Lufthansa und Vereinigung Cockpit einigen sich auf Schlichtung zum Vergütungstarifvertrag

Tarifpartner wollen bis Ende Januar eine gemeinsame Lösung erreichen

Lufthansa und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) haben sich darauf geeinigt, gemeinsam einen Schlichter zum Vergütungstarifvertrag anzurufen. Die Tarifpartner haben gestern vereinbart, die Schlichtung bis Ende Januar abzuschließen.

Lufthansa und Vereinigung Cockpit einigen sich auf Schlichtung zum Vergütungstarifvertrag

In dieser Zeit herrscht bezogen auf den Vergütungstarifvertrag Friedenspflicht. Die Parteien äußern sich nicht zur Person des Schlichters, um einen ungestörten und effizienten Schlichtungsprozess zu gewährleisten.

Über den Tarifvertrag war in den letzten Monaten verhandelt worden. Dabei konnten die Positionen nicht bis zu einer Verhandlungslösung angenähert werden. Um eine nachhaltige Lösung zu erreichen, haben sich Lufthansa und VC daher auf die Anrufung einer Schlichtung verständigt.

„Wir haben in den vergangenen Monaten intensive Gespräche geführt und konnten uns nun auf die Schlichtung zum Vergütungstarifvertrag einigen. Nur am Verhandlungstisch können wir Lösungen finden, die für Mitarbeiter und Unternehmen Perspektiven bieten“, sagt Dr. Bettina Volkens, Vorstand Personal und Recht der Deutschen Lufthansa AG. „Ich bin zuversichtlich, dass wir mit der Unterstützung eines Schlichters eine partnerschaftliche Lösung erarbeiten können. Wir wollen gemeinsam mit der VC einen langfristigen Tariffrieden erreichen – für unsere Kunden, unsere Mitarbeiter und unsere Aktionäre.“ Deutsche Lufthansa AG Media Relations

Tarifvertrag für Flugbegleiter mit Eurowings Nachts in Kraft gesetzt

Nach erneuten zweitägigen Gesprächen konnte der bereits am 2. Dezember 2016 zwischen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und Eurowings geschlossene Tarifvertrag für die Flugbegleiter bei Eurowings in der Nacht von Donnerstag auf Freitag (15. zum 16. Dezember) in Kraft treten. Mit dem erzielten Tarifergebnis werden über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren Lohnerhöhungen zwischen 6,25 Prozent und über 9 Prozent gesichert.

Der endgültige Abschluss war in Gefahr geraten, weil die UFO versuchte, die Lufthansa-Tochter unter Druck zu setzen, von ihrem Widerrufsrecht Gebrauch zu machen. In Gesprächen, an denen Eurowings, ver.di und UFO beteiligt waren, wurde versucht, die Verhandlungen gemeinsam mit der UFO zu führen.

„UFO war zu keinerlei Kompromissen bereit, obwohl mehrere Einigungsvor-schläge gemacht wurden. Sogar zu gemeinsamen Manteltarifvertragsverhand-lungen haben wir uns bereit erklärt, um auch die UFO-Themen abzudecken“, kritisiert ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. „Wir bedauern das für die Beschäftigten und die Fluggäste sehr, weil es dringend notwendig wäre, Ruhe im Konzern zu erhalten.“ Behle wies darauf hin, dass UFO seit fast acht Jahren keine tabellenwirksamen Tariferhöhungen für die Beschäftigten erreichen konnte und daher viele Beschäftigte in ver.di eingetreten seien und sie aufgefordert hätten, eine Tariferhöhung zu erzielen. „Die UFO sieht jetzt angesichts des sehr guten ver.di-Abschlusses ihre Felle davon schwimmen und hat deshalb die Eurowings unter Druck gesetzt, die nach langem Ringen erzielte Einigung zwischen ver.di und Eurowings zu unterlaufen – auf Kosten der Beschäftigten, die sich über unseren Abschluss sehr freuen.“

Als Druckmittel seien anscheinend offene Tarifverträge zwischen UFO und der Lufthansa-Gruppe herangezogen worden. Es sei sehr bedenklich, zu welchen Mitteln gegriffen wurde, nur um ver.di als Tarifpartner zu verhindern. Dennoch habe ver.di alles versucht, um gemeinsame Lösungen zu finden. UFO habe dieses kategorisch abgelehnt.

Trotz dieser problematischen Situation sei es erfreulich, dass der Vergütungstarifvertrag jetzt in Kraft trete und die Beschäftigten von einer deutlichen Gehaltserhöhung profitieren würden.

Am Montag, dem 12. Dezember 2016 hatten sich in einer Mitgliederbefragung mehr als 94 Prozent aller ver.di-Mitglieder bei Eurowings für die Annahme des Ergebnisses ausgesprochen. ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, Bundesvorstand

Umfrage zum Pilotenstreik: VDR-Unternehmen beklagen hohe Mehrkosten und Geschäftsausfälle

Eine aktuelle Mitgliederumfrage des Verbands Deutsches Reisemanagement e. V. (VDR) zum Tarifkonflikt zwischen der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) und der Lufthansa verdeutlicht einmal mehr die immense Verantwortung, die beide Streikparteien für die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft tragen.

„Die Ergebnisse unserer Mitgliederbefragung zeigen deutlich, dass Pilotenvereinigung Cockpit und Lufthansa die Streikpause nutzen sollten, um sich ihrer großen Verantwortung für die deutsche Wirtschaft endlich bewusst zu werden. Mit jedem weiteren Streiktag schaden die Piloten nicht nur massiv ihrem eigenen Ansehen, sondern sägen auch an dem Ast, auf dem sie sitzen“, sagte VDR-Präsident Dirk Gerdom in Frankfurt. Die deutschen Unternehmen bräuchten Verlässlichkeit bei der Planung ihrer nationalen und internationalen Reisetätigkeiten. „Wenn dies künftig aufgrund regelmäßig zu erwartender streikbedingter Ausfälle nicht mehr gewährleistet ist, müssen sich Unternehmen nach Alternativen umsehen, was auch bereits geschieht“, erklärte Gerdom mit Blick auf die Ergebnisse der Blitzumfrage.

Für knapp die Hälfte der befragten Unternehmen ist Lufthansa der mit Abstand wichtigste Flugcarrier ihrer Geschäftsreisenden. Bei den betreffenden Unternehmen entfallen mehr als 50 Prozent des gesamten Flugbuchungsvolumens auf die größte deutsche Airline. Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass aufgrund des Streiks Geschäftstermine abgesagt werden mussten, weil Mitarbeiter nicht an ihr Ziel gebracht werden konnten. Schwierigkeiten bekommen Unternehmen und ihre Geschäftsreisenden insbesondere auf den Flugstrecken, wo Lufthansa einziger Anbieter von Direktverbindungen ist, etwa innereuropäisch Frankfurt-Genf und Frankfurt-Kopenhagen sowie auf zahlreichen interkontinentalen Relationen.

„Es ist davon auszugehen, dass sich dieses Problem angesichts der angekündigten Konsolidierungen auf dem deutschen Airline-Markt zukünftig weiter verschärfen wird. Zudem schlagen andere Airlines aus dem Arbeitskampf Kapital, indem sie an Lufthansa-Streiktagen ihre Tickets zu deutlich überhöhten Preisen veräußern – zum weiteren Nachteil der Geschäftsreisenden“, ergänzte Gerdom.

Zwar sei es knapp 80 Prozent der befragten Unternehmen gelungen, ihre Reisenden auf andere Verkehrsmittel umzubuchen, allerdings mit zum Teil erheblichen Mehrkosten. Dabei rissen nicht nur Umbuchungs- und Stornierungskosten sowie erneute Transaktionsentgelte ein Loch in die Reisebudgets der Unternehmen, sondern auch Produktivitätseinbußen. So erklärten knapp 40 Prozent der Befragten, dass ihrem Unternehmen durch den Ausfall von Geschäftsabschlüssen weiterer finanzieller Schaden entstanden sei, nur rund elf Prozent verneinten dies.

„Neben dem finanziellen Aspekt rechnen wir zudem mit einem erheblichen Imageschaden für weitere Prozessbeteiligte. Gerade die beiden größten deutschen Flughäfen Frankfurt und München mit ihrer immensen Bedeutung für Geschäftsreisende erleiden als Drehkreuze einen noch nicht zu beziffernden Reputationsverlust – mit negativen Folgen für die gesamte deutsche Wirtschaft“, so Gerdom weiter. VDR Verband Deutsches Reisemanagement e.V.

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