FDP-Chef Lindner: Verlasse mich nicht auf Umfragen, auch wenn sie gut sind

Die FDP und Christian Lindner: Der liberale Macron

FDP-Chef Christian Lindner traut Meinungsforschern nicht. „Ich verlasse mich nicht auf Umfragen – auch nicht, wenn sie gut sind“, sagte der Spitzenkandidat der Liberalen für die Bundestagswahl im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

FDP-Chef Lindner: Verlasse mich nicht auf Umfragen, auch wenn sie gut sind

Wolfgang Schäuble ist am Montag 75 Jahre alt geworden. Zudem ist er dienstältester Abgeordneter des Bundestages, hat in drei Ministerien gedient und war maßgeblich am Zustandekommen der deutschen Einheit beteiligt. Das sind Verdienste, die bleiben. Natürlich lässt sich aus ihnen kein Quasi-Anspruch ableiten, dass er auch in der nächsten Bundesregierung den Posten des Finanzministers bekleidet. Dennoch hätte die FDP entgegen ihrem Wahlkampf-Slogan mit ihrem Vorstoß besser noch gewartet. Man muss für diese Einschätzung noch nicht einmal den sprichwörtlichen Bären bemühen, dessen Fell noch längst nicht verteilt ist. Vielmehr muss man nur auf die aktuellen Umfragezahlen schauen. Gemäß diesen ist es einigermaßen fraglich, ob die Frage der Ressortverteilung – wenn überhaupt – lediglich eine zwischen Schwarz und Gelb sein wird.

Und trotzdem trompeten die Liberalen jetzt Ansprüche in die Welt. Es ist auch völlig klar warum. Wenige Tage vor der Wahl will man ein Signal aussenden, das da lautet: „Wir sind immerhin im Gegensatz zu anderen in der Lage, solche Forderungen zu erheben.“ Das mag – und muss – der Wähler bewerten. Man mag das als Zeichen von Stärke und Willen zur Macht deuten. Eine im aktuellen Schlafwagen-Wahlkampf prinzipiell willkommene Abwechslung. Aber die FDP hat dabei die Rechnung ohne die CDU und – mittelbar – die SPD gemacht. Und ohne den Wähler sowieso. Der könnte sich jetzt daran erinnern, dass Christian Lindner ein Schüler Guido Westerwelles ist. Und schon bei diesem lagen großes Talent und vorlaute Trompeterei immer nahe beieinander. Für nachhaltige Wertschätzung mitunter zu nahe. Lars Hennemann – Allgemeine Zeitung Mainz

„In diesem Wahlkampf ging es zu viel um Posten und Plakate“

Liberaler fordert Debatte über Funk-und Schlaglöcher

FDP-Chef Christian Lindner traut Meinungsforschern nicht. „Ich verlasse mich nicht auf Umfragen – auch nicht, wenn sie gut sind“, sagte der Spitzenkandidat der Liberalen für die Bundestagswahl im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Er verlasse sich „auf volle Säle und volle Marktplätze“. Er sei zuversichtlich mit Blick auf die Bundestagswahl, auch weil die FDP wieder über 60 000 Mitglieder habe und “ immer mehr Menschen wieder zu uns gehören wollen“. Lindner kritisierte, dass es in diesem Wahlkampf „zu viel um Plakate, Posten und Koalitionsspekulationen“ gehe.

„Es geht zu wenig um Schlaglöcher, Funklöcher oder die Defizite bei der Inneren Sicherheit“, meinte der Liberale. Abschreckendes Beispiel sei das TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz. „Da kamen Themen wie Bildung und Digitalisierung im Schlusswort vor“, meinte Lindner. Linkspartei und Grüne seien zuletzt als Opposition „so spannend wie eingeschlafene Füße“ gewesen. Die AfD erlebe er als „Schaf im Wolfspelz“. Zu den Sachfragen habe sie keine Alternativen. „Im Landtag von Nordrhein-Westfalen haben die gerade einen von der CDU Niedersachsen abgeschriebenen Antrag eingebracht“, spottete der FDP-Bundesvorsitzende. Neue Osnabrücker Zeitung

PAS-Studie: CDU-Basis kann am besten mit der FDP

Übereinstimmungen am rechten und linken Rand / Social-Media-Wahlkampfanalyse: Wählerbasen der LINKEN und der AfD ticken in vielen Fragen gleich

Nach der Bundestagswahl 2017 muss die Große Koalition nicht alternativlos sein. Eine Studie von Pragmatic Analytic Services (PAS), einer Initiative von komm.passion und von Data Science Consulting, hat die Lebenswelten der Anhänger der Parteien und ihrer Spitzenkandidaten bei Facebook durch KI-Algorithmen entschlüsselt. Ergebnis: Die Union-Fans sind denen von FDP und Bündnis 90/Grünen näher, als ihnen sicherlich lieb ist – den Liberalen noch stärker als den Grünen. Was auch herauskam: Die Wählerbasen der LINKEN und der AfD ticken in vielen Fragen gleich oder ähnlich, und zwar mehr, als dies auf den ersten Blick zu vermuten ist. Deren jeweilige Spitzenkandidaten sind jedenfalls im anderen Lager äußerst beliebt. „Die Systemkritik und Unzufriedenheit am rechten und am linken Rand sind ziemlich gleich, sodass eine Sahra Wagenknecht auch in der AfD-Klientel gut ankommt“, sagt Studieninitiator Prof. Dr. Alexander Güttler, CEO der Kommunikations- und Unternehmensberatung komm.passion.

Die FDP und Christian Lindner: Der liberale Macron

Die Fans des FDP-Spitzenkandidaten Christian Lindner sind aufgrund ihrer Facebook-Likes insgesamt etwas moderner als die Ur-FDP-Anhänger. Sie identifizieren sich weitgehend mit den Ideen der aktuellen Regierung, vor allem dem christdemokratischen Teil. Sie sehnen sich nach Zeiten einer gemeinsamen Koalition auf Bundesebene. Mitregieren statt Zusehen – Modernität ohne ideologische Scheuklappen. „Die FDP setzt hier geschickt auf Kampagnenelemente, die man sonst aus dem klassischen Brand-Marketing für Produkte kennt“, führt Prof. Güttler aus.

Die Grünen: Mehr Mut zur Attacke?

Die Bündnis-Grünen möchten handeln, also mitregieren, nicht nur reden. Das klappt aber nur bei einem entsprechenden Wahlergebnis, in dem die Union auf sie angewiesen wäre, um an der Macht zu bleiben. Denn: Weite Teile der CDU/CSU-Basis fremdeln mit den Grünen. Und das liegt nicht einmal an den beiden grünen Spitzenkandidaten. Cem Özdemir ist – zumindest in den sozialen Medien – beliebt auf breiter grüner Front. Anhänger von Winfried Kretschmann, dem zahlreiche Grünen ein CDU-Parteibuch schenken möchten, bis hin zu denen des Parteilinken Hans-Christian Ströbele liken Özdemir auf Facebook. Auch Fans der nach einer PAS-Studie von August beiden „deutschen Macrons“, Jens Spahn und Christian Lindner, machen keinen Hehl aus ihrer Sympathie für den grünen Spitzenmann. Bei den Anhängern von Katrin Göring-Eckardt sieht es nicht viel anders aus. Sie schätzen sogar CDU-Mann Peter Altmaier außerordentlich. Leider bleibt die Liebe, zumindest in den sozialen Netzwerken, unerwidert.

AfD und LINKE beweisen: Die Erde ist rund

LINKE und AfD bilden die Pole des politischen Spektrums. Doch die Erde ist rund, und die Wahlklientel beider Parteien weist an ihren Enden mehr Überschneidungen auf, als dies auf den ersten Blick zu vermuten ist. Noch stärker kristallisieren sich die Parallelen im Vergleich der Facebook-Fanbases von Sahra Wagenknecht, LINKEN-Spitzenkandidatin, und von Alice Weidel, AfD-Frontfrau, heraus. Beide Gruppen sehnen sich nach vermeintlich starken Führungspersönlichkeiten wie dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán und der Französin Marine Le Pen. Wagenknechts Sympathisanten verehren auf Facebook überdurchschnittlich oft Beatrix von Storch aus der AfD. AfDler wiederum machen aus ihrer Begeisterung für Wagenknecht und die LINKEN-Bundesvorsitzende Katja Kipping keinen Hehl. „Die dunkelroten Sozialromantiker und die braunen Opportunisten eint die Ablehnung. Nur im Umgang mit den Rechtsradikalen und mit Nazis sowie mit den Grünen sehe ich Konfliktpotenzial“, führt Kommunikationsexperte Alexander Güttler aus.

Zur PAS-Methodik: Im sozialen Netzwerk Facebook hat PAS mithilfe von Social Media Analytics die Lebenswelten der Fans der Parteien und ihrer Spitzenkandidaten untersucht und durch KI-Algorithmen entschlüsselt. Mit ihren Likes auf Facebook offenbaren sie, wer sie sind. Unverfälscht und unmittelbar. PAS bildet die neuronalen Netzwerke und das soziale Genom ab – die komplexe Lebenswelt der Fans wird so detailliert sichtbar. Gernot Speck – komm.passion GmbH

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