Streit mit Angela Merkel? – Alternative Fakten: Psychologische Grundlagen einer postfaktischen Diskussionskultur

Horst Seehofer und Sigmar Gabriel über ihre Auseinandersetzungen mit der Bundeskanzlerin

Spätestens seit der letzten Bundestagswahl kann man in Deutschland wohl von einer ‚Ära Merkel‘ sprechen. Denn die gegenwärtige politische Kultur der Bundesrepublik ist stark auf die Kanzlerin selbst zentriert; neben ihr scheint kaum etwas anderes oder jemand anders Platz zu haben. Ähnlich wie vorher bereits die Ära Adenauer oder die Ära Kohl ist auch die Ära Merkel durch einen spezifischen Politikstil gekennzeichnet.

Streit mit Angela Merkel? – Alternative Fakten: Psychologische Grundlagen einer postfaktischen Diskussionskultur

In der Öffentlichkeit gilt Angela Merkel als Politikerin, die ihre Gefühle stets unter Kontrolle hat. Mit dem Finger auf den politischen Gegner zu zeigen, scheint national wie international immer beliebter zu werden. Ohne der Öffentlichkeit handfeste Beweise vorzulegen, werden in der Regel „informierte Kreise“ und „Experten“ zitiert. In der ARD-Dokumentation „Das Duell – Merkel gegen Schulz“ des Dokumentarfilmautors Stephan Lamby, die Das Erste am 12. September 2017, 22:45 Uhr, ausstrahlt, berichten Horst Seehofer und Sigmar Gabriel offen über ihre Auseinandersetzungen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

In der Öffentlichkeit gilt Angela Merkel als Politikerin, die ihre Gefühle stets unter Kontrolle hat. CSU-Chef Horst Seehofer und Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) kennen die Bundeskanzlerin aber auch anders. Beide haben mit Angela Merkel zahlreiche Auseinandersetzungen erlebt. In der Dokumentation „Das Duell – Merkel gegen Schulz“ geben Seehofer und Gabriel Auskunft über ihre Konflikte mit Angela Merkel. Auf die Frage „Wie hat man sich Streit mit Angela Merkel vorzustellen?“ antwortet Horst Seehofer: „Das ist schon erbittert. […] Mit taktischen und strategischen Überlegungen auf jeder Seite. Manchmal auch unter Benutzung der Medien. […] Wenn es unterschiedliche Meinungen gibt, ist sie mit Abstand die konsequenteste und härteste Verhandlungspartnerin, die man sich vorstellen kann.“

SPD-Chef Gabriel über Merkel

Und Sigmar Gabriel berichtet: „Sie kann zu fortgeschrittener Stunde ein bisschen aggressiver werden. Vor allem, wenn es lange dauert, ist sie ungeduldig.“ In dem Interview für die ARD-Dokumentation äußert sich der langjährige SPD-Chef Sigmar Gabriel jedoch auch sehr wohlwollend über Angela Merkel: „Der Umgang mit ihr innerhalb der Regierung ist sehr angenehm. Das Problem ist immer, dass sie mit ihren eigenen Leuten mehr Schwierigkeiten hat als mit uns.“

Die 60-minütige Dokumentation „Das Duell – Merkel gegen Schulz“ von Autor Stephan Lamby wurde im Auftrag von SWR, NDR und RBB hergestellt und wird am kommenden Dienstag, den 12. September um 22:45 Uhr im Ersten ausgestrahlt. SWR – Das Erste

Merkel im Wahlkampf Fehlende Wahrhaftigkeit

Am 24. September, 18 Uhr, zeitgleich mit der ersten Prognose über den Ausgang der Bundestagswahl, wird Angela Merkel wissen, wie es ist, wenn man auf dem vierten und letzten Kanzlerinnen-Gipfel steht: Rundum geht es nur noch bergab. Vor Monaten war man bereits im Schlafwagen zur Macht und träumte von einer absoluten Mandatsmehrheit. Mittlerweile bewegt sich die Union in Umfragen eher in die Richtung, die man aus der Schlussphase von Helmut Kohl kennt. Und das bei einer historisch schwachen SPD, bei glänzenden wirtschaftlichen Ausgangsbedingungen und bei fehlender Wechselstimmung. Im Schlagschatten von Merkels Welt bildet sich gerade eine gefährliche Mixtur, die Knall auf Fall ihr Machtprinzip einer Politik auf Sicht platzen lassen könnte.

Die SPD versucht ihre Kraft als realistische Kanzleralternative wiederherzustellen. Der Rest der Konkurrenz macht einen eher windigen Eindruck. Insbesondere auf Ostdeutschlands Straßen und Plätzen hat sich eine irre Hassplattform gebildet. Dort zeigt sich eine Generation der mittelalten Bürger, die für Politik kaum noch zu erreichen ist. Ganz nebenbei droht Deutschland damit im nächsten Bundestag auch eine neue Debatte über eine gespaltene Republik. Und in den wichtigen Zukunftsfragen ist die Berliner Politik eingeduselt, weil es immer hieß, am erfolgreichsten sei man, wenn „auf Sicht“ gefahren werde. In einem scheinbar mutigen Akt der Klarheit versprach Merkel im TV-Duell mit Schulz, dass mit ihr die Rente mit 70 nicht infrage komme. Gedacht war dies als Beweis dafür, dass keine Politik der sozialen Kälte auf die Bürger zukäme. Tatsächlich haben viele es wohl so verstanden, wie es wirklich ist: Vor der Wahl wird verschwiegen, was nach der Wahl gemacht werden muss.

Denn an der Demografie und an der längeren Lebenserwartung bei immer mehr Rentnern und weniger Beitragszahlern kommt auch kein Antwortverweigerer vorbei. Eine Politik ohne Tabus und ohne Dogmen tut not. Ein alter Konservativer wie Wolfgang Schäuble weiß das. Ein Ministerpräsident wie Stanislaw Tillich sagt das. Und eine Kanzlerin wie Angela Merkel verweigert genau diese Pflicht der Politik zur Wahrhaftigkeit. So schürt man unterm Strich bei denen, die dabei sind, sich aus dem Dialog zu verabschieden, den Eindruck, dass da oben in der Politik etwas nicht stimmen kann. Dieter Wonka, Berlin – Neue Westfälische

Fake News: Die Macht falscher Informationen

„Postfaktisch“ ist das Wort des Jahres 2016. Es ist ein etwas sperriges Wort, das man inzwischen gerne mal so dahinsagt. Es dient häufig zur Beschreibung dessen, was eigentlich so gar nicht hätte passieren dürfen, weil ja alle Fakten dagegen sprechen, dann aber doch so gekommen ist. Einziger Ausweg dazu wäre eine Politik, die erklärt und die bereit ist, auch Entscheidungen zu treffen, um das als notwendig Erkannte auch umzusetzen. Vieles davon passiert auch. Allein es kommt häufig zu spät, zu mutlos, zu wirkungslos, zu bürokratisch daher. Doch vielleicht ist schon bald „postmutlos“ das Wort des Jahres. Dann könnten wir die postfaktischen Zeiten schnell wieder hinter uns lassen. Straubinger Tagblatt

Bei Fake News handelt es sich um kein neues Phänomen, doch durch soziale Medien verbreiten sie sich einfacher und rascher. Rund die Hälfte der EU-Bürger bezieht ihre Nachrichten über soziale Medien und neigt dazu, diese ohne weitere Kontrolle weiterzuverbreiten: Sechs von zehn Nachrichtenmeldungen werden vom User, der sie teilt, gar nicht gelesen. Politische Propaganda und Hassreden im Internet stellen eine Bedrohung für unsere Gesellschaft dar.

Was sind Fake News?

Unter Fake News versteht man absichtlich, also gezielt lancierte Falschmeldungen (Desinformation und Hoaxes), die als Journalismus „getarnt“ werden, mit dem Ziel, Leser zu manipulieren. Fake News sind Teil des Trends der „postfaktischen Weltsicht“: Die Oxford Dictionaries haben das Wort „post-truth“, auf Deutsch „postfaktisch“, zum internationalen Wort des Jahres 2016 gewählt. („Postfaktisch“ ist auch in Deutschland zum Wort des Jahres 2016 gekürt worden). Dieses Adjektiv beschreibt „Umstände, in denen die öffentliche Meinung weniger durch objektive Tatsachen als durch das Hervorrufen von Emotionen und persönlichen Überzeugungen beeinflusst werde“.

Falschmeldungen sind kein neues Phänomen, doch durch die sozialen Netzwerke, mit ihren Instrumenten der Personalisierung und des Teilens, können sie sich rascher verbreiten. In den letzten drei Monaten des US-Präsidentschaftswahlkampfes haben virale Fake News ein höheres Engagement der Facebook-Nutzer ausgelöst als echte, reale Nachrichten. Eine der erfolgreichsten Falschmeldungen (Hoaxes) war, dass Papst Franziskus angeblich zur Wahl von Donald Trump aufgerufen habe. EU

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