Lehren aus Tschernobyl – Atomkraftwerke gefährden noch immer Mensch, Natur und Umwelt

NABU: 30 Jahre Tschernobyl

Vor 30 Jahren havarierte der Reaktorblock 4 des sowjetischen Kernkraftwerks Tschernobyl und riss eine Region mit Millionen von Menschen in Mitleidenschaft. Obwohl deutsche Energieversorger nicht müde wurden, die Unterschiede hiesiger Reaktoren zu solchen sowjetischen Bautyps zu betonen, war es der erste Schlag gegen die Kernkraft.

Lehren aus Tschernobyl – Atomkraftwerke gefährden noch immer Mensch, Natur und Umwelt

Inzwischen ist der Ausstieg in Deutschland Gewissheit, wenn auch manche dieser Energieart nachtrauern. Wahr bleibt: Die Atomkraft hat sich nur mit öffentlicher Hilfe durchsetzen lassen. Sie kann als Beispiel für staatliche Fehlplanung angesehen werden. Denn mit allen Folgekosten – inklusive der noch immer nicht geklärten Endlagerung – kommt sie teurer als marktwirtschaftliche Energieformen. Nur dreieinhalb Jahre nach dem Atomunfall havarierte auch das Gesellschaftssystem des Sozialismus. Es hatte die zentrale Planung zum Prinzip erhoben und war grandios gescheitert. Man kann daraus getrost lernen, dass auch staatliche Energieplanung, wenn sie auf falschen ökonomischen Prämissen beruht, zum Scheitern verurteilt ist. Martin Kessler, Rheinische Post

Auf Deutschland kommt es an

Umso mehr kommt es 30 Jahre nach Tschernobyl auf Deutschland an. Das größte Industrieland Europas muss den im Jahr 2000 mit dem rot-grünen Atomausstieg und den Weg zum Umbau des Energiesystems weiter gehen. Es darf ihn nicht abbremsen. Ein erneuter Ausstieg aus dem Ausstieg, wie die schwarz-gelbe Regierung ihn 2010 versuchte, ist im Post-Fukushima-Zeitalter zwar chancenlos. Die große Koalition hat jedoch bereits den Zubau beim Solarstrom und bei der Biomasseenergie abgewürgt und deckelt auch noch das Wachstum der Windkraft an Land, die den preiswertesten Ökostrom liefert. Ihr Ziel ist es, die Stromkonzerne zu schützen, die unter Druck sind, weil sie zu lange auf Atom- und Kohlekraftwerke gesetzt haben. So wächst die Gefahr, dass die zweite Halbzeit des Atomausstiegs, die bis 2022 läuft, die alten Strukturen konserviert und den aktuellen Kohleboom verlängert, der den „Klimavorreiter“ Deutschland alt aussehen lässt. Frankfurter Rundschau

Zum 30. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl erklärt NABU-Präsident Olaf Tschimpke: „Dass 30 Jahre nach Tschernobyl die Nachrichten noch immer geprägt sind von Beinahe-Unfällen und Schlampereien bei der Sicherheit von Atomkraftwerken, ist ein Hohn gegenüber den Opfern der Atomkatastrophe. Der deutsche Atomausstieg bringt keine Sicherheit für Mensch, Natur und Umwelt, wenn Kontrollen in Atomreaktoren nur vorgetäuscht werden, wie jüngst in Philippsburg aufgedeckt, oder Pannenreaktoren in direkter Grenznähe in Belgien und Frankreich weiterbetrieben werden.“ Die Bundesregierung müsse den Abschluss des bilateralen Atomsicherheitsabkommens mit Belgien vorantreiben.

Nach dem noch immer gültigen Euratom-Vertrag von 1957 darf jeder EU-Staat allein über Bau und Betrieb von Atomkraftwerken entscheiden. Der NABU sieht hier Änderungsbedarf. „Der Super-GAU kennt keine Grenzen, deshalb müssen die Mitgliedstaaten auf EU-Ebene beim Thema Atomkraft zusammenarbeiten. Der Euratom-Vertrag, den noch Adenauer unterschrieben hat, muss deshalb dringend überarbeitet werden. Das hat auch schon die Töpfer-Kommission nach Fukushima gefordert – dafür muss sich die Bundesregierung endlich einsetzen“, so Tschimpke weiter. Zudem sollte die Bundesregierung auf EU-Ebene eine Novelle der Richtlinie zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für die Laufzeitverlängerungen von AKW anstoßen. Bisher ist diese nur für den Neu- und Abbau von AKW verpflichtend.

Abgesehen von den Sicherheitsproblemen von Atomenergie ist die Kostenfrage noch längst nicht geklärt. „Die Konzerne haben sich jahrelang an hochsubventionierten Atomkraftwerken bereichert und so schlecht gehaushaltet, dass sie jetzt nicht mehr in der Lage sind, nach dem Verursacherprinzip die Nachsorge zu leisten,“ so NABU-Energieexperte Sebastian Scholz mit Blick auf die derzeit laufenden Verhandlungen in der nationalen Atomkommission. „Am Ende der Verhandlungen wird die Allgemeinheit für einen Großteil der Kosten einspringen müssen. Aus dieser Geschichte gilt es zu lernen, dass wir langfristig ausschließlich auf naturverträgliche erneuerbare Energien setzen müssen. Nur so hinterlassen wir weder Kosten noch Müll für die nächsten Generationen und dem Klima hilft es auch“, so Scholz. Sebastian Scholz, NABU-Klimaexperte

Verdrängtes Risiko Kernenergie

Am 26. April 2016 ist der dreißigste Jahrestag der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl. Es war ein sogenannter Super-GAU in der damals noch zur Sowjetunion gehörenden Ukraine.

Nach einer Explosion im Block 4 des Kernkraftwerks kam es zu einem Brand und zur Freisetzung großer Mengen radioaktiver Strahlung. In der Folge wurden weite Landstriche in der Umgebung langfristig aufgrund der hohen Strahlenbelasung verseucht sowie die Menschen irreversibel gesundleich geschädigt. Gemäß offizieller Angaben gab es 31 Tote, vor allem Arbeiter und Feuerwehrleute, die ihr Leben opferten, um den den Brand zu löschen. Sowohl das Krebsrisiko als auch Missbildungen bei Neugeborenen stiegen in der Folgezeit deutlich an und betrafen tausende Menschen, die bis heute unter den Spätfolgen der Katastrophe leiden.

Bereits im Oktober 1957 war es zu einem nicht unerheblichen Störfall in einem militärischen, zur Produktion von Plutonium bestimmten, britischen Atomreaktor bei Windscale gekommen. Im Rahmen von Wartungsarbeiten war Graphit in Brand geraten und konnte erst nach drei Tagen gelöscht werden.

Am 28. März 1979 ereignete sich ein Störfall im Atomreaktor Three-Mile-Island bei Harrisburg/Pennsylvania. Infolge technischer Mängel und Bedienungsfehler konnte das vollständige Schmelzen des Reaktorkerns nur knapp vermieden werden. Ein Großteil der radioaktiven Spaltprodukte wurde im Kühlwasser zurückgehalten. Trotzdem wurde bei Untersuchungen zu Sterbeursachen der Bewohner der Umgebung ein Anstieg der Leukämierate bei Kindern festgestellt. Dieses Unglück erhielt eine besondere Bedeutung, weil kurz zuvor der Film „Das China-Syndrome“ in die Kinos gekommen war, indem die Kernschmelze eines Kernreaktors beschrieben wurde.

Ausgerechnet das weltweite Bemühen zur Reduzierung der Erderwärmung sowie die steigenden Rohölpreise und der Rückgang fossiler Brennstoffe führten wieder zu einer verstärkten Nachfrage zur Nutzung von Kernenergie. Die PIRATEN treten für eine langfristig sichere und umweltschonende Energie-Infrastruktur ein und befürworten die Umstellung von endlichen Energieträgern auf generative und regenerative Energiequellen.[1] Leider drang die Notwendigkeit, diese Vorhaben stärker voranzutreiben und endgültig Abschied von der Atomenergie zu nehmen, erst nach einem weiteren schweren Unfall ins Bewusstsein von Politik und Gesellschaft.

Dieser Störfall ereignete sich Im April 2011 im Atomreaktor von Fukushima. Dieser Unfall veränderte die Sichtweise auf die Erzeugung von Atomenergie.

Die medizinischen und politischen Folgen der Katastrophe von Fukushima sind nur grob absehbar. In der Bundesrepublik führten sie zu einem Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie. Die Energiekonzerne, die jahrzenhntelang mit dem öffentlich subventionierten Atomstrom dicke Gewinne gemacht haben, verklagten daraufhin die öffentliche Hand auf Schadenersatz in Millardenhöhe und wollen sich durch Restrukturierungen auch noch um die hohen Kosten der Entsorgung ihrer noch Jahrtausende hochgefährlichen Abfälle drücken.

Tschernobyl und die Folgen des Unfalls sowie seine strahlende Hinterlassenschaft beschäftigen die Menschen weltweit seit nunmehr dreißig Jahren. Piratenpartei Deutschland

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