Cyber-Angriffen vor der Bundestagswahl: Fake News war gestern, die eigentliche Manipulation droht woanders

Die Bundestagswahl ist manipulierbar - Gut gemeint ist nicht gut gemacht

Täglich stoßen wir in unseren Social-Media-Kanälen auf Inhalte, die unseren Blick auf die Welt beeinflussen. Was hat Donald Trump heute Nacht getwittert? Welche Schlagzeilen teilt der Nachbar, der hofft, dass Angela Merkel bald abgelöst wird, weil er glaubt, dass sie ja an seinen Problemchen schuld sei?

Cyber-Angriffen vor der Bundestagswahl: Fake News war gestern, die eigentliche Manipulation droht woanders

Welche Inhalte spült mir Facebook in die Timeline, weil ein Algorithmus herausgefunden haben will, dass mich genau diese Inhalte interessieren? Wir reagieren auf das, was wir sehen, kommentieren und teilen die Nachrichten mitunter, damit unsere Freunde davon erfahren – tragen die Botschaften also weiter. Und genau deshalb ist es wichtig, genau hinzusehen. Wer hat die Nachricht veröffentlicht? Welche Quellen wurden zitiert? Sind die diese wirklich glaubwürdig? Und hier geht vor allem auch ein Auftrag an uns als Medienhaus. Wir verarbeiten täglich unzählige Informationen und Nachrichten. Dabei müssen wir mit außerordentlicher Vorsicht vorgehen, genau hinschauen. Damit wir nicht auf gefälschte Inhalte hereinfallen. Wir dürfen unseren Lesern keinen Bären aufbinden. Deshalb arbeiten wir mit Sorgfalt, verifizieren Quellen und prüfen Fotos und Videos, die uns zugespielt werden, auf ihren Wahrheitsgehalt. Das kostet oft Zeit, aber: Das sind wir uns allen schuldig. Mittelbayerische Zeitung

Die bundesweit in Kommunen eingesetzte Software der Bundestagwahl ist unsicher, haben Journalisten von ZEIT ONLINE gemeinsam mit Fachleuten vom Chaos Computer Club herausgefunden und in einem Beitrag dokumentiert [1]. Der Bundeswahlleiter und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sind zwar alarmiert, aber leider viel zu spät. In der heutigen Heise-Show wird um 12 Uhr mit dem Sprecher des CCC, Linus Neumann öffentlich darüber diskutiert, ob das Wahlergebnis sicher sein werde [2].

Das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen

Gehandelt wird später, denn die verantwortlichen politischen Stellen sind der Meinung, die Digitalisierung komme ja erst in 10 bis 20 Jahren. Ein grundsätzliches Problem.

Sebastian Alscher, Sprecher für Finanzen und Spitzenkandidat der Piratenpartei Deutschland dazu: „Wieder zeigt sich: Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Wahlen sind das Lebensblut der demokratischen Legitimation. Die Fahrlässigkeit im Umgang mit ihrer Umsetzung ist höchst alarmierend und unbegreiflich. Dass Wahlsoftware am Wahlabend die Prozesse erleichtert ist legitim, sollte aber niemals dermaßen ungeprüft und als alleiniges Mittel in Einsatz genommen werden. Besonders ärgerlich ist hier, dass die Piratenpartei schon vor zwei Legislaturperioden darum gekämpft und sogar geklagt hat, um die gebotene Sorgfalt walten zu lassen. Hier muß man von Vorsatz reden, das kann man nicht als Blauäugigkeit abtun, es ist schlichtweg ignorant und gefährlich! Es zeigt, wieviel Nachholbedarf im Verständnis der Digitalisierung noch besteht.“

Vertrauen in die Demokratie würde erschüttert

Die Analyse des CCC [3] listet in ihrem Fazit eine Vielzahl von politischen Forderungen auf, die zeigen, dass das System in der jetzigen Form nicht bestehen bleiben kann und grundlegend verbessert werden muss. Der gesamte Zustand zeigt auf, warum die von der Piratenpartei vor zwei Jahren geforderte Offenlegung des Source-Codes der Software so wichtig gewesen wäre. Eine Software wird nicht durch ein Verheimlichen des Programmcodes sicher, sondern u.a. durch die Verwendung geeigneter Verschlüsselungstechnologien. Ein Zitat auf Seite 4 des Berichts schlussfolgert: „Eine Manipulation würde demnach mit großer Wahrscheinlichkeit auffallen, das Vertrauen der Bürger in die Demokratie und die Integrität des Wahlvorganges jedoch mitunter schwer erschüttern.“

Jede Software ist potentiell anfällig

„Ebenso überraschend ist die berichtete Reaktion des Landeswahlleiters, lediglich sämtliche mit der Software „PC-Wahl“ übertragenen Ergebnisse zu überprüfen. Denn die Analyse zeigt, dass potentiell jede Wahlsoftware manipulationsanfällig sein könnte, nicht nur diese eine. Die Verwendung einer symmetrischen Verschlüsselung allein sollte bereits Grund genug sein, das aktuelle Konzept kritisch zu hinterfragen. Hier scheint man sich möglicherweise des wirklichen Ausmaßes des Risikos nicht bewusst zu sein“, so Anja Hirschel, Sprecherin für Digitalisierung und Spitzenkandidatin der Piratenpartei Deutschland. Pascal Hesse – Piratenpartei Deutschland

Quellen:
[1] DIE ZEIT: Die Bundestagswahl kann manipuliert werden, www.zeit.de/digital/datenschutz/2017-09/bundestagswahl-wahlsoftware-hackerangriff-sicherheit-bsi-bundeswahlleiter
[2] #heiseshow, live ab 12 Uhr: Bundestagswahl für Hacker offen? – Wie sicher ist das Ergebnis?, www.heise.de/newsticker/meldung/heiseshow-live-ab-12-Uhr-Bundestagswahl-fuer-Hacker-offen-Wie-sicher-ist-das-Ergebnis-3823308.html
[3] Analyse einer Wahlsoftware, www.ccc.de/system/uploads/230/original/PC-Wahl_Bericht_CCC.pdf

SPD und Grüne befürchten Fake-News-Anstieg

SPD und Grüne befürchten im Wahlkampf eine deutliche Zunahme von Falschmeldungen, so genannter Fake News, vor allem aus der rechten Szene. „Wir erleben seit einem Jahr, dass vor allem rechte Kreise über Facebook und andere soziale Medien Falschmeldungen über die Grünen verbreiten“, sagte der Wahlkampfmanager der Grünen, Robert Heinrich, der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. „Wir rechnen damit, dass das in den nächsten Wochen weiter deutlich anwachsen wird“, sagte Heinrich. Zur Abwehr der Fake News haben die Grünen nach seinen Angaben eine eigene „Netzfeuerwehr“ aus 2600 grün-affinen Nutzern in den sozialen Medien etabliert. Sie werde „immer dann mobilisiert, wenn irgendwo gefährliche Fake News auftauchen“, sagte Heinrich. Ähnliche Beobachtungen macht Tobias Nehles, der Leiter des digitalen SPD-Wahlkampfes. „In Zeiten einer Verdichtung von politischer Kommunikation, wie beispielsweise im Wahlkampf, nimmt das Fake-News-Aufkommen deutlich zu“, sagte Nehles der Zeitung. Rheinische Post

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