teilweise aus, wie auch ein Blick in die geposteten Inhalte verdeutlicht. Felix Beilharz hat der Studie deshalb sieben Social Media Tipps für Politiker beigefügt. „Schlagfertigkeit und Schnelligkeit sind ebenso wichtig wie Authentizität und der Wille zur Interaktion mit den Nutzern. Politiker sollten sich nahbar und gern auch mal privat zeigen, dafür bietet das Social Web ideale Möglichkeiten“ rät der Social Media Experte. FelixBeilharz.de

ZDF-Politbarometer Extra Nordrhein-Westfalen Mai 2017

Gut eine Woche vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen liegen SPD und CDU gleichauf, die FDP kann drittstärkste Kraft werden, während die Grünen eher mit einem schwachen Ergebnis rechnen müssen. AfD und Linke haben die Chance, im nächsten Landtag vertreten zu sein.

Wenn schon am nächsten Sonntag gewählt würde, dann ergäben sich folgende Projektionswerte für die Parteien: Die SPD käme zurzeit auf 32 Prozent, die CDU ebenfalls auf 32 Prozent, die Grünen könnten mit 7,5 Prozent rechnen, die FDP würde 12 Prozent erreichen, die Linke 6 Prozent und die AfD 6 Prozent. Die anderen Parteien lägen zusammen bei 4,5 Prozent. Damit hätte die amtierende Koalition aus SPD und Grünen keine parlamentarische Mehrheit mehr. Reichen würde es für eine große Koalition aus SPD und CDU oder für eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP oder eine „Jamaika-Koalition“ aus CDU, Grünen und FDP, nicht aber für Rot-Rot-Grün.

Diese Projektionswerte geben lediglich das Stimmungsbild für die Parteien zum jetzigen Zeitpunkt wieder und stellen keine Prognose für den Wahlausgang dar. Grundsätzlich sind bei diesen Werten auch die statistischen Fehlerbereiche von Umfragen zu berücksichtigen, weshalb ein Scheitern von Linke und AfD an der Fünf-Prozent-Hürde nicht auszuschließen ist. Darüber hinaus kann es bis zum Wahlsonntag für die verschiedenen Parteien durch unterschiedliche Mobilisierungserfolge noch zu wahlentscheidenden Veränderungen kommen. Zudem wissen zurzeit 41 Prozent noch nicht sicher, wen oder ob sie wählen wollen.

Bei der letzten Landtagswahl 2012 war die SPD auf 39,1 Prozent gekommen, die CDU auf 26,3 Prozent, die Grünen auf 11,3 Prozent, die FDP auf 8,6 Prozent, die Piraten auf 7,8 Prozent, die Linke auf 2,5 Prozent und die anderen Parteien zusammen auf 4,4 Prozent.

Gewünschte/r Ministerpräsident/-in

Bei der Frage, wen man lieber als Ministerpräsidenten oder Ministerpräsidentin in Nordrhein-Westfalen hätte, liegt Amtsinhaberin Hannelore Kraft mit 51 Prozent (Februar: 55 Prozent) vor ihrem CDU-Herausforderer Armin Laschet. Er kommt nach 29 Prozent im Februar jetzt auf 33 Prozent (keinen von beiden: 5 Prozent; weiß nicht: 11 Prozent). Während Kraft von den SPD-Anhängern (90 Prozent), denen der Grünen (78 Prozent) und der Linken (70 Prozent) mehrheitlich gewünscht wird, sprechen sich Mehrheiten der CDU-Anhänger (69 Prozent) und der FDP-Anhänger (67 Prozent) für Laschet aus.

Bewertung der Spitzenkandidaten

Bei der Bewertung auf der +5/-5-Skala (sehr hohes bis sehr niedriges Ansehen) erhält Hannelore Kraft einen Durchschnittswert von 1,4, Armin Laschet wird mit 0,8 bewertet, Sylvia Löhrmann (Grüne) mit minus 0,5 und Christian Lindner (FDP) mit 1,2. Auffällig ist vor allem die eher mäßige Beurteilung von Laschet (2,0) und Löhrmann (1,2) bei ihren jeweils eigenen Anhängern. Kraft und Lindner werden hingegen von ihren Anhängern jeweils deutlich stärker wertgeschätzt (3,3 bzw. 3,0).

Zufriedenheit mit Regierung und Opposition

Die Zufriedenheit mit der Landesregierung insgesamt und auch mit den beiden Koalitionspartnern fällt bescheiden aus, aber auch die Arbeit der Oppositionsparteien wird eher kritisch bewertet. So kommt die Landesregierung insgesamt auf der +5/-5-Skala auf einen schwachen Durchschnittswert von 0,4, die SPD in der Regierung wird mit 0,8 eingestuft und die Grünen liegen mit minus 0,5 sogar im Negativbereich. Die Arbeit der CDU-Opposition im Landtag wird mit 0,6 benotet, die der FDP mit 0,0 und die Arbeit der Piraten mit minus 2,9.

Wichtigste Themen

Bei den aktuell wichtigsten Problemen in NRW wird das Thema Schule und Bildung am häufigsten (34 Prozent) genannt. Danach folgen die Themen Flüchtlinge und Asyl (24 Prozent), Verkehr (19 Prozent), Arbeitsplätze (15 Prozent) und Kriminalität (14 Prozent).

Nur SPD/CDU-Koalition findet mehrheitliche Unterstützung

Bei der Bewertung verschiedener Koalitionsmodelle findet nur eine große Koalition aus SPD und CDU mehr Zustimmung (45 Prozent) als Ablehnung (32 Prozent; Rest zu 100 Prozent hier und im Folgenden jeweils „egal“ oder „weiß nicht“). Alle anderen Koalitionen werden in unterschiedlicher Intensität abgelehnt: SPD/Grüne-Koalition (gut: 37 Prozent, schlecht: 45 Prozent), CDU/Grüne (gut: 30 Prozent, schlecht: 47 Prozent), CDU/Grüne/FDP (gut: 26 Prozent, schlecht: 51 Prozent), SPD/Grüne/FDP (gut: 22 Prozent, schlecht: 50 Prozent) und SPD/Grüne/Linke (gut: 17 Prozent, schlecht: 67 Prozent).

Die Umfragen zu diesem Politbarometer-Extra wurden wie immer von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der Zeit vom 2. bis 4. Mai 2017 unter 1032 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten im Nordrhein-Westfalen telefonisch erhoben. Die Befragung ist repräsentativ für die dortige wahlberechtigte Bevölkerung. Der Fehlerbereich beträgt bei einem Anteilswert von 40 Prozent gut +/- drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von 10 Prozent gut +/- zwei Prozentpunkte. ZDF Presse und Information

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