NRW-Innenminister Ralf Jäger: Volksseuche Handy beim Autofahren

Autobahnen fordern immer mehr Todesopfer

Innenministerium NRW: Vergangenes Jahr starben mehr Menschen auf den NRW-Autobahnen. Minister Jäger: „Ablenkung führt immer öfter zu Unfällen. Innenminister Jäger und die Polizeigewerkschaft GdP haben recht: Wir brauchen konsequentere Kontrollen gegen zu schnelles Fahren auf Autobahnen und gegen zu enges Auffahren.“

NRW-Innenminister Ralf Jäger: Volksseuche Handy beim Autofahren

NRW sollte also ähnlich wie die Niederlande problematische Strecken praktisch automatisch überwachen. Es sollten auch halbstationäre Radarfallen häufiger eingesetzt werden: Bei einem Projekt auf der A 3 in einer Baustelle bei Mettmann wurden zehntausende Temposünder erwischt, als eine kleine Radarfalle auf einem Anhänger aufgestellt wurde. Nun werden zwei weitere Anlagen von der Polizei in NRW ausprobiert.

Es sollten mehr werden: Wenn moderne Technik schon erlaubt, solche Geräte für relativ wenig Geld und ohne Personaleinsatz aufzustellen, sollten sie zur Abschreckung häufiger genutzt werden. Auch wir Bürger sollten Technik für die Sicherheit nutzen: Wenn 2016 in NRW 164.000 Fahrer erwischt wurden, weil sie ein Handy ohne Freisprecheinrichtung oder Headset nutzten, zeigt dies eine gewisse Ignoranz: Nur rund 50 Euro kostet ein per Funktechnik Bluetooth betriebenes Headset. Die Tonqualität ist exzellent, wählen per Sprachbefehl ist möglich. Zu teuer? Ein „Knöllchen“ kostet 60 Euro, ein Unfall kann Menschenleben kosten – auch unser eigenes. Reinhard Kowlewsky – Rheinische Post

Gefährder im Straßenverkehr

Vergangenes Jahr starben mehr Menschen auf den NRW-Autobahnen als 2015. Die Zahl der auf Autobahnen Getöteten lag mit 80 rund ein Drittel über der des Vorjahres. „Auf der Autobahn wird mit harten Bandagen gekämpft. Das spiegelt sich in der Unfallstatistik wider“, sagte Innenminister Ralf Jäger. Ende März kontrolliert die NRW-Polizei deshalb ganz gezielt auf Autobahnen für mehr Sicherheit. „Es gibt drei Todsünden auf der Autobahn“, warnte Jäger: „Zu hohe Geschwindigkeit, Ablenkung und zu geringer Sicherheitsabstand.“

Zu den häufigsten Unfallursachen insgesamt zählt neben überhöhter Geschwindigkeit immer öfter die Ablenkung. „Geschwindigkeit bleibt der Killer Nummer 1“, sagte der Minister. In 163 Fällen war zu hohe Geschwindigkeit 2016 für tödliche Unfälle mitursächlich – jeder dritte Verkehrstote fiel ihr damit zum Opfer. Immer häufiger stellt die NRW-Polizei fest, dass Unfallopfer abgelenkt waren. Zum Beispiel durch den Blick aufs Smartphone. „Vielen ist noch immer nicht klar, wie gefährlich selbst ein kurzer Blick aufs Display ist. Während der Fahrt online, bedeutet vielleicht für immer offline“, warnte Jäger.

Gerade Handy-Vergehen blieben viel zu oft ungesühnt. „Und wenn nichts passiert, wird so ein Verhalten auch nicht abgestellt“, erläuterte der Minister. NRW setzt deshalb neben Prävention und Aufklärung vor allem auf empfindliche Strafen. Dazu fehle es bislang an tauglichen Gesetzen. „Die Straßenverkehrsordnung hinkt der Technik von heute hinterher“, sagte Jäger. So könne, wer in einem Auto mit Start-Stopp-Automatik an der Ampel sitze, ungestraft mit dem Smartphone hantieren. „Diese Schlupflöcher müssen schnell gestopft werden“, so Jäger.

Die Zahl der Unfalltoten insgesamt in NRW ist 2016 im Vergleich zum Vorjahr um einen Menschen auf insgesamt 523 Menschen gestiegen. Mit rund 13.600 Schwerverletzten gab es 2,9 Prozent mehr als 2015. Gleichzeitig kamen weniger Motorradfahrer ums Leben: 75, das bedeutet einen Rückgang um rund elf Prozent. 69 Menschen starben bei Radunfällen. 104 Fußgänger kamen zu Tode – rund 16 Prozent weniger als im Vorjahr. „Jeder Verkehrstote, jeder Verletzte ist einer zu viel“, sagte Jäger. „Deshalb dürfen wir nicht nachlassen, bei der Sicherheit nach dem bestmöglichen Standard zu streben: Verkehrsteilnehmer, die Industrie, aber auch Verbände und Behörden.“

Auf dem höchsten Stand seit fünf Jahren ist die Zahl der getöteten Pkw-Insassen. Sie stieg 2016 um 30 auf 225. Das entspricht einem Anstieg von 15 Prozent. „Die folgenschwersten Unfälle passieren also keineswegs nur vor dem Auto“, so Jäger. Auch moderne passive Sicherheitssysteme schützen nicht, wenn die Insassen nicht angeschnallt sind. „Wer sich ins Auto setzt, muss sich anschnallen. Egal wie kurz die Fahrt ist“, mahnte der Minister. Ministerium für Inneres und Kommunales Pressestelle Ministerium für Inneres und Kommunales

Wer ein Fahrzeug führt, darf ein Mobil- oder Autotelefon nicht benutzen, wenn hierfür das Mobiltelefon oder der Hörer des Autotelefons aufgenommen oder gehalten werden muss.“ So lautet ein Satz im Paragraf 23 der Straßenverkehrsordnung (StVO). Wer ein Smartphone heutzutage auch nur von weitem gesehen hat, weiß, wie antiquiert diese Bestimmung ist. Sie stammt aus einer Zeit, als Handys so groß wie Ziegelsteine waren und nur zum Telefonieren genutzt wurden. NRW-Innenminister Jäger hat recht: Die Straßenverkehrsordnung hinkt der Technik hinterher und muss schnellstmöglich der heutigen Zeit angepasst werden. Längst ist das Telefonieren beim Smartphone zur Nebensache und das Schreiben von Kurznachrichten zur Hauptsache geworden. Und wer auf der Autobahn bei einer Geschwindigkeit von 130 Stundenkilometern oder noch mehr mal schnell eine Whats-App-Nachricht schreibt, der befindet sich beim Blick auf das Handy-Display schnell für 100 Meter oder noch mehr im lebensgefährlichen Blindflug.

Anderes Beispiel: Die StVO verbietet das Telefonieren nicht, wenn der Motor ausgeschaltet ist. Heute haben viele Autos eine Automatik, bei der sich der Motor ausschaltet, sobald das Fahrzeug an der Ampel oder am Stoppschild anhält. Wer dann telefoniert, macht sich also nicht strafbar. Auch hier ist die StVO überholt. Die Unfallstatistik der NRW-Polizei macht deutlich, dass von den abgelenkten Smartphone-Nutzern immer mehr Gefahr, tödliche Gefahr im Straßenverkehr ausgeht. Häufig aber kann die Polizei die Gefährder nicht belangen, weil sie sich aufgrund der veralteten Bestimmungen der StVO zu oft herausreden können. Innenminister Jäger ist deshalb zu wünschen, dass er sich mit seiner Forderung nach einer Anpassung der StVO bei seinem Ministerkollegen möglichst schnell durchsetzt. Auch die sprunghaft ansteigende Zahl der Todesopfer auf den Autobahnen insgesamt erschreckt. Wer häufig auf Autobahnen unterwegs ist, weiß, dass auf den Überholspuren immer mehr gerast und gedrängelt wird. Viel zu viele Autofahrer gehen einfach zu viel Risiko ein. In Frankreich, Holland, Belgien, Österreich, Schweiz oder Italien, um nur einige Länder zu nennen, gelten Tempolimits, um den Verkehr auf den Autobahnen sicherer zu machen. Doch dieses Thema anzuschneiden, dazu fehlt dem NRW-Innenminister zwölf Wochen vor der Landtagswahl dann doch der Mut. Lothar Schmalen, Düsseldorf – Neue Westfälische

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