Genervte Arbeitnehmer: 60% sind Berufspendler

Mehr Wohnraum in den Städten braucht das Land

In NRW pendelt inzwischen jeder zweite Arbeitnehmer – fast neun Millionen Menschen. Die Forschungsinstitut Prognos hat in einer Analyse untersucht, wie es mit dem Land NRW nach der Landtagswahl im Mai weitergehen soll. Über den „Zehn-Punkte-Plan für NRW“ berichtet die in Düsseldorf erscheinende „Rheinische Post“.

Genervte Arbeitnehmer: 60% sind Berufspendler

Für einen besseren Personenverkehr in NRW schlägt Prognos eine komplette Verknüpfung aller Verkehrsverbünde in NRW per APP vor; außerdem sollte es ein Netz für Fahrradschnellwege für das ganze Land geben. Axel Seidel, Chef von Prognos NRW, sagt: „Wir brauchen eine App, mit der Kunden Fahrkarten quer durch alle Verkehrsverbünde kaufen können.“ Und: „Auf Dauer sollte NRW ein integriertes Radschnellwege-Netz mit entsprechender E-Infrastruktur anpeilen. Pedelecs und E-Bikes werden auch bei Pendlern immer beliebter.“

Beim Wohnungsbau sollten Städte und Umlandgemeinden enger zusammenarbeiten, um Wohnungsnot zu verhindern – sonst würden bis 2030 in der Region Düsseldorf 10.000 Wohnungen fehlen, rund um Köln sogar 75.000 Wohnungen.

Die Bundesregierung will den schnellen Fahrradverkehr für Berufspendler weiter durch mehr Radschnellwege ausbauen. „Erstmals fördert der Bund im Jahr 2017 besondere Radschnellwege mit zusätzlichen 25 Millionen Euro. Das sind kleine Fahrradautobahnen für die, die ohne Ampeln und Kreuzungsverkehr viel schneller zur Uni oder zur Arbeit wollen“, sagte Verkehrs-Staatssekretär Norbert Barthl. „Um den Fahrradverkehr weiter zu fördern, hat der Bund seine Mittel für Radwege von 60 auf 100 Millionen Euro pro Jahr aufgestockt“, sagte Barthle. Das Fahrrad erlebe an seinem 200. Geburtstag einen „richtigen Boom in Deutschland“, sagte er. „Die Leute entdecken das Fahrrad als echte Alternative zum Auto im Stau oder zum überfüllten Bahn-Regionalverkehr. E-Bikes und Pedelecs erleben einen Verkaufsrekord“, sagte der CDU-Politiker. In Mannheim findet am Montag und Dienstag ein internationaler Fahrrad-Kongress statt. Rheinische Post

Genervte Arbeitnehmer

Das waren noch Zeiten, als Zechenbetreiber und Fabrikbesitzer Werkswohnungen ganz in der Nähe der Arbeitsplätze ihrer Beschäftigten bauten. Lange Anfahrtswege gab es da nicht. Man kam zu Fuß zum Job. Das hat sich gewaltig geändert, nicht nur weil fast alle Bergwerke inzwischen dicht sind. Job-Hopping, befristete Verträge, günstige Mieten außerhalb der Ballungsräume – all das führt dazu, dass Beschäftigte bei der Wahl des Arbeitsplatzes weitaus flexibler sein müssen als bei der Wahl des Wohnorts.

Die Folgen: In NRW pendelt inzwischen jeder zweite Arbeitnehmer – fast neun Millionen Menschen. Allein in die „Konzernhauptstadt“ Essen fahren täglich 119.000 Berufstätige. Das sind fast so viele Pendler wie Bottrop Einwohner hat. Staus, überfüllte Züge, Busse und Bahnen sind deshalb Alltag. Was aber viel schwerer wiegt: Die Arbeitnehmer verbringen immer mehr Zeit für den Job und den Weg dorthin. Sie sind schon genervt, wenn sie im Büro ankommen. In allen Diskussionen um Stressabbau, Handy aus am Wochenende und Ergonomie am Schreibtisch spielt die Belastung durch das Pendeln immer noch eine viel zu kleine Rolle. Frank Meßing – Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Dass so viele pendeln müssen, liegt auch daran, dass es in Ballungszentren an für Normalverdiener erschwinglichem Wohnraum mangelt. Auch hier sind mehr als nur politische Lippenbekenntnisse vonnöten. Allein: Mehr Wohnungen reichen wohl nicht aus, das Pendeln wird zunehmen. Und damit die Menschen nicht über Gebühr ihre Gesundheit ruinieren und ihre Lebenszeit im Stau oder überfüllten Bahnen verschenken, wären zumindest mehr Förderung von Homeoffice oder ein besserer Personennahverkehr angebracht. Dominik Bloedner – Badische Zeitung

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