Rentner mit Minijob:Ein Gradmesser für zunehmende Altersarmut

81 Prozent der Deutschen sind zufrieden mit ihrer finanziellen Situation

Gedacht waren Minijobs zu Zeiten der Hartz-Reformen einmal als Sprungbrett in Vollzeitbeschäftigung. Heute wissen wir: eine Fehleinschätzung. Das gilt übrigens auch für die Leih- oder Zeitarbeit. Auch hier ist der sogenannte Klebeeffekt gering. In Bezug auf Rentner ist dieser Aspekt nachrangig.

Rentner mit Minijob:Ein Gradmesser für zunehmende Altersarmut

Eine Vollzeitstelle streben die meisten Senioren wohl kaum mehr an. Viele von ihnen dürften zwar längst keine Lust mehr auf Arbeit im Alter haben, sind aber darauf angewiesen – jedenfalls, wenn sie gesellschaftlich nicht isoliert sein wollen. Der agile Akademiker, der seine Kompetenz der Gesellschaft nicht vorenthalten will, dürfte eher die Ausnahme sein. Die Renten reichen etlichen, und zwar vor allem Frauen, kaum für einen sorgenfreien Lebensabend. Dabei ging es der aktuellen Rentnergeneration nie besser als heute. Durchschnittlich. Klingt paradox, ist aber bittere Realität. Die Politik produziert gerade durch Unterlassen eine immer größer Gruppe von Menschen, die absehbar in der Altersarmut landen.

Was ist zu tun? Basis für eine ausreichende Rente sind ausreichende Löhne. Ein Minijob hilft da nicht die Bohne. Die gesetzliche Rente muss mindestens stabilisiert werden. Das kostet die Allgemeinheit viel Geld. Lässt sie es, kostet es aber wohl nicht weniger – die Belastungsverteilung über die Grundsicherung wäre nur eine andere. Auch die betriebliche Altersvorsorge muss attraktiver werden – gerade in kleinen und mittleren Unternehmen. Sie können für diesen Zweck nicht riesige Summen zurückstellen. Hier fehlt eine gesetzliche Absicherung. Die Politik wird bald Vorschläge machen müssen. In NRW dürfte im Superwahljahr 2017 besonders genau hingesehen werden. Das Austarieren wird alles andere als ein Minijob. Jens Helmecke – Westfalenpost

Alt. Arm. Ausgegrenzt? Altersarmut und das Recht auf Teilhabe

Bei keiner anderen Bevölkerungsgruppe wächst die Armut so rasant wie bei den Älteren. Rund 3,4 Millionen Rentner gelten als arm. Der Grund: Immer mehr Menschen mit einer gebrochenen Erwerbsbiografie, die langzeitarbeitslos waren oder im Niedriglohnsektor gearbeitet haben, kommen ins Rentenalter.

Das „Drei-Säulen-Modell“ für den Lebensabend aus gesetzlicher und betrieblicher Rente sowie privater Vorsorge mag zwar wünschenswert sein, ist aber für viele oft „unrealistisch“, sagt der Sprecher der Nationalen Armutskonferenz, Frank Johannes Hensel. Das Modell „ging und geht an den Lebenswirklichkeiten vieler Menschen vorbei“, schreibt er in seinem Beitrag zum Themenschwerpunkt der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins ProAlter „Alt. Arm. Ausgegrenzt? Altersarmut und das Recht auf Teilhabe“.

Denn Altersarmut ist mehr als eine Frage der Einkommensarmut, betont der Vorstandsvorsitzende des Kuratoriums Deutsche Altershilfe, Frank Schulz-Nieswandt. Arm zu sein bedeute nicht nur, über wenig Geld zu verfügen. Einkommensarmut schränkt die grundrechtlich verbürgte Chance auf gesellschaftliche Teilhabe ein. Seniorengenossenschaften – wie auch andere Formen der gemeinschaftlichen Alltagsgestaltung – könnten dazu beitragen, zumindest das soziale Ausgegrenzt-Sein zu mindern, sagt Frank Schulz-Nieswandt.“ Dagmar Paffenholz, Simone Helck – Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA)

Die Generation 50Plus blickt skeptisch in die Zukunft

Vier von fünf Bundesbürgern schätzen ihre finanzielle Situation als „gut“ bis „sehr gut“ ein. Überdurchschnittlich zufrieden sind Immobilienbesitzer und Deutsche, die in einer Partnerschaft leben. Jeder zweite Bundesbürger glaubt außerdem, dass sich seine Liquidität in naher Zukunft verbessern wird. Nur die Altersgruppe 50Plus teilt diesen Optimismus nicht. Im Gegensatz zu den Jüngeren geht sie davon aus, dass sich ihre finanzielle Situation in den kommenden drei bis fünf Jahren verschlechtern wird. Das sind Ergebnisse der Studie „Liquidität 50Plus“ im Auftrag von easyCredit in deren Rahmen 1.000 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren repräsentativ befragt wurden.

Insgesamt 81 Prozent der deutschen Bevölkerung sind zufrieden mit der eigenen finanziellen Situation. Die höchste Zufriedenheitsrate entfällt dabei auf die Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen (85 Prozent), gefolgt von Vertretern der Generation 50Plus (81 Prozent). Von den 18- bis 29-Jährigen schätzen drei Viertel der Befragten ihre finanzielle Lage als positiv ein.

Die hohe Zufriedenheit der Deutschen beweist vor allem der Blick auf das easyCredit-Liquiditätsbarometer, das die Stimmung zur finanziellen Situation der Bevölkerung erfasst. Hier gilt: Je höher der Index, desto größer die Zuversicht. So liegt der Indexwert in der Gruppe der über 50-Jährigen mit 15,53 Punkten weit unter dem der nachfolgenden Generationen, der im Mittel 37,75 Punkte ausmacht. Am größten ist die Zuversicht in der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen. Sie ist derzeit mit ihrer finanziellen Situation zwar weniger zufrieden als die Gruppe der Älteren, weist aber mit 40,86 Punkten den höchsten Liquiditätsindex im Vergleich aller Altersgruppen auf.

Auch im Hinblick auf die Zukunft herrscht weitgehend Optimismus: Die Hälfte aller Befragten glaubt, dass sich ihre finanzielle Situation in den kommenden drei bis fünf Jahren tendenziell verbessern wird. Nur jeder fünfte Deutsche (22 Prozent) geht von einer Verschlechterung seiner Liquidität aus. Für 26 Prozent der Befragten wird sich ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren nichts an ihrer finanziellen Lage ändern. „Diese insgesamt positive Einschätzung der deutschen Bevölkerung im Hinblick auf ihre finanzielle Situation ist ganz augenscheinlich der anhaltend stabilen wirtschaftlichen Lage und der niedrigen Arbeitslosigkeit in Deutschland geschuldet“, sagt Alexander Boldyreff, Vorstandsvorsitzender der TeamBank AG, die den easyCredit anbietet.

Diese allgemeine Zuversicht spiegelt sich auch im Konsumverhalten wider. So planen über zwei Drittel aller Deutschen (69 Prozent) in den kommenden zwölf Monaten auf Reisen zu gehen. Für 57 Prozent der Befragten steht die Verschönerung ihres Zuhauses an erster Stelle, fast ebenso viele (53 Prozent) wollen finanziell für die Zukunft vorsorgen. Etwa die Hälfte (48 Prozent) will ihr Geld für Gesundheits- und Pflegeleistungen ausgeben. Insgesamt 44 Prozent wollen sich „einen gewissen Luxus“ gönnen, mehr als jeder Sechste würde sich gerne ein neues Auto kaufen. Die jeweilige Lebensphase bestimmt dabei die Priorisierung. Während die unter 50-Jährigen vergleichsweise höhere Ausgaben zur finanziellen Absicherung und Vorsorge planen oder sich Luxus gönnen wollen, investieren Vertreter der Generation 50Plus lieber in Gesundheits- und Pflegeleistungen. Hier ist die Ausgabebereitschaft im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen.

Hinter der guten Stimmung verbirgt sich jedoch ein Paradox: Während neun von zehn der unter 30-Jährigen ihre finanzielle Zukunft positiv einschätzen, glaubt nur rund jeder Vierte (27 Prozent) der finanziell derzeit besonders zufriedenen Generation 50Plus an bessere Zeiten für sein Bankkonto. „Bei den über 50-Jährigen scheint die anhaltende Diskussion über mögliche Altersarmut bereits ihren Tribut zu zollen. Im Gegensatz dazu sind bei den Leuten unter 30 diese Sorgen noch sehr weit weg“, so Boldyreff. „Diese Ergebnisse zeigen, dass es trotzdem empfehlenswert ist, in jeder Lebensphase bei der Planung seiner Ausgaben auch die mittel- bis langfristige Zukunft im Blick zu haben.“ Dabei geben mehr als zwei Drittel (72 Prozent) der über 50-Jährigen an, eigentlich ein gutes Gefühl hinsichtlich der Altersvorsorge zu haben. Sie glauben darüber hinaus auch, sich in Finanzdingen gut auszukennen. Dagegen liegt das Finanzwissen der unter 30-Jährigen mit 66 Prozent um sechs Prozentpunkte unter dem Gesamtdurchschnitt.

Hintergrundinformationen: Die Studie „Liquidität 50Plus“ untersucht Liquidität und Kreditaufnahme der Generation 50Plus im Vergleich zur deutschen Gesamtbevölkerung. Im Juni 2016 befragte das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag von easyCredit 1.000 Personen im Alter von 50 bis 79 Jahren. Die Interviews der repräsentativen Bevölkerungsbefragung wurden mit der Methode des Computer Assisted Telephone Interview (CATI) durchgeführt. Zusammen mit der Befragung wurde das easyCredit-Liquiditätsbarometer ermittelt, welches die Stimmung zur finanziellen Situation der Bundesbürger erfasst. Ute Scharnagl – easyCredit

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