Die Welt gerät aus den Fugen

Papst Franziskus hat schon Recht, wenn er von einem „Dritten Weltkrieg in Stücken“ spricht. Den aufmerksamen Beobachtern drängt sich tatsächlich der Eindruck auf, die Welt wäre aus den Fugen geraten. In Syrien ist kein Ende des jahrelangen Bürgerkriegs absehbar, die Bilder und Videos von Kämpfen, Giftgasangriffen und Ähnlichem sind kaum zu ertragen.

Die Welt gerät aus den Fugen

Das Verhältnis zwischen den USA und Russland ist nicht zuletzt deshalb auf einem Tiefpunkt angelangt. China warnt die USA vor einer Eskalation des Konflikts mit Nordkorea. In der Ostukraine macht das Sterben trotz österlicher Waffenruhe keine Pause. In Afghanistan haben die USA gestern die größte nicht-nukleare Bombe gezündet. In Europa kommt es immer wieder zu islamistischen Terroranschlägen. In der Türkei schickt sich Präsident Erdogan an, seine Machtfülle wesentlich zu erweitern. Die Migrationskrise scheint weiterhin kein Ende zu nehmen. Und diese Liste ließe sich noch eine ganze Weile fortsetzen.

Gläubige Christen leben in der Gewissheit, dass dem heutigen Karfreitag und damit dem Tod Jesu der Ostersonntag folgt, an dem die Auferstehung gefeiert wird. Wesentliches Element dabei ist die Hoffnung. Diese Botschaft kann die Welt tatsächlich gut gebrauchen. Nicht aus einer naiven Gutgläubigkeit heraus, sondern im Sinne des Vertrauens auf die gemeinsame Problemlösungskompetenz. Und Letztere kann sich bei Hoffnungslosigkeit nicht entfalten. Christian Haubner – Neues Volksblatt, Chefredaktion

Verfolgung von Christen

Wieder trifft es Christen. Zum Auftakt der Karwoche rissen in Ägypten zwei Selbstmordattentäter dutzende Menschen in den Tod. Nicht zum ersten Mal weicht die Feststimmung hoher christlicher Feiertage Trauer und Bestürzung. Die christlichen Kopten sind seit Jahren ein Ziel islamistischer Fundamentalisten. Mit ihren Bomben wollen sie die Nähe der schwachen Minderheit zur Staatsmacht, aber auch das nicht immer reibungsfreie Miteinander von Christen und Muslimen in Ägypten sprengen. Instrument dafür ist der Feldzug im Namen einer Religion, im Fall der Terrormiliz IS, die sich kurz nach dem Anschlag zu den Bluttaten bekannte, eines missbrauchten Islam. Mord im Namen einer Religion ist in die Weltpolitik zurückgekehrt. Das hat der bereits existierenden – oftmals staatlichen – Drangsalierung und Verfolgung religiöser Minderheiten eine neue gefährliche Zuspitzung verliehen. In nicht wenigen Staaten werden Christen zu einem Feindbild stilisiert. Besonders sozialistische und kommunistische Staaten gehen heute mit schlechtem Beispiel voran, aber auch Länder mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit.

Über die vermutlich hohe Zahl von Betroffenen gibt es nur Schätzungen. Das Phänomen haben säkulare Gesellschaften wie die deutsche jahrzehntelang ausgeblendet. Sie siedelten Christenverfolgung im Mittelalter an. Doch es gibt heute eine Verfolgung von Christen – auch wenn gegenüber der Bezeichnung Vorsicht angebracht ist. Nicht selten wird der Begriff als Kampfvokabel eingesetzt. In diesem Fall steht nicht mehr die Solidarität mit den Bedrängten im Vordergrund, die sich in Hilfen, möglicherweise sogar in der sensiblen Aufnahmepraxis Deutschlands niederschlagen müsste, sondern die Aus- und Abgrenzung gegenüber anderen Weltanschauungen, vor allem gegenüber „dem“ Islam. Politik im Namen der Religion peitscht auf und schließt die Reihen gerade derjenigen, die das Banner führen. Wer zu dieser Gruppe gehört variiert, ebenso die Besetzung der Opferrolle. Sunniten kämpfen gegen Schiiten und umgekehrt, unter die Räder kommen auch Sufis, Juden und Bahai, um nur einige zu nennen.

In nicht wenigen Ländern wird die Haltung der Mehrheit zum Diktat. Wer sie nicht teilt, steht unter Verdacht. Besichtigen lässt sich das gerade in der Türkei, wo die Anhänger der Gülen-Bewegung pauschal zu Staatsfeinden erklärt werden. Der Fundamentalismus, besonders der religiöse, ist eine Geißel der Zeit. Er bedroht auch in Europa, was an Toleranz und Aufklärung errungen wurde. Deshalb ist der Einsatz für die Religionsfreiheit in einem umfassenden Sinn so wichtig. Sie garantiert, dass jeder seinen Glauben öffentlich leben kann, selbst wenn er in der Minderheit ist. Auch die Freiheit vom Glauben wird durch sie geschützt, ebenso das Recht des Einzelnen, seine Weltanschauung zu ändern. Der Schutz von Christen lässt sich vom Einsatz für Religionsfreiheit nicht trennen. Das müssen jene verinnerlichen, die eine Religion gegen eine andere ausspielen wollen. Südwest Presse

Ostermärsche

Lange gab es keinen besseren Zeitpunkt, für den Frieden auf die Straße zu gehen, als jetzt. Doch wenn die Veranstalter der Ostermärsche zu bundesweit 60 Friedensdemonstrationen aufrufen, rechnen sie selbst nicht mit einem Zulauf wie in den 80er und 90er Jahren. Ist wirklich naiv, wer gegen Rüstungsexporte, Aufrüstung und für die rechtzeitige Vorbeugung gegen Konflikte und Kriege demonstriert? Oder sind es nicht vielmehr diejenigen, die an der untauglichen Strategie festhalten, den Frieden herbeizubomben? Vieles spricht dafür, dass im anstehenden Wahlkampf auch die Frage eine Rolle spielen wird, ob Deutschland Jahr für Jahr weitere zusätzliche Milliarden in seinen Wehretat buttern soll. Man wünscht sich eine Friedensbewegung, die genug öffentlichen Druck aufbaut, um neue Anlässe für Massendemos vorab zu verhindern. Frankfurter Rundschau

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