Albers unter Druck: Personelle Konsequenzen im Kölner SEK-Skandal

Opposition fordert Rücktritt von Kölns Polizeipräsident Albers

Der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers zieht neue personelle Konsequenzen aus den Skandalen seiner Spezialeinheiten. Der Leiter der Kölner Spezialeinheiten, Uwe Marquardt, wird von seinen Aufgaben entbunden. Das berichtet die „Rheinische Post“ unter Berufung auf Quellen aus dem NRW-Innenministerium und aus dem Polizeipräsidium Köln. Außerdem soll der Chef der drei Kölner Spezialeinsatzkommandos (SEK) seinen Posten mit dem Chef der Mobilen und Technischen Einsatzgruppe (MEK/TEG) tauschen.

Albers unter Druck: Personelle Konsequenzen im Kölner SEK-Skandal

Wegen der Demission seines Spezialeinheiten-Chefs und der Auflösung eines Spezialeinsatzkommandos fordert die Opposition in NRW erstmals den Rücktritt des Kölner Polizeipräsidenten Wolfgang Albers. Der Polizeiexperte der CDU im Landtag, Gregor Golland, sagte: „Mit diesen Personalentscheidungen erkennt Albers an, dass es in seinem Haus gravierende Missstände gibt. Es ist unfair, für dieses Führungs- und Organisationsversagen nur die untersten Hierarchie-Ebenen zu belangen. Albers muss auch selbst Konsequenzen ziehen und zurücktreten.“

Kölner Polizeipräsident Albers: „SEK-Skandal noch lange nicht erledigt“

Der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers drängt auf weitere Ermittlungen gegen die Beteiligten eines erniedrigenden Aufnahmerituals bei einem Kölner Spezialeinsatzkommando (SEK). „Hier wurde ein Ritual von Beamten in Dienstgebäuden abgehalten, das den Feststellungen der Staatsanwaltschaft zufolge zum Teil im Widerspruch zu dem Menschenbild stand, das genau diese Polizeibeamten verteidigen müssen“, sagte Albers. Deshalb habe sich „der Vorgang auch noch lange nicht erledigt. Strafrechtlich möglicherweise auch noch nicht“. Die Staatsanwaltschaft Aachen hatte die Ermittlungen in dieser Sache in der vergangenen Woche eingestellt. Disziplinarisch wird aber weiter gegen die Beamten ermittelt. Albers: „Nur, weil die Staatsanwaltschaft keine strafrechtlich relevanten Schlüsse zieht, heißt das noch lange nicht, dass ich als Polizeipräsident ein solches Verhalten dulden darf.“

Mit seiner konsequenten Aufklärung des Ritual-Skandals und der Brückenfoto-Affäre hat Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers lange alles richtig gemacht. Bis jetzt. Auf einmal löst er das Spezialeinsatzkommando (SEK) auf, das zwei Kollegen gedemütigt haben soll. Und opfert seinen Spezialeinheiten-Chef. Was ist daran falsch? Der Zeitpunkt. In beiden Fällen ist das interne Disziplinarverfahren noch nicht abgeschlossen. Auch die Staatsanwaltschaft hat erst in einem der beiden Fälle ausermittelt.

Zudem liegt der Bericht des Sonderermittlers noch nicht vor, den Albers selbst eingeschaltet hatte. Auf welcher Grundlage also lässt er jetzt schon Köpfe rollen? Weil er das derzeit weder der Öffentlichkeit noch den Betroffenen erklären kann, entsteht nun ein Bauernopfer-Mythos. Unter seinen 5000 Polizisten heißt es bereits, Albers sei nervös geworden. Er stehe unter dem Druck des Innenministers und habe Kollegen ans Messer geliefert, um von sich abzulenken. Das muss nicht stimmen. Aber die Diskussion schwächt ihn trotzdem. Albers ist jetzt angreifbar.

Gewerkschaft der Polizei verurteilt Auflösung von Kölner SEK

Wegen der Auflösung einer Kölner SEK-Einheit greift der NRW-Chef der Gewerkschaft der Polizei, Arnold Plickert, den Kölner Polizeipräsidenten Wolfgang Albers an: „Die Auflösung der SEK-Einheit in Köln ist eine Vorverurteilung der betroffenen Beamten. Dafür habe ich kein Verständnis“, sagte Plickert. Albers reagierte mit der Maßnahme auf einen mutmaßlichen Mobbing-Vorgang im Zusammenhang mit einem umstrittenen Aufnahmeritual bei dem Kölner SEK. Plickert sagte der Redaktion: „Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen in dieser Sache eingestellt, und die disziplinarischen Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Deshalb ist die Auflösung des SEK zum jetzigen Zeitpunkt völlig unangemessen.“ Rheinische Post

Gebrochener Korpsgeist: Auflösung der Kölner SEK-Einheit

Medial hart angeschossen war Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers bereits im vorigen Jahr, nachdem einige Neonazis bei der Krawallveranstaltung „HoGeSa“ gesoffen und randaliert hatten. Jetzt steht er in der Kritik, weil er den Ergebnissen eines disziplinarrechtlichen Verfahrens vorgegriffen und eine Einheit von Elitebeamten aufgelöst hat. Er schuf Fakten, statt die Ermittlungen rechtlich sauber zu Ende zu führen. In seiner Berufsauffassung gilt Albers als ziemlich korrekt. Jedenfalls zieht er ein exzellent ausgebildetes Kommando nicht leichtfertig aus dem Verkehr. Es gab nun mal die Beschwerde der geschädigten Anwärter, gravierende Vorwürfe, die mindestens von einem fragwürdigen Männlichkeitsbild einiger erlesener Polizisten zeugen.

Welch entrücktes Selbstverständnis manche Beamte außerdem haben, hatte sich bereits gezeigt, als sich einer der Polizisten trotz vierstündiger Vorlaufzeit im Hubschrauber zum Einsatzort Düsseldorf fliegen ließ – aus Ostwestfalen-Lippe. Formal liegt die Gewerkschaft der Polizei nun gewiss richtig, wenn sie die Beamten mit Hinweis auf die eingestellten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft verteidigt. Am Ende dürfte es alle SEK-Anwärter sehr zufriedenstellen, dass der Korpsgeist dieses Mal gebrochen wurde. Wie sich das Kommando derart verselbstständigen konnte, bleibt indes aufzuklären. Von Florian Pfitzner Neue Westfälische

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