Völlig verzockt: Lucke Fluch lastet über Petry

Die Jagd ist eröffnet

Frauke Petry und Marcus Pretzell hatten sich politisch gefunden, bevor sie ein Paar wurden. Die Bundesvorsitzende und der Landeschef – beide überehrgeizig und machtorientiert. Beide haben es übertrieben, ob nun inhaltlich oder zwischenmenschlich macht letztlich keinen Unterschied.

Völlig verzockt: Lucke Fluch lastet über Petry

Im Übrigen verstanden es beim Thema Flüchtlinge beide von Zeit zu Zeit gut, auch die scharfen Töne zu treffen. Zuletzt konnten sie die Mitglieder nicht mehr mitreißen, mit ihrem vermeintlich realpolitischen Kurs nicht und nicht mit ihrem Abgang. Sie haben sich verzockt. Sie wählten deshalb dafür keinen Parteitag, das wären unschöne Szenen geworden.

Drei Parteikollegen folgten ihrem Austritt bisher. Von einer Spaltung der AfD kann man also nicht sprechen. Im Gegenteil: Die Masse der Mitglieder wird der Abgang eher zusammenschweißen, die nach rechts nun weit offene AfD wird er stärken. Wähler wie Parteikollegen eint das Gefühl von Verrat. Ginge es Petry und Pretzell wirklich um Inhalte, hätten sie vor der Bundestagswahl gehen müssen und nicht erst nach Erreichen des Bundestagsmandats. Zusammen kommen der EU-Parlamentarier Pretzell und die sächsische Landtagsabgeordnete nun auf vier Mandate. Bleibt abzuwarten, was sie draus machen. Rheinische Post

Offen ist, was sie nun vorhat, auch das ist Teil der Dramaturgie. Vielleicht gründet sie wirklich eine neue Formation. In etlichen Landesverbänden und Landtagsfraktionen brodelt es, spalten sich AfD-Politiker ab oder treten aus, vielleicht kann sie auch ein paar Bundestagsabgeordnete für sich gewinnen. Doch das Versprechen einer „echten konservativen“ Politik ist nicht sonderlich attraktiv, das hat auch die CSU gerade erfahren müssen. Mitteldeutsche Zeitung

Die Jagd ist eröffnet

Seine AfD-Fraktion werde sie jagen, hat Alexander Gauland der kommenden Bundesregierung ausreichend martialisch angedroht. Nun, so wie es im Moment ausschaut, finden die ersten Jagden zunächst einmal innerhalb der Alternative für Deutschland statt. Frauke Petry und ihr Ehemann Marcus Pretzell treiben Gauland, Alice Weidel und Jörg Meuthen vor sich her. Oder ist es umgekehrt? Das Bild, das die AfD zwei Tage nach ihrem Wahlerfolg abgibt, ist verheerend. Viele Beobachter haben solche chaotischen Zustände durchaus erwartet. In diesem Fall handelt es sich aber offenbar um ein Chaos mit Ansage.

Bereits im April hat das Recherchezentrum „Correctiv“ von Plänen für eine erneute Spaltung der AfD nach den Wahlen in Nordrhein-Westfalen und im Bund berichtet. Ausgestattet mit den Mandaten – und auch mit den personellen und finanziellen Mitteln – aus den Parlamenten wolle das Lager um Petry und Pretzell die AfD-Fraktionen verlassen und eine neue Partei gründen, schrieb „Correctiv“. Was sich an den beiden vergangenen Tagen in der AfD abgespielt hat, spricht für die Qualität der Recherche. Und es spricht Bände über die Unfähigkeit dieser AfD, eine echte realpolitische Alternative rechts der Union zu sein.

Knapp 5,9 Millionen Menschen haben am Sonntag die AfD gewählt. Nur eine Minderheit von ihnen hat dies getan, weil ihr die völkisch-rassistischen Ausfälle einer Reihe von Parteigranden gefallen. Die Mehrheit der AfD-Wähler sind keine Rechtsextremen. Es sind Menschen, die die konservative Politik der früheren CDU vermissen und der angeblich gemäßigten Parteichefin Frauke Petry geglaubt haben, ihre AfD stünde dafür.

Bleiben wird nach den Jagdszenen in der AfD-Fraktion wohl ein weitgehend marginalisiertes Lager um Frauke Petry, eine größere Gruppe, die weiter auf eine bösartig-destruktive Politik gegen eine vorgebliche Überfremdung setzen wird. Und es bleiben vor allem viele AfD-Wähler, die ernüchtert feststellen müssen, dass mit ihren Stimmen Schindluder getrieben wird. Schwäbische Zeitung

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