Hannelore Kraft wäre gern ein Gepard

Folgen der Wahl in Schleswig-Holstein

Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wäre gern ein Gepard. „Der ist schnell und wendig“, begründete die SPD-Politikerin ihren Wunsch in der „Rheinischen Post“. Die in Düsseldorf erscheinende Zeitung veröffentlicht acht Tage vor der Landtagswahl einen persönlich gehaltenen Fragebogen mit Antworten von den Spitzenkandidaten der Parteien. Unter die Frage: „Welches Tier wären Sie gerne?“ schrieb Armin Laschet (CDU) knapp: „Ein Vogel“.

Hannelore Kraft wäre gern ein Gepard

Christian Lindner (FDP) wäre ebenfalls gern ein Vogel – „wegen der Freiheit“. Sylvia Löhrmann (Grüne) könnte sich vorstellen, ein „Rennpferd mit gutem Schlussspurt“ zu sein, während Öslem Demirel (Linke) es bevorzugen würde, ein Hund zu sein. Marcus Pretzell, Spitzenkandidat der AfD in NRW, hatte seinen Fragebogen nicht ausgefüllt. Rheinische Post

Glanz der Sieger, Schatten der Verlierer

Aus Sicht der Sozialdemokraten in Nordrhein-Westfalen ist die SPD-Wahlschlappe in Schleswig-Holstein ein Sonderproblem der dortigen Genossen, vor allem des Noch-Amtsinhabers Torsten Albig. Die NRW-CDU hingegen sieht die bevorstehende Landtagswahl in einer Reihe mit den für die Union erfolgreichen Urnengängen im Saarland und an der Küste. Diese Interpretationen überraschen nicht: Die einen wollen mit Verlierern nichts zu tun haben, die anderen wollen auf den Siegerzug aufspringen.

Doch was stimmt wirklich? Fernab von den Unwägbarkeiten und Kurzfrist-Entscheidungen unentschlossener Wähler deutet sehr viel darauf hin, dass es in NRW ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und CDU-Herausforderer Armin Laschet geben wird. Dies mag selbstverständlich oder gar banal klingen, war aber vor nicht allzu langer Zeit kaum vorstellbar. Die Christdemokraten haben in den vergangenen Wochen kontinuierlich aufgeholt und besitzen eine realistische Chance auf den Regierungswechsel. Und die SPD wird den aktuellen Trend nicht unterschätzen. Im Gegenteil.

Denn die jüngsten Wahlergebnisse bergen eine reale Gefahr für die Sozialdemokraten. Die Parteibindungen sind auch in NRW gesunken, die Zahl der Wechselwähler ist gestiegen. In dieser Situation entscheiden Wähler gern für den Kandidaten, von dem sie erwarten, dass sie oder er erfolgreich sein wird. Damit geben sie ihre Stimme der vermeintlichen Gewinnerseite. Politik- und Parteienforscher, aber auch Demoskopen sprechen hier vom Mitläufereffekt („Bandwagon-Effekt“); man folgt dem Musikantenwagen, sprich dem Festwagen, auf dem die Musik spielt. Dies könnte nach dem Saarland und nach Schleswig-Holstein Folgen haben und sich zugunsten der NRW-CDU auswirken. Klingt nach Küchenpsychologie, wird aber in vielen Lebensbereichen, unter anderem auch in der Konsumforschung.

Ernüchtert dürften die Sozialdemokraten in Bund und Land auch zur Kenntnis genommen haben, dass der erhoffte Schulz-Effekt des SPD-Kanzlerkandidaten vollständig verpufft ist. Ebenso deutet alles darauf hin, dass die NRW-Wahl durch die Landesthemen entschieden wird. „Selbstverständlich!“ mag man ausrufen, aber das ist es nicht. Schon oft schlugen bundespolitische Themen in die Länder durch und beeinflussten massiv die Wahlergebnisse. Der Agenda-2010-Frust, die Griechenland-Hilfen oder die Flüchtlingskrise sind hier nur einige Beispiele.

Doch Bundesthemen haben aktuell nicht annähernd diese Präsenz. Vielmehr geht es um Nordrhein-Westfalen. Es geht um innere Sicherheit, um Verkehr und Infrastruktur, um Wirtschaft und Schule. Hier wird entscheidend sein, ob die Mehrheit der Wähler eher der positiven Rot-Grün-Bilanz der SPD-geführten Landesregierung oder der kritischen Sicht der Opposition folgt.

Und natürlich sind Wahlen auch immer Persönlichkeitswahlen. Hannelore Kraft weist zwar nicht mehr die Sympathiewerte vergangener Jahre auf, sie ist in NRW aber weiterhin sehr beliebt und eine engagierte, bürgernahe Wahlkämpferin. Ihr Ansehen ist mit dem des eher unbeliebten (und im Wahlkampf versagenden) Torsten Albig aus Schleswig-Holstein kaum vergleichbar.

Inwieweit es Armin Laschet dem Kieler „Wahlsieger aus dem Nichts“, Daniel Günther, nachmachen kann, lässt sich derzeit nicht prognostizieren. Dass Laschet zuletzt aber massiv aufgeholt hat, macht den kommenden Wahlsonntag umso spannender. Die Wähler haben das Wort! Andreas Tyrock  – Westdeutsche Allgemeine Zeitung

NRW-CDU-Chef Laschet kritisiert FDP-Landeschef Lindner

Der Spitzenkandidat der NRW-CDU, Armin Laschet, wirft FDP-Landeschef Christian Lindner vor, Nordrhein-Westfalen nur als politische Durchgangsstation zu benutzen. Deshalb habe Lindner auch ein so genanntes Schattenkabinett berufen. „Christian Lindner braucht das vielleicht, weil er in ein paar Wochen selbst weg aus NRW ist“, sagte Laschet der in Bielefeld erscheinenden Neuen Westfälischen. „Bei uns ist das anders. Ich ernenne vor der Wahl keine Minister, sondern die Köpfe, mit denen wir nach der Wahl für mehr Sicherheit, mehr Arbeitsplätze, bessere Bildung sorgen wollen“, so Laschet. Neue Westfälische

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