Der Partei fehlt der Mut: Solo für Peer – Lage der SPD

Peer Steinbrück spritzt toxischen Wirkstoff

Ob Peer Steinbrück jemals ein Grund war, SPD zu wählen, werden selbst Sozialdemokraten gelegentlich bezweifeln. Jetzt aber könnte es so weit sein. Denn selbst Abtrünnige werden ins Grübeln kommen, wenn sie hören, was der im Jahr 2013 kläglich gescheiterte Ex-Kandidat an arroganter Häme ausgießt über „seine“ Partei. Wer von diesem Mann in dieser Weise angegriffen wird, kann so schlecht eigentlich nicht sein. Die beste Strafe für Steinbrück wäre es, wenn die SPD die Wahl gewänne, bevor der Großsprecher endlich aus der Partei ausgetreten ist. Frankfurter Rundschau

Der Partei fehlt der Mut: Solo für Peer – Lage der SPD

An Peer Steinbrücks Analyse ist im Grunde wenig falsch. Ja, die SPD hat sich auf dem Höhepunkt der Schulz-Welle an sich selbst und ihrer eigenen Geschlossenheit – 100 Prozent! – berauscht, ohne daraus brauchbare Botschaften für die Außenwelt zu entwickeln. Ja, nur mit sozialer Gerechtigkeit zieht kein Genosse ins Kanzleramt ein. Ja, rot-rot-grüne Aussichten haben viele Saar-Wähler verschreckt. Noch nicht einmal der Tonfall kann überraschen – dass er viele Genossen für „Heulsusen“ hält, damit hat Steinbrück die Partei schon einmal gegen sich aufgebracht. Bleibt nur die Frage: Warum kommt er damit jetzt?

Wenn er alles vorher gewusst hat – warum hat er es nicht intern kundgetan? Ein wohlgemeinter Rat von einem, der zwar wenig Erfahrung im Gewinnen, aber immerhin damit hat, wie man eine hoffnungsvoll gestartete Kampagne an die Wand fährt. So hätte ein Mannschaftsspieler gehandelt. Das war Steinbrück aber noch nie. Sein Hinweis, er wolle ja nicht vom Spielfeldrand auf den Platz rufen, ist an Heuchelei kaum zu überbieten. Nichts anderes tut er – und das nur, um seine geplante Comedytournee ins Gespräch zu bringen, auf Kosten seiner Partei? Er richtet damit den maximalen Schaden an – und verhindert, dass irgendwer geneigt sein könnte, sich seinen Rat zu Herzen zu nehmen. Die Reaktionen zeigen das ja deutlich. Rhein-Neckar-Zeitung

Erich Schulz-Honecker. Noch giftiger geht es nicht. Der gescheiterte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück spritzt den toxischen Wirkstoff genau dahin, wo es dem aktuellen Kandidaten Martin Schulz besonders weh tut: Bisher hat Schulz die Machtoption – vielleicht seine einzige – mit den SED-Nachfolgern nicht ausgeschlossen.

Der wütende Protest in der SPD zeigt, wie genau Steinbrück gezielt hat. Und wie brutal treffend seine Bemerkungen über das Thema soziale Gerechtigkeit sind. Bei allem Zorn über Steinbrücks zynische Illoyalität sollte die SPD nicht übersehen, dass er in der Sache recht hat: Das Soziale ist eine SPD-Kernkompetenz, aber das reicht nicht aus, um in die Nähe des Kanzleramts zu gelangen.

Erstens ist es nämlich wenig glaubwürdig, wenn eine Partei zwei Jahrzehnte lang fast durchgehend in der Regierungsverantwortung stand und plötzlich die „Zeit für mehr Gerechtigkeit“ ausruft. Zweitens wird in dieser Wahl kein Onkel mit dem Füllhorn gesucht. Das aktuelle Stellenprofil für Bundeskanzler oder Bundeskanzlerin hat Barack Obama erläutert, als er Amtsinhaberin Angela Merkel als „Führerin der freien Welt“ bezeichnete. Das war nicht nur der Ausdruck tiefen Respekts, sondern auch eine Aufgabenbeschreibung angesichts der Krisen durch die Wahl von Donald Trump und den Brexit. Genau dieser Job käme auf Schulz zu, wenn er Kanzler würde. Der Kandidat muss bald zeigen, dass er dem gewachsen wäre. Dazu gehört auch eine Klärung des Verhältnisses zu Erich Honeckers Erben.

Sonst werden die Wähler den Rat des bewährten Kavalleristen Steinbrück neu interpretieren: „Man kann die Pferde nicht mitten im Galopp wechseln.“ Kölnische Rundschau

Hannelore Kraft hat vorgemacht, wie es anständig geht: Noch am Abend der Niederlage trat sie als Chefin der Landes-SPD zurück. Sie klebt nicht an Ämtern, sie hat die Verantwortung für ein schlechtes Wahlergebnis übernommen. Respekt für so viel Charakterstärke.

Norbert Römer, langjähriger Fraktionschef der SPD, macht vor, wie es nicht gehen sollte: Er klammert sich ans Amt, will unbedingt weiter mitreden, an den Rädchen drehen, den eigenen Nachfolger aufbauen, andere Kandidaten verhindern. Als wäre am 14. Mai nichts passiert. In der SPD träumen viele vom „Neuanfang“. Stattdessen lautet die Devise: „Weiter so“. Im alten Trott, mit bekannten Gesichtern. Warum will ein Mann von 70 Jahren nach langer Amtszeit und nach einer krachenden Niederlage weiter die Fraktion führen? Und warum lassen Partei und Fraktion ihm das durchgehen?

Diese Postenschieberei wirkt zutiefst irritierend. Auf die Partei und auf viele Bürger. Stattdessen wäre Demut angebracht. Matthias Korfmann – Westdeutsche Allgemeine Zeitung

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