Absurde Bankgebühr: Deutsche sparen noch mehr als zuvor

Deutschland bleibt auch 2017 Land der Sparer

Das Finanzverhalten der Nation: Deutsche sparen noch mehr als zuvor – trotz Niedrigzins. Umfrage: Erste Bank erhebt zusätzlichen Kundenbeitrag. Verbraucherzentralen bieten Informationen und Beratung zu ethisch-ökologischen Geldanlagen. Das kostenlose Girokonto gehört auch bei alternativen und kirchlichen Banken weitgehend der Vergangenheit an.

Absurde Bankgebühr: Deutsche sparen noch mehr als zuvor

Das ist absurd: Ausgerechnet Obdachlose und Flüchtlinge, die es sich kaum leisten können, sollen bei Banken für ein Konto mehr zahlen als Normalkunden. Denn für sie, denen ohne Einkommen, Wohnsitz und Arbeitsplatz die Basis fürs Konto fehlte, war das Basiskonto ja gedacht. Die Argumentation der Banken ist scheinbar logisch: Das Basiskonto löst mehr Aufwand aus, weil mehr Beratung, Hilfestellung und Prüfung nötig ist. Was Deutsche Bank, Postbank und Sparkasse Holstein aber nicht beantworten können, ist die Frage, warum Teile der Konkurrenz es schaffen, so ein Konto unentgeltlich anzubieten, während sie selbst zwischen sechs und neun Euro im Monat verlangen. Das erweckt entweder den Eindruck von Gebührenschneiderei oder den Verdacht, die teuren Banken wollten sich lästige Klientel, die ihnen per Gesetz aufs Auge gedrückt wurde, vom Hals schaffen. Den Kardinalfehler hat aber schon der Gesetzgeber gemacht. Eine Pflicht zum Basiskonto-Angebot hätte es nur für bedürftige Kunden geben dürfen. Das Gesetz gehört dringend auf den Prüfstand. Rheinische Post

Deutschland bleibt auch 2017 Land der Sparer

Die erste Bilanz eines kompletten Jahres nach der Nullzins-Entscheidung der EZB: Die Konsumbereitschaft der Deutschen sinkt weiter. Das bestätigen die Ergebnisse der langfristigen Marktbeobachtung der norisbank, die sich intensiv mit dem Konsum- und Sparverhalten der Deutschen beschäftigt. Regelmäßig erhebt die Direktbank dazu in bevölkerungsrepräsentativen Umfragen Daten zum Finanzverhalten. So hatte die norisbank Ende 2014 die Deutschen nach ihrem Konsum- und Sparverhalten im selben Jahr und ihren finanziellen Vorsätzen für 2015 gefragt. Im Dezember 2016 wurde diese Befragung wiederholt. Die Ergebnisse zeigen das Konsum- und Sparverhalten der Deutschen in 2016 und ihre Finanzvorsätze für 2017. Ein Vergleich der Daten aus 2014 und 2016 sowie der Vorsätze für 2015 und 2017 lässt eine klare Tendenz erkennen. Der Trend: Die Konsumorientierung nimmt ab – die Sparneigung dagegen zu.

Die Zahl der Bundesbürger, die im vergangenen Jahr aus ihrer Sicht viel Geld ausgegeben haben, ist von 50 Prozent in 2014 auf 35 Prozent im Jahr 2016 trotz des Anreizes niedriger Zinsen noch weiter zurückgegangen. Dieser Trend spiegelt sich ebenfalls bei der Zahl größerer Anschaffungen wie Haus-, Wohnungs- oder Autokäufen wider: Tätigten im Jahr 2014 noch fast 26 Prozent der Deutschen eine solche Anschaffung, sank die Zahl im vergangenen Jahr auf nur noch knapp 21 Prozent. Statt von der Nullzinspolitik stimuliert mehr zu konsumieren und damit mehr Geld auszugeben, spart der Deutsche zunehmend.

Beim Blick in die Zukunft sind sich die Deutschen einig: Sparen ist auch für 2017 wieder finanzieller Vorsatz Nummer eins, obwohl weiterhin Zinsflaute herrscht. Jeder zweite Deutsche möchte 2017 noch mehr sparen als zuvor: 42 Prozent hatten diesen Vorsatz bereits für das Jahr 2015 gefasst. Für 2017 sind es nun schon 51 Prozent. Insgesamt geben sogar fast drei Viertel aller Deutschen an, dass sie vorhaben, 2017 mehr oder genauso viel wie im Vorjahr zu sparen. Dass es die Bundesbürger mit ihrem Sparkurs ernst meinen, zeigt der Blick auf das tatsächliche Finanzverhalten in 2016: rund 45 Prozent der Befragten haben im vergangenen Jahr tatsächlich genauso viel oder sogar mehr gespart als 2015. Der Trend zum Sparen bleibt also ungebrochen – trotz Niedrigzins.

Bundesbürger sind Zins-Pessimisten

Was die Zinsentwicklung und damit einen Ausweg aus dem Zins-Tal angeht, sind die Deutschen wenig optimistisch: 46 Prozent der Befragten glauben, dass die Zinsen in den kommenden fünf Jahren ungefähr gleich bleiben. 21 Prozent sind von einer weiteren Zinssenkung überzeugt. Lediglich knapp jeder Dritte rechnet damit, dass die Zinsen wieder steigen werden.

„Diese Ergebnisse zeigen, dass die Nullzinspolitik der EZB offenbar den Konsum in Deutschland bisher nicht im gewünschten Maß stimulieren konnte“, fasst Thomas große Darrelmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der norisbank, zusammen. „Das Gegenteil überrascht: Trotz der besonderen Niedrigzinsphase neigen die Deutschen vermehrt zum Sparen. Mit Blick auf die marktweit üblichen niedrigen Guthabenzinsen ist vielleicht aber gerade jetzt eine gute Zeit für eine bedachte Investition. Und die historisch niedrigen Kreditzinsen bieten vielleicht ebenso gerade jetzt auch eine gute Gelegenheit für das Erfüllen eines großen Wunsches.“

Über die Umfrage: Die norisbank hat zusammen mit dem Marktforschungsinstitut Innofact AG 1.000 Personen ab 18 Jahren bevölkerungsrepräsentativ nach Alter und Geschlecht zum Thema „Finanzverhalten“ befragt. Die Online-Befragung wurde im Dezember 2016 durchgeführt. Christian Jacobs – norisbank GmbH

Alternative und kirchliche Banken verwenden Kundengelder nach ethisch-ökologischen Kriterien

Das kostenlose Girokonto gehört auch bei alternativen und kirchlichen Banken weitgehend der Vergangenheit an. Nur die Bank im Bistum Essen bietet noch ein Girokonto ohne Gebühren und mit kostenloser Girokarte an. Das ergab der aktualisierte Girokontenvergleich der Verbraucherzentrale Bremen.

Im Vergleich zur letzten Erhebung im November 2016 haben sich die Kosten für Kontoführung und Girokarte bei den zwölf untersuchten Banken kaum verändert: Lediglich die Steyler Bank hat die Gebühren erhöht. Einige Banken haben ihre Zinsen für den Dispositionskredit nochmals gesenkt. Bei alternativen Banken wird ein neuer Kundenbeitrag zum Thema: Die GLS Bank erhebt seit dem 1. Januar 2017 fünf Euro im Monat zusätzlich zu den Kontogebühren, die Ethikbank denkt über die Einführung nach.

„Der Trend geht generell weg vom Gratiskonto. Bei alternativen und kirchlichen Banken bekommen Verbraucher für ihr Geld nicht nur Bankdienstleistungen. Diese Kreditinstitute wenden ethisch-ökologische Kriterien bei ihren Bankgeschäften an. Kundengelder fließen zum Beispiel nicht in bedenkliche Branchen wie die Rüstungs-, Atom- oder Gentechnikindustrie“, sagt Ulrike Brendel, Leiterin des Projekts „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“ bei der Verbraucherzentrale Bremen.

Die Bandbreite bei den untersuchten Girokontomodellen reicht vom kostenlosen Konto der Bank im Bistum Essen bis zu jährlichen Kosten von 72 Euro für Konto und Girokarte bei der Bank für Orden und Mission. Viele Banken und Sparkassen in Deutschland klagen über das niedrige Zinsniveau sowie steigende Regulierungskosten und haben in den letzten Monaten Abschied vom kostenlosen Girokonto genommen.

Neuer Trend: Zusätzlicher Kundenbeitrag

Neu ist, dass Banken einen zusätzlichen Kundenbeitrag erheben. So zahlen Neukunden und Mitglieder der GLS Bank seit dem 1. Januar 2017 einen Beitrag von fünf Euro zusätzlich zur Kontoführungsgebühr. Bestehende Kunden möchte die GLS Bank laut Auskunft auf der Internetseite von der Zahlung des Beitrags „überzeugen“.

Auch die Ethikbank denkt über die Einführung eines Kundenbeitrags im Laufe des Jahres 2017 nach. Für die anderen untersuchten Kreditinstitute ist dieses Entgeltmodell derzeit kein Thema, wie die Umfrage der Verbraucherzentrale Bremen ergab.

Verbraucher, die ihr Geld nicht in kontroversen Geschäftsfeldern wie Atomkraft oder Waffenproduktion anlegen, sondern Umwelt- und Klimaschutz fördern möchten, können sich vor Ort in ihrer Verbraucherzentrale beraten lassen oder sich im Internet unter www.vz-hb.de/ethisch-oekologische-geldanlage über das Angebot an ethisch-ökologischen Geldanlagen informieren.

Über das Projekt „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“

Das bundesweite Projekt „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“ der Verbraucherzentrale Bremen informiert über nachhaltige Geldanlage und Altersvorsorge. Die Verbraucherzentrale Bremen kooperiert dafür mit den Verbraucherzentralen Hamburg, Bayern, Baden-Württemberg, Rhein-land-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein. Gefördert wird „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“ vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative. Ulrike Brendel – Verbraucherzentrale Bremen

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