SPD-Kanzlerkandidatur: SPD-Chef Gabriel wirft hin – Martin Schulz übernimmt das Ruder

stern exklusiv: SPD-Chef Gabriel nicht zur Kanzlerkandidatur bereit – Schulz soll die SPD in den Wahlkampf führen. SPD-Vorsitzender und Vizekanzler Sigmar Gabriel steht für eine Kanzlerkandidatur zur Bundestagswahl 2017 nicht zur Verfügung. Dies berichtet das Magazin stern in seiner nächsten Ausgabe, die bereits am kommenden Mittwoch, 25. Januar, im Handel erhältlich ist.

SPD-Kanzlerkandidatur: SPD-Chef Gabriel wirft hin – Martin Schulz übernimmt das Ruder

Auf die Frage, warum er nicht gegen Kanzlerin Angela Merkel antreten werde, antwortet Gabriel in einem Exklusiv-Gespräch mit dem stern: „Wenn ich jetzt anträte, würde ich scheitern und mit mir die SPD.“

Nach seinem Verzicht schlägt Gabriel im stern den früheren Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, als SPD-Kanzlerkandidaten vor. Schulz, so Gabriel gegenüber dem stern, habe „die eindeutig besseren Wahlchancen“. Mit dem Verzicht auf die Kanzlerkandidatur kündigt Gabriel zugleich im stern an, er stelle auch sein Amt als Parteivorsitzender zur Verfügung. Als seinen Nachfolger schlägt er auch hierfür Martin Schulz vor. Stattdessen wird Gabriel das Amt des Außenministers von Frank-Walter Steinmeier übernehmen, dem designierten Bundespräsidenten.

Gabriels Entscheidung über die Kanzlerkandidatur war seit Wochen mit Spannung erwartet worden. Allgemein gingen politische Beobachter davon aus, dass der SPD-Vorsitzende seine Partei als Bewerber um die Kanzlerschaft in den Bundestagswahlkampf 2017 führen werde. Das vollständige Gespräch mit SPD-Chef Sigmar Gabriel erscheint am Mittwoch, 25. Januar, im neuen stern. Quelle: stern. Sabine Grüngreiff, Gruner + Jahr

Die Zweifel an der Kanzlerkandidatur des SPD-Vorsitzenden schwanden mit jedem Tag, der uns noch von der angekündigten Proklamation am kommenden Wochenende trennte. Weil das so ist, geht es nun also nicht mehr um die Frage, ob Sigmar Gabriel von seinem Erstzugriffsrecht Gebrauch machte, sondern darum, wie er sich seiner Meinung nach optimal in Stellung brächte gegen Angela Merkel, die trotz anhaltender Kritik an ihrem Regierungskurs selbst in der eigenen Parteifamilie für jeden Herausforderer nur schwer zu bezwingen scheint. Es gab für Gabriel nicht zuletzt durch die bevorstehende Wahl von Außenminister Frank-Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten gleich mehrere Optionen. Der Wirtschaftsminister könnte nun das Ressort wechseln und ins Auswärtige Amt einziehen. Doch als Deutschlands Chefdiplomaten kann man sich den umtriebigen Vizekanzler nicht einmal für acht Monate vorstellen – dann doch besser den bisherigen EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz, den Gabriel für diesen Posten wohl auch vorgesehen hatte. Mehr Sinn, aus strategischer Sicht der SPD, mag ein Ausscheiden Gabriels aus der Kabinettsdisziplin machen. Er könnte seinen Job mit Fraktionschef Thomas Oppermann tauschen und fortan mehr Unabhängigkeit von der Kanzlerin sowie dem Koalitionspartner Union wagen. Das würde dem mitreißenden Wahlkämpfer Gabriel gewiss gefallen, aber zugleich das Risiko bergen, dass der SPD-Boss seine Truppen in Partei und Parlament ab sofort auf Konfrontationslinie trimmt. Denn nichts mögen die Bürger weniger als eine streitende Koalition, die vor der Zeit ihre Regierungstätigkeit einstellt. Südwest Presse

stern-RTL-Wahltrend: Union verliert, SPD legt zu – stern-Politiker-Ranking: Angela Merkel bei CSU-Anhängern beliebter als Horst Seehofer

Von den zwei Prozentpunkten, die die Union aus CDU und CSU nach dem Berliner Terroranschlag gewann, büßt sie wieder einen ein und kommt im stern-RTL-Wahltrend nun auf 37 Prozent. Die SPD kann im Vergleich zur Vorwoche einen Punkt zulegen auf 21 Prozent. Drittstärkste Kraft bleibt weiterhin die AfD mit 12 Prozent. „Die AfD“, sagt Forsa-Chef Manfred Güllner, „kann sich trotz der wieder von der CSU verschärften Debatte um die Flüchtlingspolitik nicht verbessern.“

Die Grünen behaupten ihre 10 Prozent, und die Linke liegt nach wie vor bei 9 Prozent. Die FDP kann sich leicht verbessern auf 6 Prozent. Auf die sonstigen kleinen Parteien entfallen zusammen 5 Prozent. Der Anteil der Nichtwähler und Unentschlossenen beträgt 30 Prozent.

Im aktuellen Politiker-Ranking, das das Forsa-Institut für den stern erstellt, führt wie im August des vergangenen Jahres Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier mit 66 Vertrauenspunkten die Liste an. Die über 1000 Befragten konnten Punkte zwischen 0 (kein Vertrauen) und 100 (sehr großes Vertrauen) vergeben, woraus dann der Mittelwert errechnet wurde.

Auf den zweiten Platz kommt Kanzlerin Angela Merkel mit 64 Punkten, vier mehr als noch im August. Den höchsten Wert mit 85 Punkten erreicht die CDU-Chefin zudem bei den Anhängern der eigenen Partei und ist auch bei den Anhängern der Unionsschwester CSU mit 72 Punkten beliebter als deren Vorsitzender Horst Seehofer (69 Punkte). Merkel, die im August noch auf Platz 4 des stern-Rankings stand, hat also am meisten an Vertrauen hinzugewonnen.

Mit 60 Punkten (- 2) folgt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, dahinter rangiert Noch-EU-Parlamentspräsident und SPD-Politiker Martin Schulz, der als Neuling im Ranking gleich mit 58 Punkten bewertet wird (75 bei den eigenen Anhängern). Damit genießt er nicht nur bei allen Wahlberechtigten mehr Vertrauen als SPD-Chef Sigmar Gabriel, sondern auch bei den eigenen Anhängern – und zwar mit einem Vorsprung von 12 Punkten. Gabriel steht nach Bundesinnenminister Thomas de Maiziere mit 53 Punkten auf Rang 6 mit 50 Punkten (63 bei den eigenen Anhängern).

CSU-Chef Seehofer, mit 48 Punkten auf dem siebten Platz, kann vor allem bei den Anhängern der AfD punkten. Die bewerten ihn nämlich mit 59 Vertrauenspunkten – die AfD-Vorsitzende Frauke Petry hat bei den eigenen Sympathisanten mit 61 nur zwei mehr. Hinter Seehofer steigt Grünen-Chef Cem Özdemir – ebenfalls neu auf der Liste – mit 47 Punkten auf dem achten Platz ein, dahinter Christian Lindner von der FDP (43 Punkte) und Özdemirs Kollegin Katrin Göring-Eckardt (42 Punkte). Schlusslichter wie im August sind auf den Plätzen 11 und 12 die Linke-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht mit 37 Punkten (60 bei den eigenen Anhängern – der niedrigste Wert im Ranking) und Petry mit 21 Punkten, immerhin drei mehr.

Datenbasis Wahltrend: Das Forsa-Institut befragte vom 27. bis 30. Dezember 2016 im Auftrag des Magazins stern und des Fernsehsenders RTL 2001 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger, die durch eine computergesteuerte Zufallsstichprobe ermittelt wurden. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 2,5 Prozentpunkten.

Datenbasis Politiker-Ranking: Das Forsa-Institut befragte am 28. und 292. Dezember 2016 im Auftrag des Magazins stern 1001 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger, die durch eine computergesteuerte Zufallsstichprobe ermittelt wurden. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 3 Prozentpunkten. Quelle: stern-RTL-Wahltrend bzw. stern. Sabine Grüngreiff, Matthias Bolhöfer – Gruner + Jahr

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