Elite setzt auf Schwarz-Gelb: Deutschlands Top-Managern und Politikern wollen wieder Merkel

Angela Merkel bei Deutschlands Top-Managern und Politikern die unbestrittene Nummer Eins

Bei den wichtigsten Eigenschaften liegt Angela Merkel mit großem Abstand vor Martin Schulz. SPD-Herausforderer Martin Schulz ist weit abgeschlagen. Die FDP kann dagegen kräftig zulegen. Ein Kurswechsel bei Digitalisierung, Bildung und Infrastruktur ist die wichtigste Aufgabe der neuen Regierung. Das Flüchtlingsthema rückt allerdings in den Hintergrund.

Elite setzt auf Schwarz-Gelb: Deutschlands Top-Managern und Politikern wollen wieder Merkel

Gut zwei Monate vor der Bundestagswahl liegt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem wichtigen Teil der Bevölkerung deutlich vor ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz. Dies zeigt das aktuelle „Capital / F.A.Z. Elite-Panel“ des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD), eine Umfrage bei 521 Führungsspitzen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung, im Auftrag des Wirtschaftsmagazins ‚Capital‘ (Ausgabe 8/2017) und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.). Demnach ziehen 87 Prozent der deutschen Manager, Politiker und Spitzenbeamten Amtsinhaberin Merkel dem SPD-Kandidaten vor. Lediglich zwölf Prozent der deutschen Elite würden in einer direkten Wahl für Schulz stimmen.

Knapp zwei Jahre nach der Aufnahme von gut einer Million Flüchtlingen, die in einem großen Teil der Bevölkerung erhebliche Verunsicherung über Kurs und Krisenmanagement der Kanzlerin auslöste, kann Merkel alle Zweifel an ihrer Person wieder hinter sich lassen. Während der Flüchtlingskrise waren Merkels Popularitätswerte deutlich eingebrochen, was Skepsis bezüglich einer weiteren Amtszeit geweckt hatte.

Jetzt aber kann Merkel in der Schlussphase des Wahlkampfs nicht nur persönlich zulegen, auch ein schwarz-gelbes Regierungsbündnis aus CDU/CSU und FDP gewinnt in der deutschen Elite deutlich an Zuspruch. So bezeichneten 65 Prozent der befragten Spitzenmanager, Politiker und Top-Beamten eine Koalition aus CDU/CSU und FDP als ihr Wunschbündnis für die kommende Legislaturperiode. Bei der letzten Umfrage vor gut sieben Monaten kam Schwarz-Gelb lediglich auf 25 Prozent. Wenn es um die wahrscheinlichste Regierungskoalition nach der Wahl geht, liegt Schwarz-Gelb in der Umfrage jetzt mit 38 Prozent praktisch gleichauf mit der Großen Koalition (39 Prozent).

Ende 2016 hatten noch 65 Prozent der Befragten des „Capital / F.A.Z. Elite-Panels“ erklärt, sie rechneten mit einer Fortsetzung des CDU/CSU-SPD-Bündnisses. Eine bürgerlich-liberale Koalition erwartete damals niemand. Der Höhenflug von Schwarz-Gelb spiegelt sich auch in den aktuellen Zustimmungswerten der FDP wider. So sagen heute 84 Prozent der deutschen Elite, sie hofften auf einen Wiedereinzug der FDP in den Bundestag, 67 Prozent setzen sogar auf eine Regierungsbeteiligung der FDP.

Den unerwarteten Höhenflug der FDP und die Chance einer Schwarz/Gelben-Koalition kommentiert Allensbach-Chefin Prof. Dr. Renate Köcher: „In der Tat gibt es einen bemerkenswerten Stimmungswandel. Eine Koalition aus CDU/CSU und FDP ist plötzlich wieder eine realistische Option. Und die FDP gewinnt enorm an Attraktivität, weil man davon ausgehen kann, dass die Partei nicht nur wieder in den Bundestag kommt, sondern sogar eine Chance hat, am Kabinettstisch zu sitzen.“

Dagegen schneidet SPD-Kandidat Martin Schulz in praktisch allen Kategorien deutlich schlechter ab als Merkel: So attestieren nur 30 Prozent der Befragten Schulz, dass er den Kurs seiner Partei bestimme. 17 Prozent bescheinigen ihm ein hohes Durchsetzungsvermögen, 19 Prozent Kompetenz und Sachkenntnis. Bei Merkel liegen all diese Werte bei rund 80 Prozent. Als Rezept gegen die Misere empfehlen die befragten Manager und Spitzenpolitiker mit überwiegender Mehrheit, die SPD müsse programmatisch wieder in die Mitte rücken. Dieses Votum gilt mehrheitlich selbst für bekennende SPD- und Grünen-Anhänger.

Elite fordert Kurswechsel der Politik bei Digitalisierung, Bildung und Infrastruktur

Bereits heute sind die Erwartungen der Elite an die neue Bundesregierung klar umrissen: Dringlichste Aufgabe ist für 71 Prozent eine deutlich andere Politik bei der Digitalisierung und dem flächendeckenden Ausbau des schnellen Internets. An zweiter Stelle folgt für 49 Prozent ein Kurswechsel in der Bildungspolitik und für 48 Prozent Ausbau und Sanierung des Straßennetzes. Eine deutlich andere Steuerpolitik erhoffen sich 38 Prozent, bei der Energiepolitik sind es 33 Prozent.

96 Prozent habe eine gute Meinung von Frankreichs neuem Staatspräsidenten

Emmanuel Macron kann mit sehr großer Unterstützung der deutschen Entscheider-Elite rechnen. 96 Prozent haben von ihm alles in allem eine gute Meinung. Fast drei Viertel (73 Prozent) trauen ihm zu, die angestrebten Reformen in Frankreich durchzuführen. Seine Forderung, einen EU-Finanzminister einzusetzen, der einen gemeinsamen Haushalt der Eurozone und europäische Investitionsprojekte verwaltet, befürworten 62 Prozent der Führungsspitzen.

Führungsspitzen voller Konjunktur-Optimismus

Die Entscheider-Elite setzt weiterhin auf eine starke wirtschaftliche Zukunft der deutschen Wirtschaft. So sind drei Viertel überzeugt, dass es mit der Konjunktur weiter aufwärts geht. Und 91 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre Auftragslage als gut oder sehr gut – so viele wie seit langem nicht. Diese positive Grundstimmung gilt auch für die EU: 80 Prozent sehen die Zukunft der EU eher optimistisch.

—– Das „Capital / F.A.Z. Elite-Panel“ ist Europas am prominentesten besetzte Führungskräfte-Umfrage. Das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) führt sie seit 1987 zwei Mal im Jahr für das Wirtschaftsmagazin ‚Capital‘ durch, 2015 ist die F.A.Z. als weiterer Auftraggeber hinzugekommen. Unter den aktuell 521 befragten Top-Entscheidern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung sind 85 Vorstände aus Konzernen mit mehr als 20.000 Beschäftigten sowie 24 Ministerpräsidenten und Minister und 33 Leiter von Bundesbehörden. Die Interviews wurden vom 19. Juni bis 7. Juli 2017 geführt. Timo Pache, Chefredaktion ‚Capital‘ – Capital, G+J Wirtschaftsmedien

ZDF-Politbarometer Juli II 2017 / Deutlicher Vorsprung von Merkel stabilisiert sich / Mehrheit hält Ausgang der Bundestagswahl für offen

Auch nach der Vorstellung des „Zukunftsplans“ durch Martin Schulz hat sich der sehr klare Vorsprung von Angela Merkel vor ihrem Herausforderer bei der K-Frage nicht verringert.

Lieber als Kanzler/in

Ähnlich wie in den letzten beiden Monaten wünschen sich jetzt 59 Prozent Angela Merkel im Amt, und nur 30 Prozent sprechen sich für Martin Schulz als künftigen Kanzler aus. Während die CDU/CSU-Anhänger fast geschlossen (94 Prozent) hinter Merkel stehen, sind es bei denen der SPD nur 70 Prozent, die für Martin Schulz sind, aber jeder Vierte (25 Prozent) will lieber Merkel als Kanzlerin. Sehr deutliche Unterstützung findet Merkel bei den Anhängern der FDP (82 Prozent), die Anhänger der Grünen sind geteilter Meinung (47 Prozent : 45 Prozent), bei den Linken sind 55 Prozent für Schulz und 27 Prozent für Merkel, und selbst bei den Anhängern der AfD geben 42 Prozent Merkel den Vorzug vor Schulz (37 Prozent).

Kanzler-Profil

Auch bei den wichtigsten Eigenschaften liegt Angela Merkel mit großem Abstand vor Martin Schulz: 42 Prozent halten Merkel für glaubwürdiger und nur 10 Prozent Schulz, kein großer Unterschied: 42 Prozent (Rest zu 100 Prozent hier und im Folgenden jeweils „weiß nicht“). Als sympathischer nehmen 42 Prozent Merkel wahr und 22 Prozent Schulz (kein großer Unterschied: 30 Prozent). Bei der Dimension „mehr Sachverstand“ ist der Vorsprung von Merkel mit 55 Prozent gegenüber Schulz mit 7 Prozent besonders ausgeprägt (kein Unterschied: 26 Prozent).

Ausgang der Bundestagswahl

Trotz dieses deutlichen Vorsprungs und obwohl inzwischen 80 Prozent glauben, dass die Union die größeren Chancen hat, die Wahl zu gewinnen (SPD: 5 Prozent, andere: 4 Prozent), meinen 55 Prozent, dass es heute noch keineswegs klar ist, wer die Bundestagswahl gewinnen wird (ist schon klar: 43 Prozent). Und in der Tat sind die Verhältnisse nicht so eindeutig, wenn es um die Frage einer regierungsfähigen Mehrheit geht.

Projektion

In der Politbarometer-Projektion gibt es im Vergleich zu vor zwei Wochen kaum Veränderungen. Wenn am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, käme die CDU/CSU auf 40 Prozent (unverändert) und die SPD auf 24 Prozent (unverändert). Die Linke erhielte 8 Prozent (minus 1), auch die Grünen und die FDP kämen auf 8 Prozent (unverändert), die AfD würde sich auf 8 Prozent (plus 1) verbessern und die anderen Parteien zusammen erzielten wie zuletzt 4 Prozent. Damit gäbe es neben einer großen Koalition auch eine Mehrheit für eine Regierung aus CDU/CSU, Grüne und FDP – für Rot-Rot-Grün oder eine Ampel aus SPD, Grüne und FDP würde es nicht reichen. Schwarz-Gelb und Schwarz-Grün befänden sich an der Grenze zur Mehrheitsfähigkeit.

Nur wenige nehmen große Unterschiede zwischen CDU/CSU und SPD wahr

Nach Meinung von 70 Prozent aller Befragten sind die inhaltlichen Unterschiede zwischen CDU/CSU und SPD nicht so groß, lediglich 23 Prozent sehen hier große Unterschiede. Das sehen auch die Anhänger von Union (große Unterschiede: 27 Prozent) und SPD (große Unterschiede: 25 Prozent) so ähnlich.

Wahlkampfversprechen

Dass die Ankündigungen der Parteien vor der Wahl nach der Wahl auch eingehalten werden, glauben nur 26 Prozent aller Befragten, 71 Prozent glauben das nicht. Am zuversichtlichsten sind da noch die Anhänger der CDU/CSU (41 Prozent) und der FDP (34 Prozent), während vor allem bei denen der Linken besonders wenige (11 Prozent) davon ausgehen, dass Angekündigtes auch eingehalten wird. ZDF Presse und Information

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