Weltwirtschaftsforum in Davos: Rösler warnt vor Protektionismus

Weltwirtschaftsforum: Zusammenarbeit ist nötig

Philipp Rösler, Vorstand des Weltwirtschaftsforums, hat vor dem Treffen in Davos vor einem zu starken Protektionismus gewarnt. „Die Antwort auf die zunehmende Kritik an der Globalisierung muss mehr internationale Kooperation sein, nicht weniger“, sagte der ehemalige FDP-Parteichef dem Berliner „Tagesspiegel“.

Weltwirtschaftsforum in Davos: Rösler warnt vor Protektionismus

Wenn Donald Trump mit Twitter-Nachrichten Welt- und Wirtschaftspolitik macht, geht das vielen Managern auf die Nerven. Sie haben keine Lust zu springen, nur weil der künftige US-Präsident den Bau neuer Fabriken in den USA verlangt. Nicht nur viele Bürger, auch die Firmen und Investoren müssen erst einen Umgang mit dem neuen Mann im Weißen Haus finden. Beim Weltgipfel der Wirtschafts- und Politikelite in Davos dürfte das ein zentrales Thema sein. Und es wird um Ursachenforschung gehen. Wie konnte es soweit kommen, dass in Großbritannien, den USA und anderen entwickelten Staaten große Gruppen der Bevölkerung der Marktwirtschaft und Demokratie mittlerweile misstrauen? Die einen sagen, es gehe um Identität. Einwanderung, Ansprüche von Minderheiten und die Auflösung traditioneller Rollenverhältnisse führe zu einem Gefühl von Heimatlosigkeit, von dem Rechte profitieren.

Andere betonen die sozialen Ursachen. In dieser Sichtweise war die Globalisierung der vergangenen 30 Jahre zu wenig ausbalanciert. Die Interessen der einheimischen Bevölkerung spielten kaum eine Rolle, wenn Unternehmen ihre Produktion in Entwicklungs- und Schwellenländer verlagerten. Die Profiteure seien nicht bereit gewesen, einen ausreichend großen Anteil ihrer Gewinne für gemeinschaftliche Aufgaben wie soziale Sicherung, Bildung und Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Selbst Klaus Schwab, der Chef des Weltwirtschaftsforums, sieht das teilweise so. Nun soll man von Davos nicht zu viel erwarten. Der Kongress hat kein Mandat und keine Exekutivgewalt. Hin und wieder gehen zwar Initiativen von Davos aus, die eine längerfristige Wirkung entfalten. Aber eine gemeinsame Anstrengung für eine sozialere Globalisierung, gerechtere Verteilung von Einkommen und Vermögen? Abwarten. Gut wäre es. Nicht mangeln wird es an Aufrufen zur internationalen Kooperation, um der gefährlichen Tendenz zur nationalen Abschottung entgegenzuwirken. Wenn solche Appelle Präsidenten wie Trump, Wladimir Putin, Tayyip Erdogan in der Türkei oder den Chinesen Xi Jinping nachdenklich machten, wäre schon viel gewonnen. Hannes Koch, z. Zt. Davos – Neue Westfälische

Weltwirtschaftsforum ruft zum Neustart der Beziehungen zu Russland auf

Rösler: Sache der Europäer, nicht der Amerikaner – „Sanktionen eher ungeeignet“

Die Führung des Schweizer Weltwirtschaftsforums (WEF) hat zu einer Aussöhnung mit Russland aufgerufen. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte WEF-Direktor Philipp Rösler, „ein Neustart in dieser jetzt so verfahrenen Situation wäre wichtig“. Das Leben in Europa könne nur gemeinsam und nicht gegeneinander funktionieren. Es sei an der Zeit, beiderseits entsprechende Signale auszusenden.

„Dass eine dauerhafte Verständigung auf dem europäischen Kontinent und also mit Russland erstens notwendig und zweitens, vor allen Dingen, Sache der Europäer und nicht der Amerikaner ist, hätte man eher wahrnehmen und dann auch seine Politik danach ausrichten müssen“, sagte Rösler mit Blick auf die vergangenen Jahre und Jahrzehnte. Die Frage, wie nach dem Zerfall der Sowjetunion mit einem nach wie vor ungemein wichtigen Land umgegangen werden solle, sei nie geklärt worden. „Heute sehen wir, welche Konflikte aus diesem Versäumnis erwachsen konnten“, sagte der frühere deutsche Bundesminister und Vizekanzler auch mit Blick auf die Lage in Syrien.

Im Vorfeld des Jahrestreffens des Weltwirtschaftsforums im Januar in Davos sprach sich Rösler gegen die unlängst verlängerten Ukraine-Sanktionen gegen Russland aus. Der Zusammenhang zwischen der Akzeptanz einer Regierung und verschlechterten Lebensbedingungen sei sehr schwach. Stattdessen litten Unbeteiligte und die eigene Wirtschaft. „Als politisches Mittel sind Sanktionen eher ungeeignet“, erklärte der Ex-Wirtschaftsminister.

Weltwirtschaftsforum warnt vor Ende der EU

Direktor Rösler: Großartige Idee könnte verschwinden – Noch Spielraum beim Brexit

Der Chef des Schweizer Weltwirtschaftsforums (WEF), Philipp Rösler, hat vor einem Ende der EU gewarnt. Der frühere deutsche Vizekanzler: „Wenn die Länder so weitermachen, wird die großartige Idee Europa verschwinden. Ich frage mich, ob das nicht gesehen wird. Die Frage der Währung, der britische Austritt, andere Streitigkeiten, der Umgang mit Flüchtlingen – in globaler Relation und historischer Dimension sind das letztlich nur kleine Probleme im Vergleich zur Bedeutung und Leistung der europäischen Integration.“

Im Vorfeld des Jahrestreffens des Weltwirtschaftsforums im Januar in Davos mahnte der WEF-Direktor zugleich Selbstkritik der europäischen Institutionen an. „So wie man es bisher gehalten hat, nämlich zu sagen, wir haben eine tolle EU, das Problem ist allein, die Leute verstehen das nicht – das wird nicht genügen.“ Es müsse wieder eine Vision entstehen. „Außerdem ist es in den ganzen Jahrzehnten nicht geschafft worden, eine europäische Öffentlichkeit herzustellen“, monierte der frühere FDP-Chef. „Solange die fehlt, gibt es keine hinreichende Kontrolle der Gremien oder zumindest keine hinreichende Wahrnehmung dieser Kontrolle und damit ein Defizit an Legitimität.“

Gravierende Folgen eines Brexits erwartet Rösler nicht. „Ich glaube, dass am Ende Kompromisse möglich sind“, sagte er. Es bestünde durchaus Spielraum für einen „eleganteren Weg“ als harte Verhandlungen und einen konfrontativen Austritt.

Weltwirtschaftsforum schlägt umfassende Reform der deutschen Berufsbildung vor

Direktor Rösler für drastische Vereinfachung: Übergroße Spezialisierung schade auf Dauer

Der Direktor des Schweizer Weltwirtschaftsforums, Philipp Rösler, hat angesichts des digitalen Wandels eine umfassende Reform und Vereinfachung des deutschen Systems der Berufsbildung angeregt. Rösler: „wir reden seit Jahrzehnten über Modularität – jetzt wird es ernst“. Früher sei er als Bundeswirtschaftsminister mit den Kammern für die Berufsbildung in Deutschland zuständig gewesen. Daher wisse er: „Da gibt es viele Hundert Ausbildungsberufe, wunderbar, aber: Da muss man sich die Frage stellen, ob das in dieser Breite noch sinnvoll ist, und ob es nicht klüger wäre, Module zu lernen, um sich erst später zu spezialisieren.“

Hintergrund sei der sich beschleunigende Wandel der Arbeitswelt. „Eine zu spezifische Spezialisierung schadet auf Dauer“, sagte Rösler. Nötig sei vielmehr ein Konsens über Grundfertigkeiten, die jeder brauche, um Spezialkenntnisse aufzusetzen, die dann wiederum ersetzbar sein müssten, um sich je nach technischer Entwicklung zu verändern. „Das könnte eine Möglichkeit sein, damit sich der Entfall von Arbeitsplätzen nicht so gravierend auswirkt, wie es andernfalls zu befürchten wäre“, sagte Rösler.

Die deutsche duale Ausbildung stellte der frühere FDP-Chef nicht in Frage. „Deren große und weltweit anerkannte Stärke ist nach wie vor, dass sie eine theoretische Ausbildung in der Schule mit alltagsorientierter Praxis im Unternehmen verzahnt.“ Dies sei ein unschlagbares Rezept für eine niedrige Jugendarbeitslosigkeit, dürfe aber nicht heißen, dass man nicht auch diese Ausbildungsgänge an die Anfordernisse der Zeit anpassen sollte. Neue Osnabrücker Zeitung

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